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Verbunden mit der Zentrale in Kempten: Bahn-Vertriebsleiter Kurt Irringer testet das neue Video-Reisezentrum in Geltendorf (oben). Offiziell eingeweiht wurde das neue Angebot von (v.l.) Reinhold Pohl (Lei ter regionaler Vertrieb Süd bei der Bahn9, Wolfgang Jakob (Verkaufsbezirksleiter) und Geltendorfs Bürgermeister Wilhelm Lehmann. Zwei Bahn-Mitarbeiterinnen stehen Spalier. 

Reisezentrum in Geltendorf

Bahn-Tickets aus dem Video-Automaten

Beim Fahrkartenkauf scheiden sich die Geister. Die einen drücken lieber am Automaten herum, andere bevorzugen persönliche Beratung. Am Geltendorfer Bahnhof gibt es jetzt eine Mischung aus beidem. Die Bahn hat dort das erste Video-Reisezentrum der Region eröffnet.

Geltendorf – Gespannt drückt Bürgermeister Wilhelm Lehmann die grüne Ruftaste am Tisch vor dem Infoschalter in der kleinen Kabine. Der Rathauschef ist einer der Ersten, die das neue Video-Reisezentrum auf der Westseite des Bahnhofs testen. Und tatsächlich: Es dauert nur wenige Sekunden, bis sich eine DB-Mitarbeiterin aus der Zentrale in Kempten nicht nur akustisch meldet, sondern sich auch via Webcam auf dem Bildschirm zuschaltet und den Bürgermeister nach seinem Anliegen fragt.

„Ich bräuchte bitte eine Zugverbindung nach München in 30 Minuten“, sagt Lehmann. Kurz darauf werden ihm drei passende Verbindungen samt Fahrpreis angezeigt. Das Besondere dabei ist, dass Wilhelm Lehmann jeden Schritt der Reiseberaterin auf dem Display mitverfolgen kann. Hätte er sich für eines der Angebote entschieden, hätte er das Ticket gleich mit Bargeld oder per EC-Karte am an der Seitenwand integrierten Fahrkartenautomat kaufen können.

Das klimatisierte und barrierefreie Video-Reisezentrum in Geltendorf ist das 14. in Südbayern und nach Freising das zweite im MVV-Bereich. Bundesweit gibt es aktuell 46. Das Pilotprojekt startete 2013 im Schwarzwald. An manchen Bahnhöfen, wie etwa in Erlangen, dienen die Video-Zentren als Ergänzung zu den klassischen Reisezentren. Der Schichtbetrieb mache es möglich, dass die Mitarbeiter in den Video-Zentralen insgesamt 70 Stunden die Woche erreichbar sind. Auch am Wochenende, sagt der Teamleiter des DB-Vertriebes Kempten, Kurt Irringer. „In Sonthofen zum Beispiel waren es vorher nur 40 Stunden.“

Den Grund am Geltendorfer Bahnhof, auf dem die Kabine steht, hat die Bahn von einem Privatbesitzer angemietet. Zuletzt wurden die Fahrkarten im naheliegenden Dönerladen verkauft. „Das lief aber nicht ganz so glücklich“, sagt Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp. Um also auch weiter den persönlichen Verkauf vor Ort gewährleisten zu können, trat die Bahn an die Gemeinde heran, die rasch einwilligte.

Die neue Form der persönlichen Reiseberatung sei aufgrund der einfachen Bedienung auch für Nicht-Smartphone-erprobte Kunden möglich, sagt Reinhold Pohl. Er hat das Video-Konzept bei der Bahn entwickelt. „Es gibt nach wie vor einen gewissen Prozentsatz an Kunden, die eine persönliche Beratung wollen“, sagt er. Mit den Video-Reisezentren habe man eine Anlaufstelle geschaffen, die darüber hinaus für die Bahn wirtschaftlich rentabel sei. Seit 2013 wurde der Video-Verkauf in ganz Deutschland 410 000 Mal genutzt. „Dabei war der Dienst im Durchschnitt zu 99 Prozent verfügbar“, so Pohl.

Wie DB-Verkaufsbezirksleiter Wolfgang Jakob mitteilt, können Kunden die Video-Funktion auch dann nutzen, wenn sie keine Fahrkarte kaufen wollen, sondern lediglich eine Frage rund um den Bahnbetrieb hätten. „Das neue Video-Reisezentrum sorgt für eine Aufpeppung des Geltendorfer Bahnhofes“, ist das Fazit von Bürgermeister Lehmann, der den Bahnhof als „stark frequentierten Knotenpunkt“ sieht. (Sebastian Öl)

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