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Jeden Tag das Gleiche: Nach einem Schlaganfall kann Simone Hochfilzer nicht mehr Treppensteigen. Den Einbau eines Liftes kann sie sich nicht leisten.  

Es fehlt am Geld

Gelähmte Mieterin kämpft um Treppenlift

Jeden Tag rutscht Simone Hochfilzer aus Germering 19 Treppenstufen auf dem Hosenboden runter – so beginnt ihr Arbeitsweg. Die 48-Jährige braucht nach einem Schlaganfall einen Rollstuhl, einen Treppenlift kann sie aber nicht bezahlen. Die zweifache Mutter nimmt die Treppentortur jeden Tag auf sich – denn sie will weiter am Leben teilnehmen und arbeiten.

Germering – Simone Hochfilzer sitzt seit zwei Jahren im Rollstuhl. Und: Sie wohnt im ersten Stock, ohne Aufzug. Den Einbau eines Treppenlifts müsste die Vermieterin zwar erlauben – aber zahlen müsste ihn Hochfilzer zum größten Teil selbst. Und das kann sie nicht. Aufgeben kommt für sie nicht in Frage: „Ich möchte meinen Kindern etwas bieten können.“

Nach einem Schlaganfall im Rückenmark ist die 48-Jährige von der Hüfte abwärts gelähmt: Treppensteigen ist unmöglich. „Ohne meine zwei Kinder wäre ich aufgeschmissen“, sagt die blonde Frau. Der 19-jährige Lukas hilft ihr, sich nach dem Überwinden der Treppe in den Rollstuhl zu hieven. Auch Tochter Lena hilft der Mama mit ihren acht Jahren schon, wo sie kann.

Die 100-Quadratmeter-Wohnung der Familie in der Dorfstraße (1100 Euro warm) ist nicht behindertengerecht ausgebaut. Und am schlimmsten ist das Treppenhaus. „Ich fühle mich hier oft wie in einem Gefängnis. Ohne fremde Hilfe kann ich das Haus nicht verlassen“, sagt Simone Hochfilzer.

Die Alleinerziehende leitet halbtags die Schülerhilfe Germering. Dass sie ihren zweiten Job als Verkäuferin nicht mehr ausüben kann, schmerzt sie sehr. Nun bekommt sie eine Teilerwerbsminderungsrente. Mit Hilfe des Arbeitsamts sucht sie eine Tätigkeit, die sie auch von zu Hause aus erledigen kann. „Homeoffice, ganz einfach, weil ich ohne Treppenlift einen zweiten Job auswärts nicht schaffen würde.“

Schlaganfall ändert ihr ganzes Leben

Seit dem Schlaganfall sei ihr ganzes Leben ein Kampf, so die zweifache Mutter. Inzwischen hat sie immerhin Pflegestufe eins. Nun kämpft die Germeringerin für eine Reha im Sommer. Aber auch wenn das und die regelmäßige Krankengymnastik eine Besserung bringen sollten, ist klar: Simone Hochfilzer wird nie mehr Treppen steigen können. Eine barrierefreie Wohnung sucht sie seit zwei Jahren – vergebens. Die Stadt Germering habe ihr zwar eine solche in Aussicht gestellt, doch besichtigen konnte sie die Wohnung noch nicht. Sie wird nach einem Wasserschaden seit Monaten saniert.

Einen Treppenlift für ihre aktuelle Wohnung hat sie bei der Rentenversicherung zwar beantragt – und sogar eine Kostenübernahme von 5000 Euro zugesagt bekommen. Doch das nutze ihr nichts, rechnet Simone Hochfilzer vor: „Ich habe mir mehrere Angebote machen lassen – und jedes Mal summierten sich die Kosten auf rund 15 000 Euro.“ 10 000 Euro der Kosten selbst übernehmen kann sie aber nicht, und so bleibt der Treppenlift wohl ein Traum. Denn: Die Vermieterin findet Hochfilzers Fall zwar bedauerlich, will aber auch nicht für einen Treppenlift zahlen.

Das ist die Rechtslage:

1. Das Recht ist grundsätzlich auf der Seite von Simone Hochfilzer. Behinderte haben einen Anspruch darauf, dass ihr Vermieter den Einbau eines Treppenlifts als Zugang zu ihrer Wohnung genehmigt. Das hat das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2000 entschieden, berichtet Stephan Immerfall vom Mieterverein München. 

2. Der Gesetzgeber griff diese Entscheidung auf und entschied, dass Behinderte generell Anspruch darauf haben, dass ihr Vermieter ihnen einen barrierefreien und behindertengerechten Aus- oder Umbau der Wohnung erlaubt. Hintergrund: Für bauliche Veränderungen braucht der Mieter immer die Zustimmung des Vermieters. Einem behinderten Mieter darf der Vermieter die Zustimmung zum barrierefreien Umbau nur verweigern, wenn seine Interessen die Interessen des Mieters überwiegen. Nicht genehmigen musste ein Vermieter zum Beispiel den Einbau einer Videokamera im Hausflur, weil der behinderte Mieter in dem Fall einen Türspion und eine Wechselsprechanlage hatte.

 3. Auch wenn der Vermieter Umbauten zustimmen muss: Die Kosten muss trotzdem der Mieter allein tragen. Außerdem kann der Vermieter seine Zustimmung davon abhängig machen, dass der Mieter eine Sicherheitsleistung erbringt. Dies für den Fall, dass der Mieter stirbt oder auszieht – der Vermieter kann damit sicherstellen, dass die Herstellung des ursprünglichen Zustands nicht zu seinen Lasten geht. Um festzustellen, welche Höhe für die Sicherheitsleistung angemessen ist, bietet sich ein Kostenvoranschlag für einen Rückbau an. Der Vermieter kann diese Sicherheit unabhängig von der Kaution fordern

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