Grüße aus Fernost: Diese Buddha-Statue stammt aus dem 14. Jahrhundert. Vermutlich hat sie Weber von seinen Reisen nach Asien mitgebracht. Anderen Religionen gegenüber war er sehr offen und tolerant. Pater Theophil Gaus ist von der Statue fasziniert.
+
Grüße aus Fernost: Diese Buddha-Statue stammt aus dem 14. Jahrhundert. Vermutlich hat sie Weber von seinen Reisen nach Asien mitgebracht. Anderen Religionen gegenüber war er sehr offen und tolerant. Pater Theophil Gaus ist von der Statue fasziniert.

Sonderausstellung

Die vielen Facetten des ersten Erzabtes von St. Ottilien

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
    schließen

Der ehemalige Erzabt von St. Ottilien, Norbert Weber, wäre im Dezember 150 Jahre alt geworden. Deshalb widmet ihm das Missionsmuseum heuer eine Sonderausstellung.

St. Ottilien – Erzabt, Reisender, Missionsstratege, Jäger, Künstler, Fotograf und Filmemacher, Weltbürger, Religionskundler, Volkskundler, Schriftsteller – in zehn Stationen beleuchtet die Ausstellung den aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Weber, der mit nur 32 Jahren zum ersten Abt von St. Ottilien gewählt wurde. Unter seiner Führung wuchs die Gemeinschaft rasch und erschloss neue Missionsgebiete in Afrika, Korea, China und Amerika.

Abt besuchte Missionen weltweit

Ein Ausdruck der Macht: Pater Berthold Kirchlechner zeigt Webers Pontifikalstuhl. Darauf sind Wappen und Wahlspruch des Erzabtes zu sehen.

Und die wollte der junge Abt besuchen, was im heimischen Kloster zunächst nicht gut ankam. Eine längere Abwesenheit des Oberen behagte den Mönchen nicht. Auch sorgten sie sich wegen Webers schwächlicher Gesundheit. Der jedoch sah es als „heilige Aufgabe“ an, sich über die Verhältnisse der Mission zu orientieren. Er erhoffe sich davon „eine höchst vorteilhafte Rückwirkung auf das Mutterhaus“, schrieb Weber 1905, kurz bevor er sich auf den Weg nach Ostafrika machte.

Auf seinen Reisen passte sich der Erzabt den Lebensgewohnheiten der Einheimischen an, ohne Sonderrechte zu beanspruchen. In Korea saß er am Boden, aß mit Stäbchen, schlief auf dünnen Reisstrohmatten und ließ sich – obwohl Nichtraucher – auf das exzessiv praktizierte Pfeiferauchen der Gastgeber ein. Offen und respektvoll begegnete er anderen Religionen. Auf Einladung buddhistischer Mönche besuchte er deren Tempelanlagen und pflegte einen regen Diskurs mit ihnen. Dass im Missionsmuseum auch eine Buddhastatue aus dem 14. Jahrhundert Platz gefunden hat, ist deshalb keine Überraschung.

Großes Interesse an fremden Kulturen

Ebenso stark war Webers Interesse an Kultur und Bräuchen der Missionsgebiete. In Tagebuchaufzeichnungen beschrieb er alltägliche Tätigkeiten wie Pflügen, Weben oder Bügeln. Dazu fertigte er Zeichnungen und Fotos an. Längere Zeremonien wie Hochzeiten oder Begräbnisse stellte er später in Filmszenen nach. Schriftstellerisch verarbeitete Weber seine Erfahrungen in Reiseberichten, geografischen und kulturhistorischen Werken.

Rücktritt nach Finanzkrise

1931 trat Weber als Erzabt zurück. Das Kloster war nach einer Finanzkrise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, an denen er nicht ganz unschuldig gewesen sein soll. Der damals 60-Jährige ging als Seelsorger in die Missionsstation Litembo nach Südwest-Tansania, wo er sich auch künstlerisch betätigte. Schon sein ganzes Leben lang hatte er gern gezeichnet und gemalt. Nun schuf er Bilder und Altäre für afrikanische Kirchen und arbeitete als Bildhauer in einem eigenen Atelier.

Ein Foto aus jener Zeit zeigt Weber ganz in Weiß gekleidet unter Bäumen sitzend, in sein Skizzenbuch vertieft und augenscheinlich mit sich und der Welt im Reinen. Seinen Rücktritt soll er allerdings als kränkende Niederlage empfunden haben.

Ausstellung zeigt Abts-Insignien

Die Sonderausstellung schließt mit Webers Abts-Insignien – dem Pontifikalstuhl mit seinem Wappen und Wahlspruch, dem Abtsring und der Mitra mit dem Symbol seines Namenspatrons, einer Spinne. Eine solche soll der Legende nach dem heiligen Norbert von Xanten einst in den Messbecher gefallen sein. Aus lauter Ehrfurcht vor dem Blut Christi soll er sie mitverschluckt haben.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck finden Sie hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare