Er glaubte nicht an einen Notfall

Rentner versperrt Sanka mit verletztem Kind den Weg

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Fürstenfeldbruck – Rechthaberisch auf Leben und Tod – das scheint das Lebensmotto eines 66-Jährigen aus Fürstenfeldbruck zu sein. Er stellte sich einem Rettungswagen in den Weg, in dem ein verletztes Kind lag.

Obwohl der Sanka des Roten Kreuzes bei dem Vorfall am 24. September 2012 Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet hatte, wollte der Senior nicht glauben, dass ein Notfall vorlag. Vor dem Landgericht München bekam der Mann am Mittwoch eine Standpauke. Einsicht zeigte er trotzdem keine.

Passiert ist das Ganze direkt vor dem Haus des Rentners. Der hat alles auf einer Videokamera aufgezeichnet. Die ist seit einem Unfall in seinem Auto fest installiert und immer eingeschaltet. Das Gericht schaute sich das Video an. Es zeigt, wie der Rentner auf einer Anliegerstraße fährt. Ein Rettungswagen kommt entgegen und wechselt seine Straßenseite, um an parkenden Wagen vorbeizukommen. Als der Rentner nicht bremst, um den Rettungswagen durchzulassen, schaltet die Fahrerin die Sirene ein. Der Rentner fährt trotzdem direkt vor sie, steigt aus, und fragt die Sanka-Fahrerin, ob sie die Verkehrsregeln nicht kenne. Sie solle zurückfahren.

Am Tag nach dem denkwürdigen Zusammentreffen hat der 66-Jährige die Sanka-Fahrerin sogar angezeigt. „Ich dachte, sie hatte das Blaulicht rechtswidrig eingeschaltet, um den bevorrechtigten entgegenkommenden Verkehr zur Rückfahrt zu nötigen“, schrieb er dem Staatsanwalt.

"So etwas ist mir noch nie passiert!“, sagte die 28-Jährige Sanka-Fahrerin am Mittwoch im Zeugenstand. Ihr Rettungswagen ist fast sechs Meter lang. „Ohne Einweiser darf sie gar nicht zurücksetzen“, erklärte BRK-Sprecher Michael Neuhierl. Einweisen hätte sie nur der Rettungsassistent können. Aber der musste bei dem Kind bleiben, das sich beim Fußball verletzt hatte. Aus der Tatsache, dass das Amtsgericht Fürstenfeldbruck nicht die Frau sondern ihn im April wegen versuchter Nötigung zu 30 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt hatte, schien der Rentner nichts gelernt zu haben. Er strengte beim Landgericht einen Berufungsprozess an. In der Verhandlung wiederholte er immer wieder, dass aus seiner Sicht die Sanka-Fahrerin ihn genötigt habe.

Schließlich platzte dem Staatsanwalt der Kragen: „Das ist ja ungeheuerlich, wenn das hier so weitergeht, beantrage ich 60 Tagessätze, ein Fahrverbot, und die Höhe der Tagessätze ist auch zu niedrig!“ Die Richterin wies darauf hin, dass es sich nicht nur um versuchte, sondern um vollendete Nötigung handle. Der Rentner, der selbst einmal eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht hat und seit mehr als 50 Jahren den Führerschein besitzt, nahm schließlich die Berufung zurück. Die Richterin wünschte ihm, er möge nie auf die Hilfe eines Krankentransportes angewiesen sein.

Susanne Sasse

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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