+
MIO – Mobbing ist out: Dieses Motto trug heuer der Mittelschultag. An der Schule Nord in Fürstenfeldbruck formierten sich Schüler sogar zu einem lebenden Schriftzug .

Mehrere Aktionen

Mittelschüler setzen Zeichen gegen Mobbing

Die Mittelschulen im Landkreis haben sich mit dem Thema Mobbing auseinander gesetzt. Sie wollen ein Zeichen gegen verfehlten Umgang miteinander setzen.

Landkreis – Die Aktionen gegen Mobbing waren geplant, bevor die Vorwürfe gegen die Olchinger Mittelschule bekannt wurden und bevor es zu der Schlägerei in Mammendorf kam. Durch die beiden Fälle erlangen die Aktionen in den Schulen aber große Aktualität.

Das Motto lautete „MIO – Mobbing ist out! Think twice – be nice!“ (Mobbing ist out, denk zweimal, sei nett). Die Planung übernahmen die Schülermitverwaltung (SMV) der einzelnen Mittelschulen. In verschiedenen Aktionen befassten sich die Schüler mit dem Thema: auf Plakaten, mit Postkarten, Fotos oder Filmbeiträgen.

In einer Theateraufführung geht es um ein Mobbing-Opfer

Die SMV der Mittelschule West in Fürstenfeldbruck hatte sich sogar dazu entschieden, dem Thema Mobbing gleich eine ganze Woche zu widmen. „Unsere Schüler haben diese Themenwoche komplett selbst organisiert“, erklärt Jonas Kaufmann, Verbindungslehrer der Mittelschule West.

Besonders beeindruckt hat ihn die Theateraufführung in der Schul-Aula. Das von der Siebtklässlerin Jo-Ann Lee geschriebene Stück behandelte die Situation eines Mobbing-Opfers: einem Mädchen, das neu in eine Klasse kommt und Anschluss sucht. Geprobt haben die Schüler in ihren Pausen und am Nachmittag im SMV-Zimmer. Im Schulhaus wurden zudem an den Treppen Motivationssprüche angebracht, kurze Sätze, die zu einem freundlichen Miteinander beitragen sollen.

Auch die Schüler der Mittelschule Nord haben sich mit Mobbing intensiv auseinandergesetzt. Die Ergebnisse haben sie bei einer Schulversammlung gegenseitig präsentiert. Unter tosendem Applaus trugen die Kinder und Jugendlichen vor, was sie erarbeitet haben. Eine zentrale Erkenntnis: „Wer mobbt, sollte an sich selbst arbeiten. Wer gemobbt wird, soll es sagen“. Denn Zivilcourage und Petzen sich zweierlei. Und es braucht Mut, um bei Mobbing nicht einfach wegzuschauen.

„Mobbing kann überall vorkommen, wo Menschen auf einander treffen.“

„An vielen Schulen hört man: „Bei uns gibt es kein Mobbing“. Doch das stimmt so nicht“, weiß die Schulleiterin der Mittelschule Nord, Bettina Jungtorius. Sie plädiert für einen offenen und offensiven Umgang mit dem Thema. „Mobbing gibt es schließlich nicht nur in der Schule, sondern auch am Arbeitsplatz. Das kann überall vorkommen, wo Menschen auf einander treffen“, ergänzt ihre Kollegin Sabine Kehr, die als Verbindungslehrerin den diesjährigen Mittelschultag für den ganzen Landkreis koordiniert hat.

Verbindungslehrer Kaufmann von der Mittelschule West ist jedenfalls mit dem Ergebnis der Themenwoche seiner Schule zufrieden. Er hofft, dass hierdurch möglichst viele Schüler erreicht wurden, der ein oder andere zum Nachdenken angeregt wurde. Was ihn aber ganz besonders beeindruckt hat, war die Anstrengungsbereitschaft und Selbstständigkeit seiner Schüler. „Als Lehrer muss man gar nicht so viel steuern“, so seine Bilanz. „Wenn man die Schüler einfach machen lässt, kommen tolle Ergebnisse raus.“

Den Mittelschultag gibt es in ganz Oberbayern. Er wurde von den Landkreis-Schülersprechern ins Leben gerufen. An diesem Tag sollen sich alle Mittelschulen einen Schultag lang mit einem bestimmten Thema befassen, auf das sich die Landkreis-Schülersprecher vorab geeinigt haben. Vergangenes Jahr ging es um Respekt.

