Die Fahrt mit dem Rennrad nach Grafrath geht dem neuen Geltendorfer Bürgermeister Robert Sedlmayr ab. Jetzt radelt er dafür öfter zur gemeindeeigenen Gastwirtschaft: Der Alte Wirt soll saniert werden.
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Die Fahrt mit dem Rennrad nach Grafrath geht dem neuen Geltendorfer Bürgermeister Robert Sedlmayr ab. Jetzt radelt er dafür öfter zur gemeindeeigenen Gastwirtschaft: Der Alte Wirt soll saniert werden.

Interviews mit den neuen Bürgermeistern

„Ein Lebenstraum ist in Erfüllung gegangen“

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Den Dienstwagen lässt Robert Sedlmayr so oft wie möglich stehen. Termine im Gemeindegebiet erledigt der ÖDP-Bürgermeister am liebsten mit dem Fahrrad. Ein Gespräch.

Geltendorf – Ausdauer braucht er auch für seine Arbeit, denn es stehen große Themen an. Welche er als erstes anpacken will, wie Investitionen trotz Steuereinbrüchen gelingen können und welche Alternativen es zu teuren Maßnahmen gibt, schildert der 54-Jährige im Tagblatt-Interview.

Wie waren die ersten Monate als Bürgermeister?

Der Abschied von der Sparkasse ist mir schon schwergefallen nach 38 Jahren. In meinem Wirkungskreis Grafrath hatten sich mit manchen Kunden fast freundschaftliche Kontakte entwickelt. Aber meine neue Tätigkeit ist genau das, was ich mir gewünscht habe – in meinem eigenen Umfeld mitzugestalten. Da ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Außerdem ist es ein erhebendes Gefühl, eine Familientradition fortzusetzen – mein Onkel Mathias Ettenberger war Bürgermeister in Hattenhofen, mein Großonkel Heinrich Albertshofer Bürgermeister in Moorenweis.

Manchmal stellen sich erfüllte Träume in der Realität ganz anders dar. Gab es schon Überraschungen oder gar Enttäuschungen?

Überhaupt nicht. Ich habe in der Verwaltung eines tolles Team an fleißigen Mitarbeitern vorgefunden. Und der Kontakt mit den Bürgern war bisher fast ausschließlich positiv.

Sie haben ein paar Themen „geerbt“, die in der Gemeinde schon lange diskutiert werden. Das eine ist der Neubau einer Sporthalle in Geltendorf. Wie sieht es damit aus?

Ein Konzept der Arbeitsgruppe Sportstättenbau liegt schon seit Jahren in der Schublade. Bereits 2009 wurden Gelder für Vorplanungen in den damaligen Haushalt eingestellt, aber dann hat der Bau des neuen Feuerwehrhauses alle Kapazitäten beansprucht. Jetzt muss der Neubau einer Sportstätte im Hauptort aber wieder zum Thema gemacht werden. Ich möchte zusammen mit meiner Stellvertreterin Marion Wisura, die ja im Sportverein TTC engagiert ist, die Arbeitsgruppe wieder aktivieren.

Die Sporthalle war eines Ihrer Wahlkampfthemen. Spüren Sie eine starke Erwartungshaltung bei den Bürgern?

Eigentlich nicht. Bei den Vereinen ist eher Resignation zu spüren, weil das Thema so lange in der Versenkung verschwunden war.

Wie könnte so ein Projekt finanziert werden?

Das ist natürlich eine Herausforderung in Zeiten sinkender Gewerbesteuereinnahmen. Und die Einkommenssteuer wird wohl auch nicht mehr so sprudeln wie bisher. Aber die Gemeinde kann durch die konsequente Anwendung der Ankaufsregeln für künftiges Bauland Einnahmen generieren. Ein möglicher Standort für die Sporthalle ist schon im Gemeindebesitz. Das Bürgerhaus wurde ja seinerzeit so geplant, dass daneben eine Sporthalle realisiert werden könnte.

Das zweite Dauerthema ist die Sanierung der Paartalhalle in Walleshausen.

