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Bruder Alto an einer Königskerze: Die Blüten der Pflanze sind eine Zutat für den Klosterlikör.

St. Ottilien

Er brennt 720 Liter Schnaps im Jahr – und lädt zur Verkostung in die Erzabtei

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Premiere in der Erzabtei St. Ottilien: Zum ersten Mal lädt das Kloster zu einer Schnapsverkostung ein.

St. Ottilien –  Zuständig für die Herstellung der Edelbrände ist Bruder Alto Schmid (43). Im Interview mit Tagblatt-Mitarbeiterin Ulrike Osman verrät er, was die Besucher erwartet.

 Wie wird der Abend ablaufen?

 Ich werde aus dem Alltag unserer Klosterbrennerei berichten und erklären, welche Besonderheiten unsere Brände haben. Im Anschluss können sie probiert werden. Die Verkostung ist natürlich das Wichtigste. (lacht) 

Welche Schnäpse brennen Sie?

 Einen Williamsbirnenbrand, Zwetschgenwasser und Obstler, der wiederum die Grundlage für unseren Klosterlikör ist. St. Ottilien hat das Brennrecht für 300 Liter reinen Alkohol im Jahr, das ergibt 720 Liter Schnaps. Früher konnte man unsere Brände nur an der Klosterpforte und im Klosterladen kaufen. Inzwischen gibt es sie auch im Hofladen, einem Internet-Shop im Allgäu und sogar in einem Schnapsladen in Berlin. Manche Kunden kommen aber immer noch am liebsten an die Klosterpforte, und das seit Jahrzehnten. 

Wie lange wird in St. Ottilien schon gebrannt? 

Losgegangen ist es in den 1920er-Jahren. Interessant ist, dass ich seitdem erst der vierte Brenner bin. Mein Vorgänger, Bruder Erwin Wetzler, hat die Arbeit 35 Jahre lang gemacht. Er schaut immer noch oft vorbei, obwohl er inzwischen 87 ist. Sein Vorgänger hat die Brennerei sogar 49 Jahre lang geleitet. Alle haben ein hohes Alter erreicht, so ungesund kann das ganze also nicht sein. (lacht) 

Was muss ein guter Brenner mitbringen? 

Wir brennen fünf bis elf Wochen im Jahr, neun Stunden am Tag. Da muss man sich konzentrieren, braucht viel Erfahrung und muss im Prinzip ständig vor Ort sein, denn es können jederzeit die Kontrolleure vom Zoll oder der Lebensmittelsicherheit unangemeldet vor der Tür stehen. Wichtig ist auch eine gute Nase, denn als Brenner macht man viel über den Geruch. Angeblich wird der Geruchssinn mit zunehmendem Alter schlechter, aber bis jetzt merke ich noch nichts davon. 

Gibt es ein Geschmacks-Geheimnis der Ottilianer Schnäpse? 

Das Besondere ist sicherlich, dass wir nur unser eigenes Obst verwenden. Das entspricht ja auch dem Trend zur Regionalität. Damit sind wir vom Wetter und der Natur abhängig. Wir haben in den letzten Jahren Zwetschgen und Williamsbirnen nachgepflanzt, damit wir auch in Jahren mit schlechter Ernte immer genügend Obst haben. Unser Klosterlikör wird nach einem Geheimrezept hergestellt, das der damalige Brenner von einem Apotheker bekommen hat und das nur vier Leute kennen. 

Dürfen die Mönche sich selber auch ab und zu ein Schlückchen genehmigen? 

Jeder Mitbruder bekommt zu Weihnachten eine Flasche Likör oder Williamsbirne geschenkt. Mehr gibt es das ganze Jahr über nicht. Zum Alkoholiker wird man bei uns also definitiv nicht. (lacht)

Die Verkostung findet am Mittwoch, 22. Januar, ab 19.30 Uhr im Klosterladen statt.

Auch interessant: Unsere Themenseite zum Kloster St. Ottilien

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