Gefragter Experte: Florian Kainzinger berät derzeit viele Verbände.
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Gefragter Experte: Florian Kainzinger berät derzeit viele Verbände.

Gefragter Experte: Florian Kainzinger

Er macht den Profisport corona-sicher: Fußball-Bundesliga und Biathlon-Weltcup setzen auf seine Expertise

  • Peter Loder
    vonPeter Loder
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Ohne ihn gäbe es in Corona-Zeiten keinen Biathlon-Weltcup, keinen Profi-Fußball, keinen Bundesliga-Handball. Florian Kainzinger aus Fürstenfeldbruck ist Deutschlands erster Ansprechpartner, den Sportverbände, -vereine und -funktionäre kontaktieren, wenn es um die Corona-konforme Austragung großer Events geht.

Fürstenfeldbruck – Mit seinem in Berlin ansässigen Unternehmen Think.Health Hygiene Solutions GmbH berät der 38-Jährige die Veranstalter und überwacht die Wettbewerbe. Zuletzt beim Biathlon-Weltcup in Oberhof war er persönlich vor Ort, die aktuellen Wettkämpfe in Antholz (Südtirol) werden von seinen 15 Mitarbeitern betreut.

Als Vierjähriger war der gebürtige Münchner 1986 nach Bruck gekommen. Sein Vater ist der in der Kreisstadt als Hals-, Nasen- und Ohrenfacharzt sowie als ehemaliger FDP-Stadtrat und Sportreferent bekannte Dr. Werner Kainzinger. Während Tochter Sandra in seine medizinischen Fußstapfen getreten ist und als Ärztin die Praxis übernommen hat, kam Florian Kainzinger auf Umwegen in den Gesundheitsbereich. Er studierte in München und London Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Gesundheitsökonomie, ehe er als Nichtmediziner an der Berliner Charité promovierte.

Kainzinger sportelte in der Jugend beim TuS Fürstenfeldbruck

Zuvor hatte er als Jugendlicher beim TuS mit Basketball angefangen und später im Handball-Nachwuchsbereich „auf der Platte“ gestanden. Mit dem Abitur am Graf-Rasso-Gymnasium war die sportliche Karriere beendet. Erst Jahre später sollte es einen Neustart im Sport geben – aber nicht mehr als Aktiver.

Der Einstieg ins Berufsleben begann beim Unternehmensberater Roland Berger. Kliniken und Labore gehörten zu seinen Kunden. 2011 gründete der damals erst 28-Jährige nach einer 24-monatigen Vorbereitungsphase ein Tochterunternehmen der Charité: Als Geschäftsführer von Labor Berlin gehörte der Brucker 2015 zu der Auswahlkommission, die den jetzt zu Corona-Zeiten omnipräsenten Professor Christian Drosten in sein jetziges Amt als deutschen Chef-Virologen berief. Danach verließ Kainzinger die „Charité-Welt“, wie er sie bezeichnet, und widmete sich der Beteiligung an Startup-Unternehmen, die sich mit Gesundheitsfragen befassten. Dann kam die Pandemie und mit ihr ein selbst für den 38-Jährigen zuvor nie geahnter Karriere-Verlauf.

Dank Kainzinger können die Bundesliga-Kicker wieder spielen

Losgetreten wurde der neue Berufsabschnitt mit einem Anruf von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Der Repräsentant aller deutschen Profifußball-Vereine suchte einen Experten, der den Re-Start der Bundesliga ermöglichen sollte. Und fand ihn mit Florian Kainzinger. „So sind aus dem ursprünglich gedachten vierwöchigen Ausflug in die Corona-Szene mittlerweile zehn Monate geworden“, sagt der verheiratete Wahl-Berliner und Vater von drei Kindern.

Heim zu den Eltern nach Bruck kommt er mittlerweile nur noch selten. Zuletzt war er an Weihnachten da. Die Pandemie hat ihn zu einem viel gefragten und entsprechend beanspruchten Hygiene-Experten gemacht. Nicht nur Sportfunktionäre bitten um seine Expertisen, auch Medien überhäufen ihn mit Interview-Anfragen. Weshalb sich Kainzinger zuletzt etwas aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Zum Start der Handball-WM stand er dann der ARD ausnahmsweise Rede und Antwort. Und danach noch einmal exklusiv („Und nun auch für längere Zeit zum letzten Mal“) dem Tagblatt.

„Generell würde ich sagen, dass bei der Sportausübung eine geringere Gefahr der Ansteckung besteht. Die höhere Wahrscheinlichkeit sind Umkleiden, gemeinsame Reisen, Aufenthalte in Hotels, gemeinsames Essen – da finden die eigentlichen Übertragungen statt“, sagte der 38-Jährige, der auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit Corona-Tests begleitet, in dem TV-Beitrag.

Die mobilen Labore sind in Bussen untergebracht

Inzwischen hat Kainzinger mehrere in Bussen untergebrachte Labore an den Sportstätten vor Ort. Eines davon steht gerade in Antholz, wo der Biathlon-Tross mit seinen rund 800 Sportlern, Trainern, Betreuern, Helfern und Medienvertretern Station macht. Das Testen mit den Abstrichen im Rachen- und Nasenbereich erledigen Mitarbeiter aus den lokalen Krankenhäusern. Ausgewertet werden die Ergebnisse dann mit einem automatisierten Verfahren in Kainzingers fahrbaren Labors.

Demnächst geht es für ihn zu einer Motorsport-Veranstaltung nach Saudi-Arabien. Die Prognose des Hygiene-Experten zur Fußball-Europameisterschaft Mitte des Jahres: „Machbar, aber eventuell ohne Zuschauer in den Stadien - oder mit einer reduzierten Zahl. Daran arbeiten wir.“

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