Verkehrsplanung

Radschnellweg an der S 4: Wie kommt man an Grundstücke ?

Der immer wieder diskutierte Radschnellweg entlang der S 4 von Bruck bis München bleibt nun doch weiter ein Thema – allerdings ohne eigene Studie. Die Kreisverwaltung will selbst tätig werden.

Landkreis – Eine große Mehrheit der verantwortlichen Politiker hatte es zuletzt abgelehnt, sich finanziell an einer so genannten vertieften Machbarkeitsstudie zu dem Schnellweg zu beteiligen. Zu teuer und zu unkonkret sei diese Studie, waren die zentralen Argumente.

Die SPD wollte diesen Beschluss via Antrag nun kippen und doch an der Studie teilnehmen. Das lehnte eine große Mehrhheit erneut ab. Wie dabei aber deutlich wurde, will die Kreisverwaltung quasi auf direktem Dienstweg das Gespräch mit den beteiligten Kommunen, also München, Puchheim, Eichenau, Emmering und Bruck, suchen. Auch die Bahn soll befragt werden. Ziel sei es dabei unter anderem, die Verfügbarkeit von Grundstücken auszuloten, erklärte Christian Gerhard von der Kreisverkehrsverwaltung. Außerdem werde auch im entstehenden Radwegekonzept auf dieses Thema geachtet.

Puchheims Bürgermeister Norbert J. Seidl warb im Namen der SPD für die Schnellwegverbindung. Wenn beispielsweise jeden Tag je 50 Pendler aus den anliegenden Orten vom Auto aufs Rad umsteigen würden, dann würden bereits 10 000 Auto-Kilometer je Tag gespart, rechnete er vor. Christina Claus (Grüne) schimpfte über die ablehnende Haltung der CSU: „Wenn wir Straßen bauen, eiern wir ja auch nicht so herum. Man muss umdenken.“

Johann Wörle, Verkehrs-Sprecher der CSU, dagegen betonte, dass es sinnvoll ist, erst die Grundstücksfrage zu klären . Die CSU nehme Radwege sehr ernst, was die aktuell laufende Neu-Konzeptionierung ja beweise.

In diesem Zusammenhang wurde auch an bereits weitgehend fertige Planungen erinnert, die aber nicht realisiert werden können, weil der Grunderwerb gescheitert ist (etwa der Radweg an der B 2 von Hattenhofen bis Abzweig Mittelstetten). Noch kritischer reagierte Klaus Wollenberg (FDP) auf die Worte der SPD. Für 50 enthusiastische Radler einen Millionenbetrag in den Boden zu bauen, sei volkswirtschaftlicher Unsinn, fand er. Die Voraussetzung für eine Förderung seien 2000 Radler je Tag. „Kommen wir überhaupt in die Nähe dieser Zahl?“, fragte er.

Peter Falk (SPD) warf Klaus Wollenberg vor, in der verkehrspolitischen Steinzeit zu leben. Rund um München seien sich alle Kommunalpolitiker in dieser Frage einig. Nur im Westen der Landeshauptstadt habe der zuständige Landrat den Daumen drauf, was Thomas Karmasin im weiteren Verlauf der Sitzung implizit bestätigte, als er über die geringe Effizienz der Radlschnellwege im Vergleich zu Busverbindungen witzelte.

Radschnellwege sollen in erster Linie Berufspendlern dienen. Laut Kreisverwaltung gibt es mittlerweile sogar Fördermöglichkeiten. Allerdings seien diese an Bedingungen gebunden. So müsste ein Schnellweg mindestens zehn Kilometer lang und vier Meter breit sein sowie eben die genannten 2000 Radfahrer pro Tag anziehen.

st

Rubriklistenbild: © dpa

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