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„Glaubenszeugen“ heißt die neue Glocke. Sie lagert in der Schlosserei des Klosters. Wie viele andere bestaunt Bruder Cassian das 466 Kilo schwere Kunstwerk.

Am Sonntag

Neue Glocke für das Geläut von St. Ottilien wird geweiht

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Wenn die Tür der Schlosserei im Klosterdorf St. Ottilien zufällig offen ist, werfen dieser Tage viele Besucher neugierige Blicke hinein.

St. Ottilien – Denn dort steht sie, die neue Glocke für das Geläut der Abteikirche. 466 Kilo schwer, in einem warmen Goldgelb, mit perfekter Aufschrift, hängt sie in einem Gestell aus dicken Holzbalken. Wenn am Sonntag die Mönche ihr Benediktusfest feiern, wird die Glocke im Rahmen eines Festgottesdienstes geweiht.

Gegossen wurde sie im Mai in Innsbruck. Bruder Odilo Rahm war mit einer Delegation aus St. Ottilien dabei und hat den Vorgang, der traditionsgemäß an einem Freitag um 15 Uhr – der Todesstunde Christi – stattfand, mit Gebeten und Gesang begleitet. Fasziniert konnten die Gäste beobachten, wie 1000 Grad heiße Bronze in eine Form aus Lehm, Kälberhaaren und Bierhefe gefüllt wurde.

Bruder Odilo vergleicht die Entstehung der Glocke mit der Geburt eines Kindes – und tatsächlich sprechen Fachleute auch von der Geburt einer Glocke. Die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. „Zuerst wird geschaut, ob alles dran ist“, sagt der Missionsbenediktiner und schmunzelt dabei. „Und dann kommt der erste Schrei.“

Neben der ebenmäßigen Form ist der Klang das alles entscheidende Kriterium. Trifft die Glocke nicht den richtigen Ton, war alle Mühe bei den monatelangen Vorarbeiten und dem Guss umsonst. Überprüft wird das nicht von menschlichen Ohren, sondern von Computerprogrammen, die viel genauer sind.

Auf den hundertstel Halbton analysieren sie, ob der Klang passt oder nicht. „Glaubenszeugen“, so der Name der neuen Glocke, trifft ihr vorgesehenes a’ perfekt. Damit füllt sie eine klangliche Lücke zwischen den beiden kleinsten Glocken im bisher achtstimmigen Geläut der Klosterkirche.

Doch bis man ihr Läuten in der Umgebung hören kann, werden noch Monate vergehen. Voraussichtlich im Herbst wird die Glocke aufgezogen, wenn im Zuge der Kirchturmsanierung ein neuer, hölzerner Glockenstuhl errichtet worden ist. Der Aufzug soll durch das sogenannte Heilig-Geist-Loch erfolgen, eine Öffnung in der Decke des Kirchenraums. Bis dahin wird die Glocke in der Kirche zu bewundern sein und, wenn es sich anbietet, in die Liturgie eingebunden.

Gewidmet ist sie den Märtyrern von Tokwon, 38 Priestern, Mönchen und Schwestern, die während des Korea-Krieges Anfang der 1950er-Jahre hingerichtet wurden beziehungsweise in Gefängnissen starben. Ihnen zu Ehren sind auf der Glocke neben dem Wappen und Motto St. Ottiliens („Lumen Caecis“ – Licht den Blinden) koreanische Schriftzeichen sowie das Wappen und der Leitspruch der Abtei Tokwon zu finden.

Erzabt Wolfgang Öxler wird die Glocke am Sonntag, 14. Juli, im Rahmen eines Pontifikalamts auf dem Platz vor der Kirche weihen. Bei schlechtem Wetter findet der Gottesdienst in der Kirche statt. Zur anschließenden Klosterbrotzeit im Festzelt oder auf dem Platz vor dem Klostergasthof spielt die Brüderblaskapelle auf. Die Klosterbetriebe bieten Produkte zum Verkauf an, es gibt einen Bücherflohmarkt sowie einen Flohmarkt der Franziskanerinnen vom Crescentia-Kloster Kaufbeuren. Im Garten des Exerzitienhauses können Kinder spielen und sich auf einer Hüpfburg austoben. Auf dem Programm stehen außerdem Klosterführungen und um 14 Uhr ein festliches Orgelkonzert mit Helene von Rechenberg. 

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