Eine Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt (Oder) tropft eine Flüssigkeit auf einen Corona-Schnelltest.
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Die Stadt Fürstenfeldbruck richtet mehrere Corona-Schnellteststationen ein. (Symbolbild)

Mehrere Testzentren geplant

Fürstenfeldbruck: Stationen für Corona-Schnelltests kommen

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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  • Stefan Reich
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Die Stadt Fürstenfeldbruck richtet mehrere Corona-Schnellteststationen ein. Mittelfristig will man die Schnelltests mit einer Art Tagesticket verknüpfen, mit dem die Besitzer auch Zugang zu Geschäften, Gastronomie und Kultur erhalten.

Fürstenfeldbruck – Testen, testen, testen: Das ist eine Strategie im Kampf gegen das Corona-Virus. Und auch in der Stadt soll es künftig nicht nur ein Testzentrum geben. Denn die Stadt will sich am sogenannten Tübinger Modell orientieren (siehe unten) und mithilfe von negativen Testscheinen eine Perspektive für Schulen, Gastronomie, Einzelhandel und Kultur in Bruck schaffen. Das hatten Grüne und CSU beantragt. Mit großer Mehrheit entschied der Stadtrat am Dienstag die Einrichtung von Teststationen. Zahl und Standorte blieben offen.

Markus Droth (Freie Wähler) hatte angeregt, zwei bis drei Stationen zu errichten. Jan Halbauer (Grüne) hatte das Veranstaltungsforum Fürstenfeld als Standort vorgeschlagen, um dann vielleicht den Kulturbetrieb dort wieder starten zu können. „Es wäre ein erster ganz kleiner Schritt“, sagte Halbauer. Bei Erfolg könne man das Konzept auf andere Kulturstätten wie Museum, Kunsthaus und die Gastronomie ausdehnen. „Wir sollten nicht nur einen Kulturbetrieb aufmachen“, forderte dagegen Irene Weinberg (BV). Sie sagte, sie könne sich eine Drive-Through-Teststation am Volksfestplatz vorstellen.

Jan Halbauer (Grüne) will Öffnungsperspektiven geben.

OB Erich Raff hatte sich nach einem Dringlichkeitsantrag mehrerer Fraktionen vor der Sitzung bereits mit Rotem Kreuz und Maltesern in Verbindung gesetzt. Die Malteser bieten im von ihnen betriebenen Brucker Testzentrum seit Donnerstag Schnelltests an. Auch das Rote Kreuz, das das Impfzentrum betreibt, sei aufgeschlossen, wenn Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, berichtete der Rathauschef. Er selbst befürworte das Konzept.

Ein weiterer Baustein im Konzept, das die Stadt verfolgen will, ist auch die Luca-App. Per QR-Code kann sie erfassen, ob das Smartphone – und damit der Besitzer – an einem bestimmten Ort war, also in einem Konzert, Lokal oder Geschäft. So fallen die Papierlisten zur Kontaktnachverfolgung weg, die etwa in der Gastronomie im vergangenen Jahr vorgeschrieben waren. Auch für Menschen ohne Smartphone gibt es eine Lösung: ein Luca-Schlüsselanhänger. Die Stadt soll prüfen, inwieweit dieser kostenlos zur Verfügung gestellt werden kann.

Eine Umsetzung des Tübinger Modells hat die Stadt nicht alleine in der Hand. Sie kann zwar Tests ermöglichen. Dass aber Läden oder Kinos auch wirklich für Besucher mit negativem Test öffnen dürfen, müsste mindestens die Gesundheitsbehörde des Landkreises erlauben. Nötig dafür sei ein vom Landratsamt genehmigter Rahmenhygieneplan, erklärte Halbauer im Stadtrat.

Das Brucker Landratsamt signalisiert laut Raff bisher keine Unterstützung für den Vorstoß der Stadt. Und ob das Gesundheitsamt nach geltender Rechtslage überhaupt Abweichungen von der Infektionsschutzverordnung des Freistaates erlauben kann, gilt als umstritten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ermutigte am Donnerstag Landräte und Bürgermeister zur Übernahme des Tübinger Modells, der bayerische Landkreistag verwies umgehend auf die Weisungsgebundenheit der Landratsämter gegenüber dem Freistaat. Der besteht bislang auf die Einhaltung der geltenden Öffnungsreglen, die großteils von der 7-Tage-Inzidenz abhängen. Nach Ostern will die Staatsregierung zunächst in acht bayerischen Kommunen das Tübinger Modell testen.

Wichtig sei, dass die Menschen mit dem negativen Test auch etwas anfangen könnten, sagte Andreas Lohde (CSU) im Stadtrat: Biergartenbesuche, Kultur oder anderes. Grüne und CSU wollen nun, dass Bruck sich dafür bewirbt, eine der acht Modellstädte zu werden. Abgeordnete von CSU und Grünen hätten die Stadt beim Gesundheitsministerium schon platziert, heißt es in einer Pressemitteilung vom Freitag. Das war zwar nicht Teil des Ratsbeschlusses. Man sehe die Bewerbung aber durch das Bekenntnis zum Tübinger Modell gedeckt, sagte Halbauer unserer Zeitung auf Nachfrage.

Er gehe davon aus, dass die Bewerbung durch den OB kommende Woche folge, sagte Halbauer. Auch wenn sie nicht erfolgreich sein sollte, solle man den Weg weiterverfolgen. Es sei „jetzt Zeit, einfach mal zu machen“.

Das ist das Tübinger Modell

Der Modellversuch im baden-württembergischen Tübingen basiert auf tagesaktuellen Corona-Schnelltests. Dafür gibt es in der Innenstadt mehrere Teststationen. Außengastronomie sowie Kunst- und Kultureinrichtungen wie Theater, Kino und Bibliotheken werden geöffnet. Rein darf, wer ein Tübinger Tagesticket besitzt – sprich ein Zertifikat über den diesem Tag durchgeführten und negativen Corona-Schnelltest. Auch zu Betrieben und Läden erhält man nur mit Negativtest Zugang. Hotels, Bildungseinrichtungen, Sport- und Vereinsveranstaltungen unterliegen dagegen weiter den Corona-Einschränkungen. Auch nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz in Tübingen über 50 gestiegen war, blieb das Modell bestehen. imu / sr

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