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Unter Denkmalschutz – und bald neue Zuflucht: Das Unteroffizierheim und die Nebengebäude.

Erstaufnahme in Fürstenfeldbruck

Bis zu 400 Flüchtlinge sollen in den Fliegerhorst

Fürstenfeldbruck - Fürstenfeldbruck bekommt eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge – als Außenstelle der Münchner Bayernkaserne. Bis zu 400 Asylbewerber sollen in leerstehenden Kasernen des Fliegerhorsts unterkommen.

In Fürstenfeldbruck entsteht eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Im Fliegerhorst der Bundeswehr, genannt „Fursty“, könnten laut der Regierung von Oberbayern schon „im Lauf des Oktobers“ bis zu 400 Asylbewerber unterkommen. Allerdings soll die Unterkunft nicht eigenständig geführt werden, sondern als Außenstelle der Münchner Bayernkaserne – die erste außerhalb der Landeshauptstadt.

Innerhalb Münchens hat die Bayernkaserne drei Zweigstellen in Betrieb, darunter die Funkkaserne. Drei weitere, etwa die McGraw-Kaserne, sollen in den nächsten Monaten starten. Kürzlich wurde zudem ein Dutzend geplante Standorte für neue Gemeinschaftsunterkünfte benannt. Doch in der Stadt wird es eng. Darum sucht die Regierung auch im Umland nach freien Flecken. Die Erstaufnahme unterscheidet sich gehörig: Hier werden Flüchtlinge innerhalb weniger Wochen registriert und untersucht. Danach werden sie auf Gemeinschafts- oder dezentrale Unterkünfte vermittelt, wo sie während der Dauer ihres Asylverfahrens leben.

Ende August hatte die Bundeswehr auf „Fursty“ Liegenschaften zur Flüchtlingsunterbringung angeboten, nachdem der Landkreis darum gebeten hatte. Das ursprüngliche Ziel, das auch die CSU-Bundestagsabgeordnete Gerda Hasselfeldt unterstützt hatte, war, eine Gemeinschaftsunterkunft zu schaffen. Nachdem aber die Bayernkaserne wie auch die zweite bayerische Erstaufnahme im mittelfränkischen Zirndorf überfüllt sind, entschieden die Verantwortlichen, dort eine Erstaufnahme einzurichten. Betrieben wird sie von der Regierung von Oberbayern.

Die erste Anlaufstelle mit dem Logistikapparat soll in München bleiben. Wie die Asylbewerber künftig hin- und hergefahren, wo sie ärztlich untersucht werden und welcher Sozialverband die Beratung übernimmt, soll bei einem Runden Tisch am Freitag besprochen werden. Nicht aus der Welt ist mit dem Beschluss die Frage, wo die zweite eigenständige Erstaufnahme in Oberbayern entstehen soll, die die Regierung plant – zusätzlich zu den fünf Standorten, die in den übrigen Regierungsbezirken starten sollen (die erste ab Januar in Deggendorf).

In Bruck sollen die Flüchtlinge im Unteroffiziersheim und drei Nebengebäuden wohnen. Diese lassen sich laut Regierung „schnell und auch wirtschaftlich ertüchtigen“. Landrat Thomas Karmasin (CSU) äußerte sich gestern differenziert. Der Vorteil sei, dass der Landkreis nun weniger Plätze für die Anschlussunterbringung suchen müsse. Nachteil: Es könnte schwierig werden, ehrenamtliche Helfer zu finden – wegen der hohen Fluktuation der Bewohner.

„Fursty“ gilt als Wiege der Luftwaffe. Die Nazis hatten den Flugplatz 1936 gebaut. Ab 1956 bildete hier die Luftwaffe Piloten aus. In einem Areal führt BMW Fahrsicherheitstrainings durch. Im militärisch genutzten Teil befindet sich noch die Offizierschule der Luftwaffe. Laut Bundeswehrreform soll das Militär bis zum Jahr 2019 den Fliegerhorst verlassen. Die Gebäude für die Asylbewerber standen zuletzt leer. Viele Häuser unterliegen dem Denkmalschutz.

Christine Ulrich und Thomas Steinhardt

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