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Sie sitzen schon fest im Sattel: zwei der vier Gruppen aus verschiedenen Klassen, die jeweils eine eigene Einrad-Show vorbereiten.

Vorstellungen ab 13. Juli 

Es geht rund im Circus St. Ottilien

Heuer ist es wieder soweit in St. Ottilien: Alle drei Jahre ist ein Circus-Jahr, das Schule wie Kloster in einen Ausnahmezustand versetzt. Die Nummern stehen, derzeit wird intensiv geübt. 

St. OttilienDas Casting, das kurz vor den Pfingstferien in der Turnhalle des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums stattfand, verlief vielversprechend. Kreativität, Artistik und Humor waren dabei und stimmten die Jury aus Lehrern und einigen Schülern zuversichtlich, dass es wieder ein abwechslungsreiches Programm geben wird. Dabei steht der „Spaß an der Freude“ laut Circusdirektor Martin Metz im Vordergrund. „Es gibt keine Hochleistungsnummern, aber wir bieten ein anspruchsvolles Programm mit Witz und Substanz“, so der Mathematiklehrer.

In einigen Fällen hätte die Jury noch die Empfehlung gegeben, an der Musikauswahl zu feilen. Das meiste kommt live von den beiden Bands, die sich aus dem Schülerblasorchester St. Ottilien gebildet haben.

Zum Start 1991 sind vier Lehrer dabei, jetzt sind es bereits 20

Die Initiative, einen Circus von Lehrern und Schülern gemeinsam in der Schule zu veranstalten, kam 1991 vom Benediktiner-Mönch Josef Götz, dem Lateinlehrer Stefan Klotz und dem damaligen Erzabt Notker Wolf. Während diese Idee in der Vergangenheit mehrfach von anderen Schulen aufgegriffen wurde, sei der Circus St. Ottilien wegen seiner engen Verzahnung mit dem Benediktinerkloster einmalig. „Die Klosterwerkstätten bauen und reparieren Tribünen und Kulissen, die Bulldogs der Landwirtschaft helfen beim Aufbau und Transport und die Klosterfeuerwehr stellt die Sicherheitswache“, berichtet der Circusdirektor. Sogar der Missionsgedanke des Klosters sei dabei, wenn südafrikanische Gastfamilien in der Manege Zulu-Tänze aufführen und dazu singen.

Vor dem neuen und dem alten Plakat: Zirkusdirektor und Mathe-Lehrer Martin Metz freut sich schon auf die zehn Circus-Tage in St. Ottilien.

Waren es am Anfang noch vier Lehrer, die aktiv beim Circus dabei waren, schätzt Martin Metz die Zahl seiner beteiligten Kollegen bei der diesjährigen neunten Auflage auf 20. Das Engagement geht sogar soweit, dass es zwei eigene Lehrernummern gibt. Ob der Applaus-Dezibel-Rekord vom vergangenen Mal, als die Lehrer im Ballett-Tutu auftraten, geknackt wird, bleibt abzuwarten.

Prozentual ähnlich hoch sind natürlich die Schüler beteiligt. Metz rechnet mit über 500 Mitwirkenden – oder anders gesagt: 200 Schüler machen nicht mit. Für einige Oberstufler ist das Dabeisein mit einem ernsten Hintergrund verbunden: Im Rahmen von sogenannten P-Seminaren kümmern sie sich vom Marketing über Auftrittspläne, Kostümanfertigung, Ticketverkauf und Verkehrsregelung bis hin zur Organisation des begleitenden Jahrmarkts mit seinen Verpflegungsstationen für die Besucher. Bei aller Gaudi gibt es ein paar ernstere Themen, die die Organisatoren stark beschäftigen, allem voran die zunehmenden Sicherheitsanforderungen, aber auch Gefährdungsbeurteilungen und die entsprechenden Dokumentationspflichten.

Aber zurück zum Training. Physik-Lehrerin Regina Lauffer steht inmitten vieler Einrad-Fahrerinnen, die sie mehr oder weniger wacklig umrunden. „Vier Einrad-Gruppen in unterschiedlichen Leistungsklassen gibt es, gefahren wird bereits seit dem Schuljahresbeginn“, berichtet die Lehrerin, die auch Mathematik unterrichtet. Seit kurzem steht die Choreografie, die sich die Mädchen größtenteils selbst ausgedacht haben. „Jetzt feilen wir noch an den Übergängen und schauen, dass keiner vom Rad fällt“, sagt Lauffer.

500 der 700 Schüler machen mit – und auch der Erzabt

Anders als beim klassenübergreifenden Training jeweils am Freitagnachmittag trainiert Sportlehrerin Gabriela Rüth mit ihren Mädchen während des regulären Unterrichts. „Die Nummern sind auf den Lehrplan der jeweiligen Klassenstufe abgestimmt, aber im Ergebnis völlig offen“, erklärt die Lehrerin, die zum zweiten Mal beim Circus dabei ist. Mit der 7b hat sie die Akrobatik-Nummer „Schachbrett“ einstudiert, zu der die Mädchen auch „Larven“ (Masken) vor ihren Augen tragen. Logisch, dass sie begeistert dabei sind und geschlossen mitmachen. „Krank werden darf bei der Pyramide keiner, sonst funktioniert’s nicht“, meint eine Schülerin.

Helena, Elena, Sophia und Florina mit den Lehrerinnen Gabriela Rüth und Regina Lauffer (v.l.), die die Nummer „Schachbrett“ und eine Einrad-Show einstudieren.

Was ist für einen Lehrer das Spannendste beim Circus St. Ottilien? „Wir erleben in diesen zehn Circus-Tagen unsere Schüler wie im ganzen Jahr nicht – und natürlich andersherum“, antwortet der Mathematiklehrer und Circusdirektor Martin Metz. Spannend werde aber auch die Nummer des Erzabts, die derzeit noch zum bestgehütetsten Geheimnis zähle. „Beim letzten Mal trat er rappend mit hübschen Tänzerinnen auf – schauen wir mal, was er sich heuer einfallen lässt“, sagt Metz.

Die Vorstellungen finden in der Zeit vom 13. Juli (Premiere) bis zum 22. Juli (Grande Finale) statt, in der Regel gibt es täglich je eine Vorstellung am Vormittag und Nachmittag. Tickets können ab sofort im Internet auf www.circus.ottilien.de reserviert werden.

von Max-Joseph Kronenbitter

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