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St. Ottilien: Das bedeutet Mission heute

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Eine Messe in der Klosterkirche im syro-malabarischen Ritus: (v.l.) Pfarrer Kandeth Sebastian, Pater Jinto Scaria, Pater John Kaippallimyalil, Pater Maurus Blommer und Pfarrer Jobins. Statt eines Ambos nutzen die Prieser einen kleinen Tisch mit einem Thomas-Kreuz, von wo aus bibische Texte gelesen werden und gepredigt wird. © Kronenbitter

Am Sonntag ist Weltmissionstag. Die Benediktiner von St. Ottilien haben ihn beim Klostermarkt schon vorgefeiert: So kamen Mitbrüder aus Südindien, um gemeinsam eine Messe im syro-malabarischen Ritus zu zelebrieren und von ihrer Heimat zu erzählen. Doch was bedeutet eigentlich Mission heutzutage?

St. Ottilien – Die Zeiten, in denen junge Männer vorwiegend deswegen in das Kloster eingetreten sind, um möglichst unverzüglich in der Mission etwas von der weiten Welt zu sehen, sind längst vorbei. Noch viel länger vorbei ist die Zeit, in der das Missionieren mit kolonialen Bestrebungen gleichgesetzt wurde und sich die kirchliche Verkündigung nicht davon abgegrenzt hat.

„Heute findet Mission durch den Austausch von Kulturen statt, weil wir erkennen, dass zum Beispiel ein anderer Messritus auch uns bereichert“, stellt Pater Maurus Blommer fest. Als Missionsprokurator von St. Ottilien kümmert er sich um die Anliegen der 20 Ottilianer Mönche in der Welt und akquiriert Spendengelder für deren Projekte.

Die Grundintention der christlichen Feste müsse bleiben – egal wo in der Welt. Aber die Gestaltung einer Messe könne durchaus von der Kultur des Landes geprägt sein. „Die Liturgie in Afrika ist viel lebendiger als die unsere, das könnte uns inspirieren“, sagt der Benediktiner.

Der Aussendungsauftrag an die Jünger kam vom Christus selbst. Die Ottilianer Mönche führte dieser Auftrag Anfang des 20. Jahrhunderts vorwiegend nach Ostafrika, später nach Korea und Ende der 1980er-Jahre auch nach Indien – Schätze im Missionsmuseum zeugen davon. Ganz ohne Entwicklungshilfe sei es nicht gegangen. „Denn wenn die Menschen ums Überleben kämpfen müssen, sind sie damit genug beschäftigt“, meint Pater Maurus, der immer wieder Benediktinerklöster in der Welt besucht. Schulen, ein typischer Benediktiner-Auftrag, und Gesundheit seien Voraussetzungen, dann gelinge auch die spirituelle Inkulturation.

Ohne materielle und vor allem finanzielle Hilfe geht es auch heute nicht, auch wenn die neu gegründeten Klöster so schnell wie möglich vom „Geldempfängertum“ loskommen und unabhängig sein wollen. Auf einem guten Weg dorthin ist das aus 14 Mönchen und sechs Novizen bestehende Priorat St. Michael in Kumily im indischen Bundesstaat Kerala. „Das Kloster wurde 1987 gegründet, in sechs Jahren wollen wir ein selbstständiger Konvent werden“, berichtet Pater Prior John Kaippallimyalil. Durch eine Farm, auf der Gummi produziert wird, und einen Gewürzgarten können die Mönche Einnahmen generieren, um ihrerseits Waisenkindern in ihrem Haus Don Bosco zu helfen.

Weil St. Ottilien mit der Ausnahme eines Arztes keine neuen Missionare mehr entsendet, kommen Benediktiner jetzt nach St. Ottilien und leben eine Zeitlang in Oberbayern: Der Kongregationssekretär Pater Winfried Yego stammt, genauso wie Bruder John Mwaura aus Kenia. „Mittlerweile ist es so, dass in den neu gegründeten Benediktinerklöstern kein Europäer mehr dabei ist. Das in Havanna haben Philipinos gegründet, später kamen Togolesen dazu“, berichtet der Missionsprokurator, „die südlichen Länder helfen sich gegenseitig.“ Partnerschaftliche Unterstützung und geistlicher Austausch seien auch durch Reisen gewährleistet.

Verteilt auf 50 Häuser in 20 Ländern

Der Kongregation der Missionsbenediktiner gehören rund 1000 Mönche an, davon ein Drittel Priester. Die vom Beuroner Benediktinerpater Andreas Amrhein 1884 gegründete Gemeinschaft verteilt sich auf 50 Häuser in 20 Ländern mit dem Schwerpunkt in Tansania/Afrika. Hauptsitz der Kongregation ist St. Ottilien, zum Leiter wurde 2012 Abtpräses Jeremias Schröder gewählt. Die Mönche in den jeweiligen Klöstern stammen zunehmend aus der eigenen Bevölkerung, die Zahl der externen Missionare geht kontinuierlich zurück. Aus St. Ottilien stammen nur mehr 20 Missionare, die in fünf Ländern tätig sind. Im Kloster St. Ottilien leben derzeit über 100 Benediktiner und zwei Novizen. (mjk)

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