Rund 17 000 Abonnenten lesen Nachrichten aus St. Ottilien 

Missionsblätter erscheinen seit 130 Jahren

Man findet sie in keinem Zeitschriftenladen und kann sie auch sonst nirgends kaufen. Und doch haben die „Missionsblätter“ des Klosters St. Ottilien eine treue Leserschaft. Heuer feiert das Magazin, das vierteljährlich aus der Erzabtei und den weltweiten Klöstern der Missionsbenediktiner berichtet, sein 130-jähriges Jubiläum.

St. Ottilien1888 gab der Ordensgründer Pater Andreas Amrhein die erste Ausgabe der Zeitschrift heraus. Sie sollte „dem wechselseitigen Rapport“ zwischen dem Kloster und seinen Gönnern dienen und ein Zeichen der Dankbarkeit für deren Unterstützung sein. Außerdem sollten die Leser in den Berichten „Trost und Erbauung“ finden.

Doch bald nach dem Start war schon wieder Schluss damit – zumindest gab es eine mehrjährige Pause. Pater Amrhein war offenbar jemand, der alles selbst machen wollte und sich zu viel zumutete. In den Anfangsjahren St. Ottiliens war er derart überlastet, dass für die Missionsblätter keine Zeit blieb.

Das Redaktionsbüro im Kloster blieb jedoch nicht auf Dauer verwaist. Wechselnde Redakteure kümmerten sich um die Veröffentlichung der Blätter, die lange Zeit monatlich erschienen und in ihren besten Zeiten eine Auflage von über 100 000 Stück erreichten. Auf maximal 32 Seiten berichteten Missionsbenediktiner von aktuellen Projekten aus aller Welt – und davon, was sich in St. Ottilien selber tat.

Das ist noch heute so. „Es hat sich erstaunlich wenig geändert“, sagt Pater Maurus Blommer. Er ist seit 2011 Herausgeber der Missionsblätter, für die Redaktion ist Stefanie Merlin zuständig. Über einen Mangel an Themen können die beiden sich nicht beklagen, erzählt Blommer. Wenn die Texte der internationalen Mönche in St. Ottilien eintreffen, müssen sie oft erst aus dem Englischen übersetzt und gekürzt werden. Meist steht mehr Material zur Verfügung, als in einer einzelnen Ausgabe Platz hat.

Zu den ehemaligen Redakteuren der Missionsblätter gehört der Chef des klostereigenen Eos-Verlags, Pater Cyrill Schäfer. Er sah das Magazin immer als Chance, neben Kloster-Themen auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen in Afrika und Asien zu beleuchten. „Die Kirche hat tolle Zugänge zu Themen, die sonst niemand mehr behandelt.“ Ihm war stets wichtig, dass die Information im Vordergrund stand – „das Frömmelnde habe ich versucht herauszuhalten“. Blommer und Merlin sehen das ähnlich. Flüchtlingshilfe in Uganda, Unruhen in Togo, bargeldloser Zahlungsverkehr als Mittel gegen Korruption in Afrika – auf solche Geschichten freuen sich die rund 17 000 Abonnenten der Missionsblätter viermal im Jahr. Fast alle erhalten das Heft mit der Post, einige wenige als pdf-Datei. Selbst jüngere, digital versierte Leser werden bei den Missionsblättern nostalgisch und legen Wert auf ein Papierexemplar.

Äußerlich hat sich das Magazin in den 130 Jahren seit seiner Gründung naturgemäß stark gewandelt. In der Anfangszeit wurde es auf bläulichem Papier gedruckt und mit eigens angefertigten Illustrationen bebildert, später fanden Schwarz-Weiß-Fotos ihren Weg ins Heft. In den 1970er-Jahren hielt der Farbdruck Einzug. Abgeschlossen ist der Prozess der Optimierung nie – als nächstes möchte Maurus Blommer auf umweltfreundliches, chlorfrei gebleichtes Papier umsteigen und die Umschlagseite verstärken, um den Versand zu erleichtern.

Für den ist ein externer Kuvertier-Service zuständig, aber das war nicht immer so. Pater Cyrill Schäfer verbrachte noch ganze Wochenenden damit, gemeinsam mit einer Gruppe älterer Mönche die Hefte einzutüten – bis er eines Tages merkte, wie viele Versehen bei der Frankierung passierten. „Es wurde meist zu viel Porto draufgeklebt“, erinnert er sich schmunzelnd. Da das Heft für die Abonnenten kostenlos ist, konnte man sich solch kostspielige Fehler erst recht nicht leisten.

Wie sehr den Lesern die Missionsblätter am Herzen liegen, wird immer dann deutlich, wenn sich der Versand – aus welchen Gründen auch immer – verzögert. Treffen die Hefte nicht zum erwarteten Zeitpunkt bei der Leserschaft ein, klingelt bei Stefanie Merlin sofort das Telefon. „Die Leute wollen wissen, ob man sie versehentlich aus dem Verteiler gelöscht hat – oder ob das Heft eingestellt wurde.“ Gott bewahre. (Ulrike Osman)

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