Abt Blasio Park (3.v.l.) von der Abtei Waegwan in Südkorea erläutert die Gebrauchshinweise des ersten papierlosen Generalkapitels in der Geschichte der Missionsbenediktiner. tb-Foto: Bruder Cassian Jakobs

Sankt Ottilien

Die Benediktiner tagen erstmals digital

St. Ottilien – 46 Ordensobere und Delegierte von Klöstern in 19 Ländern tagen derzeit in St. Ottilien. Dieses Generalkapitel, also die Versammlung der Repräsentanten des Ordens, ist das erste papierlose in der Geschichte der Missionsbenediktiner:

 Alle Unterlagen stehen digital zu Verfügung. Pater Christian Temu, früherer Kongregationssekretär, erinnerte sich an die Generalkapitel der Jahre 2004, 2008, 2012: „Damals galt es, dicke Aktenpakete für die rund 50 Teilnehmer vorzubereiten. Heute kann jeder die Dateien auf seinen Rechner laden.“ Das erleichtere das Reisegepäck derjenigen, die nach Asien, Afrika und Amerika zurückreisen. „Und auf der anderen Seite verbrauchen wir weniger Papier.“

Im Rahmen des fast zweiwöchigen Generalkapitels geht es um die Herausforderungen, denen einzelne Klöster gegenüberstehen, um Flüchtlingshilfe und nachhaltiges Wirtschaften. Außerdem berichtet Abt Jeremias Schröder über seine ersten vier Jahre als Vollzeit-Präses. „Die Bilanz wird sehr positiv sein“, verriet Schröder in einer Pressekonferenz zum Auftakt der Tagung. Heilfroh sei er, die Doppelbelastung als Erzabt von St. Ottilien und Leiter der internationalen Kongregation los zu sein. 2012 waren die Ämter erstmals in der Geschichte des Ordens getrennt worden. In seiner Funktion als Präses bereist der 51-Jährige die Benediktinerklöster auf vier Kontinenten. Manche von ihnen sind sehr klein, wie das Kloster Digos auf den Philippinen, in dem nach den Worten von Pater Parik Mariano nur fünf Mönche und zwei Novizen leben.

In anderen Teilen der Welt haben die Klöster andere Probleme. Die Niederlassung in China muss sich in der Öffentlichkeit möglichst bedeckt halten, „denn sie ist eine ständige Provokation für die chinesischen Behörden“, so Schröder. Deshalb behalten die Missionsbenediktiner den genauen Standort des Klosters lieber für sich. Trotz der prekären Lage kümmern sich die dortigen Mönche aber um zwei Pfarreien und betreiben ein Altenheim, wie Pater Norbert Du berichtete.

Sein venezolanischer Kollege Antonio Gonsalez erzählte vom Niedergang des Landes infolge gesunkener Ölpreise. Da sich Lebensmittelimporte stark verteuert hätten, sei seine Abtei St. Joseph im Begriff, die eigene Landwirtschaft wiederzubeleben.

In der Betreuung von Flüchtlingen wollen sich die Benediktiner stärker engagieren – in Deutschland und in den Flüchtlingslagern im Nahen Osten. Dazu liegen dem Generalkapitel mehrere Anträge vor. Neu gewählt wird im Rahmen der Tagung der Kongregationsrat, der mit dem Präses die weltweite Gemeinschaft leitet.

Am Wochenende erwarten die Ottilianer dann bis zu 15 000 Besucher – dann nämlich findet wieder der im Zwei-Jahres-Turnus abgehaltene Klostermarkt statt. Aus diesem Anlass wird der Weltmissionssonntag um eine Woche vorgezogen. Und um dem Namen Ehre zu machen, wird Erzabt Wolfgang Öxler am Sonntag tatsächlich einen Mitbruder aussenden. Der Arzt Bruder Jesaja Sienz wird die nächsten drei bis fünf Jahre in Tansania verbringen und dort in einem Krankenhaus arbeiten. (os)

Klostermarkt

Der 6. Klostermarkt in St. Ottilien startet am Freitag, 14 bis 18 Uhr, und läuft dann den ganzen Samstag (10 bis 18 Uhr) und Sonntag (10.30 bis 17.30 Uhr). Nahezu 30 Klöster und Ordensgemeinschaften aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Kreta und Weißrussland sind mit Ständen vertreten, an denen sie ihre Produkte anbieten. Am Samstag kann man dem Braumeister über die Schulter schauen. Gleichzeitig läuft an allen drei Tagen ein Secondhand-Markt. Mit dem Reinerlös wird ein Ausbildungsprojekt im Südsudan unterstützt. Das Programm gibt’s auf www.klostermarkt-ottilien.de.

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