Olchings Schülersprecher wehren sich gegen Vorwürfe

Nach den schweren Vorwürfen von Eltern gegen die Olchinger Mittelschule wehren sich die Schülersprecher nun in einer Pressemitteilung. Diese wurde von Rektorin Susanne Heueck, die sich nach eigenen Angaben bislang nicht zu den vorgebrachten Missständen (Übergriffe unter Schülern, Mobbing und überforderte Lehrern) äußern konnte, an unsere Redaktion geschickt.

„Wir fühlen uns angegriffen, verurteilt und gedemütigt, da unsere ganze Schulfamilie angegriffen wird“, heißt es. Die Lehrer, von denen der größere Teil beliebt bei den Schülern sei, würden sich gut um die Jugendlichen kümmern. Das gelte sowohl für schulische Leistungen als auch für private Probleme. „Wir durften erleben, dass Lehrer länger in der Schule blieben oder ihre Pause opferten, um für uns da sein zu können“, schreiben die Schülersprecher. Die Lehrer seien weder aggressiv noch überfordert.
Die Schülersprecher räumen zwar Konflikte an der Schule ein, aber von Aggression und Gewalt – egal von wem – könne keine Rede sein. Kleinere Streitereien könnten schnell und friedlich geklärt werden. Zur Unterstützung würden Streitschlichter, eine Sozialpädagogin, ein Klassenrat und eine Vertrauenslehrerin bereitstehen.

Der Klassenrat werde einberufen, wenn es in einer Klasse zu gemeinschaftlichen Streitereien komme, die ganze Klasse arbeite das dann gemeinsam auf. Die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten sei harmonisch. „Für unsere Lehrer ist es kein Beruf, sondern eine Berufung“, so die Mitteilung. Das Schulklima sei angenehm, auch wenn es viele Schüler gibt, die aus „schlechteren familiären Verhältnissen kommen“.

Die Jugendlichen begründen zudem die Häufigkeit von Rettungsdiensteinsätzen, die im offenen Brief eines Vaters angesprochen wurden, mit Sportunfällen und einem herzkranken Mitschüler.

von Katja Brenner und Kathrin Garbe

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ärger über vermüllten Wertstoffhof: Gemeinderat beklagt „erschütternden“ Anblick
Der kleine Wertstoffhof am Schöngeisinger S-Bahnhof wird voraussichtlich verlegt oder geschlossen. Grund ist die ständige Verschmutzung des Geländes durch Abfälle, die …
Ärger über vermüllten Wertstoffhof: Gemeinderat beklagt „erschütternden“ Anblick
Immer weniger Respekt vor Rettungs- und Einsatzkräften
Die Zahl der Einsatzkräfte muss der Kreisfeuerwehr keine Sorgen machen. „Das entwickelt sich weiter nach oben“, sagte Kreisbrandrat Hubert Stefan in der …
Immer weniger Respekt vor Rettungs- und Einsatzkräften
Bürgermeister begrüßt seinen Sohn im Gemeinderat
In Emmering wird der Gemeinderat mehr und mehr zur Familiensache. Jetzt hat Bürgermeister Michael Schanderl (Freie Wähler/FW) seinen Sohn Michael als neues …
Bürgermeister begrüßt seinen Sohn im Gemeinderat
1425 Bäume für kahle Fläche am Parsberg
Der Wald rund um das Naturfreundehaus am Parsberg, der nach den Winterstürmen weitgehend abgeholzt wurde, wird großzügig aufgeforstet. Die Stadt unterstützt dies …
1425 Bäume für kahle Fläche am Parsberg

Kommentare