Obdachlos
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Seit sieben Jahren gibt es im Landkreis die Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit – und der Bedarf steigt.

Mehr Geld zur Verfügung

So soll Obdachlosigkeit im Landkreis verhindert werden

  • Thomas Steinhardt
    vonThomas Steinhardt
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Seit sieben Jahren gibt es im Landkreis die Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit – und der Bedarf steigt. Der Landkreis hat jetzt die entsprechende Kooperationsvereinbarung mit der Caritas verlängert und die Zahlungen von 180 000 Euro im Jahr auf 230 000 Euro erhöht.

Landkreis – Die Idee hinter der Stelle besteht weniger darin, Obdachlosen zu helfen, sondern vielmehr darin, drohende Obdachlosigkeit schon im Vorfeld zu verhindern. Die Fachstelle der Caritas, in Zusammenarbeit mit der AWO, hat zuletzt 296 Haushalte beraten, wie aus dem Jahresbericht 2019 hervorgeht. Die meisten von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen lebten in Bruck (96), gefolgt von Puchheim (61), Germering (46) und Olching (29).

Nicht nur in Städten

Auch in kleineren Orten aber waren Beratungen notwendig, etwa in Gröbenzell, Emmering und in einigen Westkreis-Dörfern. Dabei geht es nicht nur um Erwachsene: in knapp 30 Prozent der Haushalte leben Kinder unter 18 Jahren. Die allermeisten Betroffenen sind zwischen 30 und 39 Jahren alt, wobei alle Altersstufen in der Statistik vorkommen.

Die Ursachen

Was aber war der Anlass für eine Beratung? Hier gibt es verschiedene Gründe, die sich teils überschneiden. 82 Haushalte beispielsweise standen vor einer Räumungsklage, 54 waren betroffen, weil sie in Mietrückstand geraten waren. Anderen flatterte eine fristlose Kündigung der Wohnung ins Haus, teils kam es zu Kündigungen wegen Eigenbedarfs. Einige flogen aber auch „verhaltensbedingt“ aus ihrer Wohnung.

So wird geholfen

In 82 Fällen gelang es der Fachstelle, die Wohnungen zu erhalten. Dies gelang durch die Übernahme der Miete durch das Jobcenter oder das Sozialamt, durch Ratenvereinbarungen mit dem Vermieter oder durch vermittelnde Gespräche. 19 Haushalte konnten in neue Wohnungen umziehen, acht mussten in Notquartieren untergebracht werden. In einigen Fällen riss der Kontakt ab, andere Fälle gelten als noch laufend.

Teilweise vermittelte die Fachstelle auch spezielle Hilfen wie Rechtsberatung, Schuldnerberatung, sozialpsychiatrische Hilfe oder Asyl- und Migrationsberatung. Gerade ausländerrechtliche Fragestellungen in Zusammenhang mit drohender Obdachlosigkeit häuften sich, heißt es in dem Jahresbericht. Außerdem befänden sich immer mehr Betroffene in „Multiproblemlagen“. Hier wird dann häufig auch sozialpädagogische Betreuung notwendig.

Die Nachsorge

Sehr bewährt habe sich die Intensivierung des Nachsorge-Angebots. Sprich: Scheint ein Fall gelöst, bleiben die Experten trotzdem am Ball. Die Fachstelle hat auch Kontakt zum Amtsgericht: Steht eine Räumungsklage wegen Mietrückständen an, wird die Stelle informiert und kann praktisch proaktiv auf den Betroffenen zugehen. Aus der Erfahrung heraus zeige sich außerdem, dass Telefon- und Email-Beratungen immer häufiger genutzt würden. Das schaffe neue zeitliche Möglichkeiten. Für die Fachstelle Wohnen arbeiten fünf sozialpädagogische Fachkräfte in Teilzeit, drei von der Caritas, zwei von der AWO, und eine Vollzeitkraft.

Offene Sprechstunden ohne Anmeldung werden in Bruck, Germering und Puchheim angeboten. Telefonisch ist die Fachstelle unter der Nummer (0 81 41) 8 89 94 60 zu erreichen (jeden Montag von 10 bis 11 Uhr und jeden Donnerstag von 12 bis 13 Uhr). Per E-Mail ist die Fachstelle unter der Adresse fachstelle-wohnen@caritasmuenchen.de zu erreichen.

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