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Hans Schmid kam 1966 nach St. Ottilien und unterrichtete dort bis zum Alter von 69 Jahren.  

Nachruf

Der Bienen-Doc war viel mehr als ein Lehrer

Als „Bienen-Doc“ kannte und liebte ihn die ganze Schule. Der Spitzname rührte daher, dass der Lehrer Hans Schmid vor über 40 Jahren am Rhabanus-Maurus-Gymnasium in ein Fenster des Biologiesaals einen Bienenstock hatte einbauen lassen. 

St. Ottilien – Fortan konnte jede Schülergeneration hautnah das Leben und Sozialverhalten der fleißigen Insekten beobachten.

Auch lange nach seiner Pensionierung kümmerte sich der Doc weiter um die Bienen von St. Ottilien. Überhaupt blieb er in der Schule präsent, er wohnte sogar dort – in einem Zimmer im Internatsbereich. Als Hans Schmid kürzlich starb, kam die ganze Schule zum Trauergottesdienst in die Klosterkirche.

Die Beziehung zwischen Schmid und dem Gymnasium St. Ottilien war in den Augen von Rektor Michael Häußinger „einmalig in Bayern“. 1966 kam der gebürtige Landsberger – siebtes von acht Kindern einer religiös geprägten Akademikerfamilie – an die Schule. Neben Biologie unterrichtete er Chemie und Erdkunde. Immer ging es ihm darum, den Schülern größere, fächerübergreifende Zusammenhänge aufzuzeigen und ihnen selbst komplizierteste Prozesse anschaulich nahezubringen. Und er verkörperte den raren Typus des Gelehrten, für den Naturwissenschaften, humanistische Bildung und Spiritualität zusammengehören.

Was ist Leben? Auf fünf Schautafeln, randvoll mit wertvollem Wissen, mit handgeschriebenen Texten und gemalten Abbildungen, ging der Doc dieser Frage nach. Die Tafeln hängen nach wie vor im naturwissenschaftlichen Trakt der Schule. Als Hans Schmid in einer Herrschinger Klinik friedlich einschlief, zerbrach um dieselbe Zeit ein Fensterglas neben den Schautafeln. „Damit ist der Doc mit einem großen Kracher aus der Welt geschieden“, sagte Pater Vianney Meister in seiner Trauerpredigt.

Schmid hätte im Mai seinen 90. Geburtstag gefeiert. Sicher hätte man ihm wieder ein so großes Fest ausgerichtet wie zu seinem Achtziger. „Er war unser Gedächtnis, die Datenbank unserer Schule“, sagt Rektor Häußinger. Zu vielen Ehemaligen hielt der Doc Kontakt. Er wusste, wer wo was studierte, wer wo welche Karriere machte. Dass er als Kristallisationspunkt der überall verstreuten Ex-Ottilianer nun wegfällt – „das“, so Häußinger, „ist für unser Haus ein Riesenverlust“.

Wissenschaftler,Lehrer, Imker,Schafkopfspieler,Bier- und Mosttrinker

Die Leidenschaft für Bienen hatte Schmid von seinem Vater mitbekommen. Nach dem Abitur studierte er in München Biologie, Chemie und Geographie und hatte das Glück, dass unter seinen Professoren drei spätere Nobelpreisträger waren. Seine Doktorarbeit schrieb er über die Sprache der Bienen.

Ab 1957 unterrichtete er neun Jahre an einem Hamburger Gymnasium, bevor er in St. Ottilien seine Lebensstellung fand. Doch auch nach Hamburg hielt er Kontakt – noch im letzten Jahr besuchte er dort ein Treffen ehemaliger Schüler. Geistig auch im hohen Alter noch hellwach, mit Gehstock, Pfeife und verschmitztem Lächeln – so wird man in St. Ottilien den Bienen-Doc in Erinnerung behalten – den Wissenschaftler und Lehrer, Bienenforscher und Imker, den ehemaligen Feuerwehrmann und Gemeinderat, den leidenschaftlichen Schafkopfspieler, den genussvollen Bier- und Mosttrinker. Den Menschen, der für viele Schüler wie ein Vater war. (Ulrike Osman)

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