Sorgen im Geltendorfer Rathaus: Die Gemeindefinanzen sehen schlecht aus, und es stehen viele Investitionen an. Foto: tb

Geplante Seniorenwohnanlage sorgt für Aufregung

Geltendorf – Eine geplante Seniorenwohnanlage an der Türkenfelder Straße ruft den Widerstand der Anwohner hervor. Das Gebäude sei überdimensioniert, so der Tenor der Kommentare bei der Bürgerversammlung.

Bürgermeister Wilhelm Lehmann (Unabhängige Bürger) versuchte zwar, das Thema schon vor den ersten Wortmeldungen mit dem Hinweis abzuwürgen, man befinde sich noch mitten im Bauleitverfahren und könne keine verbindlichen Aussagen machen. Kritische Anmerkungen kamen trotzdem.

„Die angestrebte Größe des Objekts ist mit der Grundstücksgröße nicht vereinbar“, sagte eine Nachbarin. Sie begrüßte, dass einige Gemeinderatsmitglieder sich zu einem Anwohnergespräch vor Ort eingefunden hatten. „Ich fand die Offenheit und die Bereitschaft, unsere Einwände anzuhören, sehr schön.“

Das geplante Objekt in einer Baulücke gegenüber der Einmündung Eschenstraße soll laut Rathaus-Geschäftsleiter Florian Hänle 24 barrierefreie Eigentumswohnungen umfassen, die nur an über 65-Jährige verkauft werden sollen. Ob dies aber die Nutzung durch Senioren garantiert, bezweifelten einige Anwesende. Für Senioren, die Hilfe brauchen, sei „eine abgespeckte Form des betreuten Wohnens“ vorgesehen, so Hänle. Lehmann versicherte, die im Rahmen der ersten öffentlichen Auslegung eingegangenen Einwände würden bei den Entscheidungen des Gemeinderats berücksichtigt.

Ein düsteres Bild zeichnete der Rathaus-Geschäftsleiter vor den rund 100 Anwesenden im Bürgerhaus von den Gemeindefinanzen und den anstehenden Investitionen. Wasserversorgung, Kläranlage und Kindergärten seien an der Kapazitätsgrenze. Straßen, Brücken, das Leitungsnetz und einige gemeindliche Gebäude würden dringenden Sanierungsbedarf aufweisen.

Zusätzlich zum im Bau befindlichen Feuerwehrhaus müssten Fahrzeuge und Gerätschaften für 600 000 Euro angeschafft werden. Das alles werden die Bürger im Geldbeutel zu spüren bekommen.

Zusätzlich zu den Hebesätzen, deren Erhöhung für kommendes Jahr bereits beschlossen ist, kündigte Hänle steigende Mieten, Pachten, Entgelte und Verwaltungsgebühren an. Die Abwassergebühr werde voraussichtlich um 50 Cent pro Kubikmeter angehoben werden müssen. Auch die Vereine würden den Auswirkungen der Finanzmisere nicht entgehen.

Matthias Töwe wünschte sich neben der Auflistung der anstehenden Maßnahmen eine Aufstellung der Einnahmen der Gemeinde in den letzten zehn Jahren. „Wie war dort die Steigerung?“

Lehmann versprach, die Zahlen im nächsten Gemeinde-Infoblatt zu veröffentlichen, fügte aber gleich hinzu: „Geltendorf war schon immer eine arme Gemeinde.“

Die Sanierung der Moorenweiser Straße steht kurz vor dem Abschluss. Anfang kommender Woche werde der Verkehr wohl wieder rollen können, so der Rathauschef. Die Frage, welche Kosten auf die Grundstückseigentümer zukämen, wollten weder Lehmann noch Hänle beantworten. Die Zahlungsbescheide würden voraussichtlich erst im Juni verschickt werden.

Seniorenreferent Horst Kürschner äußerte noch einmal sein Bedauern über die bevorstehende Schließung des Standesamts. „Das ist für die älteren Menschen schlimm.“ Der Seniorenbeirat bitte darum, den mit nur einer Stimme Mehrheit gefallenen Beschluss noch einmal zu überdenken.

Lehmann merkte dazu an, zur Verlagerung der Standesamts-Aufgaben an die Stadt Landsberg müsse ein Vertrag geschlossen werden – und dieser bedürfe einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Gemeinderat. (os)

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