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Andreas Höpfl aus Geltendorf fährt seinen Audi seit 50 Jahren.

Dieses „H“ im Autokennzeichen ist wirklich verdient

Er fährt seinen Audi seit 50 Jahren

Oldtimer-Autos mit einer H-Nummer für „historisch“ gibt es einige in der Region. Ein Auto, das vor 50 Jahren im Landkreis Fürstenfeldbruck zugelassen wurde, seitdem nicht den Besitzer gewechselt hat und zudem noch nie abgemeldet wurde, ist dagegen sehr selten. So sehr, dass die Audi AG Andreas Höpfl eingeladen hat, zu seinem Jubiläum mit dem uralten Audi 60 ins werkseigene Museum nach Ingolstadt zu kommen.

Geltendorf/Fürstenfeldbruck– Smaragdgrün, verchromte Stoßstangen und Radkastenausschnitte, Lenkradschaltung: Im extrem übersichtlichen Innenraum riecht es nach altem Kunstleder, das holzgemaserte Armaturenbrett schaut spartanisch aus und ist ohne jeglichen Schnickschnack. Es fehlen sogar Kopfstützen und Anschnallgurte, weil die bis in die 1970er-Jahre einfach nicht üblich waren. Trotzdem trägt Höpfls Audi 60 den Zusatz „L“ für Luxus.

Was an diesem liebevoll gepflegten Auto luxuriös sein soll, ist auch dem langjährigen Besitzer nicht ganz klar. „Laut Kaufvertrag ist die Polsterung ,Vollskai‘ – also nicht aus Stoff, sondern aus Kunstleder. Vermutlich ist es das“, meint Andreas Höpfl. Luxus ist vielleicht noch die beheizbare Heckscheibe – aber die war nicht einmal in der Luxusausstattung inbegriffen, sondern kostete damals 95 Mark Aufpreis.

Der Kaufvertrag von 1969: Der Audi 60 L wurde dem Geltendorfer für 7964 Mark verkauft.

An den Kauf vor genau 50 Jahren kann sich Höpfl noch genau erinnern. „Der Auto-Union-Händler Kiehl aus Fürstenfeldbruck kam extra nach Geltendorf, um das Kaufvertragsformular am Küchentisch auszufüllen“, erzählt er. Warum der Händler dabei vergessen hat, die Umsatzsteuer zu berechnen, ist ihm auch nicht klar.

Dass es ein Audi werden sollte, stand fest. Denn der Landwirt hatte schon gute Erfahrungen mit dem Vorgängermodell, einem DKW, gemacht. Nach einem halben Jahr Lieferzeit war es soweit; eine Auslieferung an den Händler, wie heute üblich, war damals aber nicht möglich. So musste sich Höpfl sein neues Auto selbst in Ingolstadt abholen, stellte es aber dem Händler zuliebe noch ein paar Tage in dessen Schaufenster.

Die Zulassung erfolgte in Fürstenfeldbruck, weil Geldendorf vor der Gemeindegebietsreform noch zum Landkreis Fürstenfeldbruck gehörte. Damals gab es keine Wunschkennzeichen, weshalb es bis heute bei dem nichtssagenden FFB-CT 86 geblieben ist. Nur einmal hat Höpfl das Nummernschild getauscht. Als der Audi alt genug war, um zur „Erhaltung des kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts“ zu dienen, holte er sich, auch aus finanziellen Erwägungen, die steuerermäßigte H-Nummer. „Das war gar nicht so einfach, denn Geltendorf gehörte mittlerweile zum Landkreis Landsberg/Lech – aber ein LL wollte ich partout nicht haben“, berichtet Höpfl.

Der 55 PS-Audi sollte eigentlich 60 PS haben

In Höpfls Bauernhof musste der 55 PS-Audi, der eigentlich 60 PS haben sollte, so einiges aushalten. „Um die stundenlange Überführung des langsamen Mähdreschers zu beschleunigen, habe ich den mit dem Abschleppseil über die Straßen gezogen“, sagt Höpfl lachend. Ähnlich pragmatisch zog er die Egge mit dem am Audi befestigten Abschleppseil über den Kartoffelacker, schließlich war Sonntag und damit Arbeitsverbot mit dem Bulldog.

Früher hat Höpfl, der lange Jahre als Busfahrer arbeitete und deswegen viel rumkam, mit seiner Familie Tagestouren bis nach Südtirol unternommen. Weiter ging’s nie, weil die Stallarbeit zuhause wartete. Auch heute ist der 80-Jährige noch rund 2000 Kilometer im Jahr mit seinem Audi unterwegs, allerdings eher zum Einkaufen bei schönem Wetter. „Regen und Salz mag er gar nicht, und der Rost ist ein dauerndes Problem“, so Höpfl.

Deswegen hat er mittlerweile alle wichtigen Ersatzteile in seinem Speicher gebunkert. Mit seinem Sohn Andreas, der den Audi auch fahren darf, baut er die Teile dann selbst ein.

Zu Gast im Audi-Museum in Ingolstadt

Gelegentlich sind die beiden auf einer Oldtimer-Ausstellung unterwegs und fachsimpeln, zum Beispiel über den 1,5-Liter-Mercedes-Motor, der wegen des beengten Audi-Motorraums werksseitig nur schräg eingebaut werden konnte. Bei so einer Gelegenheit traf er mit den Verantwortlichen des Audi-Museums in Ingolstadt zusammen. Denn der Audi 60 ist nicht der klassische Oldtimer, sondern war ein alltägliches Massenauto.

Für die Audi-Leute war Höpfls fast lebenslange Verbindung zum Audi 60 so spannend, dass die Familie eine Einladung nach Ingolstadt bekam. „Auf den Tag genau 50 Jahre nach Auslieferung bin ich in die Museumshalle gefahren“, berichtet Andreas Höpfl immer noch bewegt. Denn die Halle, wo er damals seinen Audi abholte, existiert längst nicht mehr – anders als der smaragdgrüne Audi 60 L. 

von Max-Joseph Kronenbitter

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