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Kloster-Imker Bruder Georg kontrolliert die Bienen-Kinderstub e in St. Ottilien. Noch ist von der gefährlichen Faulbrut nichts zu entdecken. 

St. Ottilien

Hilfe von ganz oben gegen die Bienenseuche

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Die Faulbrut hält die Imker um Türkenfeld weiter in Atem. Ganz in der Nähe summen auch die Bienen von Bruder Gregor. Der Kloster-Imker aus St. Ottilien bleibt aber gelassen – und setzt auf Beistand von ganz oben.

St. Ottilien – Es ist ein ständiges Kommen und Gehen in dem alten, knorrigen Holzhäuschen ganz am Rande des riesigen Klosterareals. Genauer gesagt ein Landen und Starten. Unablässig fliegen die Bienen los, um wenig später schwer bepackt in einen der Kästen zurückzukehren. Dass in der Honig-Fabrik alles so läuft, wie es soll, darüber wacht Bruder Gregor, der Kloster-Imker von St. Ottilien.

Mehrere Bienen-Völker mussten getötet werden

Doch über dem 83-Jährigen und seinen zehntausenden Mitarbeiterinnen schwebt ein Damokles-Schwert. Ein paar Kilometer weiter in Türkenfeld ist vor knapp drei Wochen die amerikanische Faulbrut ausgebrochen – eine Seuche, die den Nachwuchs der Bienen vernichtet. Die Krankheit hat bereits die Behörden auf den Plan gerufen. Mehrere Völker mussten schon getötet werden.

Bruder Gregor hofft, dass dieser Kelch an ihm und seinen Honigproduzentinnen vorbeigeht. Der Mönch, während der Arbeit ganz weltlich mit Filzhut, blauem Hemd, Hosenträgern und Jeans bekleidet, setzt dabei vor allem auf den Schutzheiligen der Imker und Bienen. St. Ambrosius hängt direkt neben den Bienenkästen an der Wand und wacht mit strengem Blick über die insgesamt 20 Völker. Bisher mit Erfolg. Der Schutz des Heiligen muss übrigens reichen. Den Herrgott ruft Bruder Gregor in seinen Gebeten nicht zum Schutz der Bienen an. „Der hat mit den Problemen der Menschen schon genug zu tun“, sagt er mit einem schelmischen Lächeln.

Waben mit dem Nachwuchs

Nicht ohne Stolz, dafür wiederum mit einem verschmitzten Grinsen präsentiert der 83-Jährige die Waben, die den Nachwuchs beherbergen. „Alles in Ordnung“, sagt er und packt die Kinderstube seiner Schützlinge wieder zurück in den Kasten.

Dass es auch anders aussehen kann, weiß Bruder Gregor aus Erfahrung. Bereits in seiner Zeit im Benediktiner-Stift St. Georgenberg in Tirol kümmerte er sich um die fleißigen Honig-Lieferantinnen. Dort wurden mehrere Völker von der Seuche heimgesucht. An den Anblick kann er sich noch gut erinnern. Eingefallene Zellen mit kleinem Loch und einer zähen braunen Masse gefüllt: „Dann ist klar, das ist die Faulbrut.“

Ähnliches haben auch Imker aus Türkenfeld beobachtet. Die betroffenen Völker mussten getötet werden, erklärt Hans Werner Merk, Leiter des Veterinäramtes im Landratsamt. Um die Standorte der Stöcke wurde anschließend eine Zwei-Kilometer-Sperrzone eingerichtet.

Sperrzonen festgelegt

Auch im benachbarten Landkreis Landsberg brach die Krankheit aus – und auch dort wurden Sperrzonen festgelegt. Innerhalb des Sperrgebiets auf Brucker Flur gibt es laut Merk 20 Imker mit 140 Völkern. Zusätzlich wurden Imkerbetriebe untersucht, die Bienen ins Sperrgebiet gebracht oder von dort geholt haben. Insgesamt haben Experten in einem Labor Proben aus rund 200 Bienenvölkern untersucht, erklärt Merk. Dabei wurden bei vier weiteren Imkern Erreger entdeckt. Weil die Krankheit aber noch nicht ausgebrochen war, kamen die Bienen mit dem Leben davon. Lediglich die Brut wurde vernichtet.

Den Bienen macht das nicht viel aus, meint Bruder Gregor. Auch er musste in Tirol seinen Tieren schon den Nachwuchs klauen. Die Insekten würden einfach wieder von vorne anfangen. „Das ist eben Bienenfleiß.“

Räuberische Bienen schleppen die Seuche ein

Die amerikanische Faulbrut ist eine Tierseuche, die den Nachwuchs der Bienen angreift. Dabei handelt es sich um ein sporenbildendes Bakterium. Verbreitet wird die Faulbrut nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau hauptsächlich durch sogenannte Räuberei – also wenn Bienen anderen Völkern den Honig stehlen. Anstecken kann sich ein Volk aber auch durch sporenverseuchten Honig – zum Beispiel in der Umgebung von Altglascontainern –, durch Ablenkfütterung für Wespen auf Mülldeponien oder Abfallsammelstellen. Für Menschen ist die Faulbrut absolut ungefährlich. Darauf weist der Leiter des Veterinäramtes im Fürstenfeldbrucker Landratsamt, Hans Werner Merk, ausdrücklich hin. Auch der Honig von betroffenen Bienenstöcken kann gefahrlos verzehrt werden. Die Faulbrut macht natürlich nicht an Landkreisgrenzen halt. So sind im Landkreis Landsberg, der an Türkenfeld grenzt, auch Sperrzonen eingerichtet worden. Aus ihnen dürfen keine Bienen herausgebracht werden.

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