Bei Kaltenberg

Seniorenwohnen stößt auf geteiltes Echo

Die Idee für eine betreute Seniorenwohnanlage an der Staatsstraße 2027 – der sogenannten Panzerstraße – bei Kaltenberg ist im Gemeinderat auf ein geteiltes Echo gestoßen. Der Bedarf wird zwar gesehen, der geplante Standort rief jedoch Bedenken hervor.

Geltendorf– Die Fläche Am Ziegelstadel liegt im Außenbereich. Zwei vorhandene gewerbliche Gebäude sollen offenbar abgerissen werden. An ihrer Stelle würde ein Investor die Seniorenwohnanlage errichten. Wie Unternehmensberaterin Marianne Brunert im Gemeinderat ausführte, könnte für die Anlage ein Mischkonzept realisiert werden: Neben Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen für Betreutes Wohnen wären Hausgemeinschaften für Demenzkranke, ambulante Senioren-WGs oder Appartements mit gemeinsamer Küche und Aufenthaltsräumen denkbar.

Hinzu kämen eine Pflegestation und ein Mehrgenerationenhaus als „kultureller und sozialer Mittelpunkt“. Hier würde auch eine tagesklinische Betreuung angeboten werden. Um den Bedarf zu untermauern, hatte Projektentwickler Joachim Dierssen von der Unternehmensberatung Dierssen Planfinanz Zahlen mitgebracht.

Demnach existieren im Landkreis Landsberg aktuell 705 Pflegeplätze. Bis zum Jahr 2030 dürfte der Bedarf auf rund 800 ansteigen. Von den vorhandenen Seniorenheimen könne aktuell keines sofort einen dauerhaften Pflegeplatz anbieten, so Dierssen. Die Wartezeiten liegen ihm zufolge zwischen einem und sechs Monaten.

„Der Bedarf ist zwingend da, wir bräuchten in Geltendorf schon lange so etwas“, fand Christian Engelstädter (Unabhängige Bürger/UB). Wilfried Pinther (Grüne) lobte das Konzept als „wichtig, gut und sinnvoll“. Auch Michael Veneris (Bürgerforum) fand das Projekt „sehr interessant“, äußerte allerdings große Bedenken wegen des abgelegenen Standorts an der Staatsstraße. „Ich würde niemandem raten, mit dem Rollator über die Panzerstraße zu laufen.“

Josef Weiß (CSU) kritisierte den vorgesehenen Namen der Anlage – „Wohnen am Schlosspark“ –, denn „mit dem Schloss hat das Ganze nichts zu tun“. An dem vorgesehenen Standort befand sich früher eine Ziegelei. Brunert sah die „grüne Lage“ des Geländes einerseits positiv, räumte andererseits aber ein, dass die Abgeschiedenheit ein Problem sei. Sie hofft auf Kooperation vonseiten der Gemeinde, um „den Außenbezirk zu integrieren“, etwa durch das Schaffen einer Busverbindung. Hier winkten allerdings einige Räte sofort ab. Busse oder Ähnliches müsse der Betreiber organisieren.

Ein weiteres Problem wäre der nicht vorhandene Anschluss an das gemeindliche Abwassernetz – für die Wohnanlage müsste eine eigene kleine Kläranlage gebaut werden. Außerdem behält sich Geltendorf bei der Schaffung von Baurecht stets vor, 50 Prozent der Fläche selbst zu erwerben – auch hierüber müsste gegebenenfalls noch gesprochen werden. Für das Gelände war erst kürzlich ein Bebauungsplan aufgestellt worden, der das Gebiet als Gewerbefläche ausweist. Dieser müsste für das Seniorenwohnprojekt geändert werden. Vorher seien aber Gespräche mit dem Landratsamt zu führen, wie Bürgermeister Wilhelm Lehmann (UB) sagte. Beschlüsse fielen deshalb noch nicht. Am 7. Dezember soll das Projekt wieder auf die Tagesordnung kommen. Ulrike Osman

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