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Friederike Peters als Frau Müller und Alexander Wagner als Herr Schulz, der zur Zufalls-Geisel wurde.   

Premiere in der Neuen Bühne Bruck

Gegen die Einsamkeit: Geiselfarce auf der Bühne

Vergessen Sie Kontaktanzeigen und den Kaninchenzüchterverein. Wer einsam ist und Anschluss sucht, kann es viel einfacher haben – er nimmt sich eine Geisel.

Fürstenfeldbruck – Zu diesem genialen Mittel greift Herr Meier (Joachim Aßfalg) in dem Stück „Meier Müller Schulz oder nie wieder einsam“, das bei seiner Premiere an der Neuen Bühne Bruck (NBB) heftig beklatscht wurde.

Man kennt den Begriff des Geiseldramas. Daran angelehnt hat Autor Marc Becker seine „Geiselfarce“ geschrieben, deren rasante Handlung sich zwischen Zimmerpalme, Essiggurken, Hometrainer und Zweisitzer-Sofa abspielt. Hierher schleppt Meier seine Zufalls-Geisel, Herrn Schulz (Alexander Wagner), in Handschellen und mit Kissenbezug über dem Kopf. Der verzweifelte Schulz begreift zunächst nicht, dass es seinem Kidnapper nicht um Lösegeld geht, sondern dieser nur Angst hat – vor Feiertagen, Überstundenausgleich und schlechten Fernsehprogrammen. Als die Nachbarin Frau Müller (Friederike Peters) hereinplatzt, entspinnt sich eine schräge Dreiecksgeschichte.

Schulz findet bald Gefallen am Leben als Geisel. Frau Müller, zunächst so konventionell wie ihr 1950er-Jahre-Petticoat und auf der Suche nach einem fiktiven „Verlobten“, erkennt schnell die Vorzüge eines Zwangs-Gesellschafters. Herr Meier allerdings muss einsehen, dass er immer insgeheim das will, was er nicht hat. Sprich, dass er – egal in welcher Lage – chronisch unzufrieden ist.

Inszeniert hat das Stück ein dreiköpfiges Regie-Team, das sich bei den Probenterminen abwechselte. „Das hat sehr gut geklappt“, freut sich Intendant Harald Molocher. Die ungewöhnliche Konstellation gab dem Projekt in seinen Augen einen zusätzlichen Reiz, weil jeder der Regisseure einen eigenen Blick auf das Stück hatte und eigene Akzente setzte.

Womöglich deswegen wirken manche Details allerdings seltsam zusammenhangslos – wenn etwa Meier zu Beginn ein paar Minuten lang auf Schwäbisch über Käsebrot und Gurke philosophiert („es isch oifach die Kombination“), ohne den Dialekt je wieder aufzugreifen. 70 Minuten kurz ist die amüsante Absurdität, an deren Ende nicht nur Meiers Wohnung anders aussieht als vorher, sondern seine Geisel-Idee auch ungeahnte Konsequenzen gehabt hat.

Ulrike Osman

Weitere Termine:

Nächste Aufführungstermine von „Meier Müller Schulz oder nie wieder einsam“ an der NBB sind der 9., 22., 23., 28. und 29. April. 

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