Eine Anfrage bei der Regierung von Oberbayern hat ergeben, dass wir für die Sanierung der Paartalhalle Chancen auf Fördermittel in Höhe von 300 000 Euro hätten. Eine vollständige Sanierung der 40 Jahre alten Halle mit Schützenheim und dem noch älteren Lehrerwohnhaus würde allerdings fünf Millionen Euro kosten. Das werden wir uns nicht leisten können. Im Augenblick sind wir dabei auszuloten, ob eine Teilsanierung zu geringeren Kosten machbar wäre. Eine andere Möglichkeit – die ich auch im Wahlkampf vertreten habe – wäre ein Neubau an anderer Stelle. Schöngeising baut zum Beispiel eine vergleichbare Halle für drei Millionen Euro. In Walleshausen haben sich bereits mehrere Bürger positiv zu möglichen Neubauplänen geäußert. Aber aus meiner Sicht sind noch nicht genügend Gespräche geführt worden.

Sie haben bereits einige Neuerungen eingeführt, unter anderem eine Hochbaukommission. Welche Aufgaben hat sie?

Das ist ein ganz wichtiges Gremium, weil ich bei Bauvorhaben von Anfang an für größtmögliche Transparenz sorgen möchte. Der Hochbaukommission gehört ein sachkundiger Vertreter aus jeder Gemeinderatsfraktion an. Sie befasst sich mit Themen wie Baustoffen, Heizenergie, Böden, Dachform. Die Entscheidungen fallen nach wie vor im Gemeinderat, werden aber in der Hochbaukommission intensiv vorberaten und gehen von dort aus in die Fraktionen. Eine weitere Neuerung ist der teilbeschließende Bauausschuss. Früher wurden hier Bauanträge vorberaten – und zwei Tage später wiederholte sich die gleiche Diskussion im Gemeinderat. Jetzt kann der Bauausschuss Planungsaufträge bis zu einer Wertgrenze von 30 000 Euro und Baumaßnahmen bis 50 000 Euro vergeben sowie geringfügige Abweichungen von Bebauungsplänen genehmigen. Dadurch wird der Gemeinderat entlastet.

Welche Projekte stehen aktuell auf der Prioritätenliste ganz oben?

Ganz oben steht der Neubau eines Kinderhauses mit drei Krippen- und zwei Kindergartengruppen. Da hat der Gemeinderat kürzlich die Eingabeplanung beauftragt, wir hoffen auf einen Baubeginn im nächsten Jahr. Das Projekt kostet knapp fünf Millionen Euro, 2,8 Millionen davon bekommen wir als Zuschuss vom Freistaat. Träger der Einrichtung wird die Lebenshilfe Landsberg. Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist groß – wir mussten in diesem Jahr 34 Familien absagen. Für einen Teil dieser Kinder können wir aber eine Übergangslösung in der alten Schule in Walleshausen anbieten. Die zweite Priorität hat die Sanierung unser gemeindeeigenen Gastwirtschaft Alter Wirt. Der älteste Gebäudeteil stammt aus dem 18. Jahrhundert, der übrige Teil aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Dach und die Entlüftung der Küche sollen noch dieses Jahr gemacht werden. Später muss die Küche umgebaut werden, und wir brauchen einen zusätzlichen Fluchtweg aus dem Saal im ersten Obergeschoss. Wir wollen eine Außentreppe anbauen – und auch einen Außenaufzug, wenn wir den Denkmalschutz davon überzeugen können. Außerdem beginnt in den Sommerferien die Brandschutzsanierung der Schule. Nächstes Jahr wird dort auch endlich der lang ersehnte Aufzug eingebaut.

Wie sehr nimmt der Bürgermeister Robert Sedlmayr diese Themen mit in die Freizeit – gedanklich oder in Form von Unterlagen?

Unterlagen nehme ich nicht mit nach Hause. Ich versuche schon, dass die Arbeit im Büro bleibt. In der Freizeit bin ich nach wie vor auf dem Rennrad unterwegs, wobei mir die tägliche Fahrt nach Grafrath zu meinem früheren Arbeitsplatz schon fehlt. Aber dafür mache ich zwei-, dreimal in der Woche frühmorgens eine Tour zum Ammersee. Da komme ich auch auf meine Kilometer.

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