Auch der Klostergarten bietet Inspiration: eine Teilnehmerin des Schreibworkshops in St. Ottilien. 	repros: os
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Auch der Klostergarten bietet Inspiration: eine Teilnehmerin des Schreibworkshops in St. Ottilien.

St. Ottilien

Versunken in die Welt des Schreibens

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Mit einem Stift und einem Block kann man die Seele baumeln lassen und die Welt erobern – zumindest bei einem besonderen Schreibkurs in St. Ottilien. Die Dozentin Beatrix Raab bringt die Teilnehmer dazu, in eine eigene Welt abzutauchen und sehr ungewöhnliche Perspektiven einzunehmen.

St. Ottilien – Schreiben tut gut, sagt die Gesundheitswissenschaftlerin Beatrix Raab. Ihre Workshops in kreativem Schreiben bietet sie an einem ungewöhnlichen Ort an – im Missionsmuseum des Klosters St. Ottilien. Dort schickt sie die Teilnehmer auf die Suche nach Inspiration und lässt sie ausgefallene Perspektiven einnehmen.

Unter den volkskundlichen, künstlerischen und religiösen Objekten, getrockneten Pflanzen und präparierten Tieren aus Ostafrika und Asien sollen die Teilnehmer sich ein Exponat aussuchen, das sie berührt. Dann stellt Raab zum Beispiel die Aufgabe, sich in dessen Welt oder Zeit hineinzuversetzen und zu schildern, was man dort erlebt. Eine Teilnehmerin wählte eine Klangschale und schrieb, sie habe es satt, immer dann zu tönen, wenn sie von anderen angeschlagen werde. „Im Museum finden wir viele neue Impulse, aus denen wir Geschichten entwickeln können“, sagt die Gesundheitswissenschaftlerin.

St. Ottilien eigne sich für die Kreativ-Workshops besonders gut, weil es so ein besonderer Ort mit Exponaten aus der ganzen Welt sei. „Auch die Gärten im Klosterdorf eignen sich wunderbar fürs Schreiben“, hat die 62-Jährige festgestellt.

Sie hat lange in Fürstenfeldbruck gelebt und kennt St. Ottilien, seit ihre Tochter vor Jahren hier aufs Gymnasium ging. Entwickelt haben sich die zweitägigen Schreib-Kurse aus dem Programm „Gesund mit Kunst“, das die AOK Bayern vor zwei Jahren mit dem Verein „Stadtkultur Netzwerk bayerischer Städte“ ins Leben rief. Museen und Kommunen konnten sich für Projekte zur Gesundheitsförderung um Zuschüsse bewerben. Raabs Schreibworkshops waren so erfolgreich, dass sie sie inzwischen unabhängig von dem AOK-Programm weiterführt.

Aber warum ist Schreiben eigentlich gesund? „Wenn wir schreiben, dann sind wir ganz bei uns im Hier und Jetzt“, erklärt Raab. „Wir lernen mehr über uns und unsere Wahrnehmung – und ebenso darüber, was uns wirklich wichtig ist.“

Vorkenntnisse und Erfahrung braucht man nicht. Manchmal zeige sich in den Fabeln, Gedichten und Geschichten ein Talent, von dem die Betreffenden vorher selbst nichts wussten. „Oft sind die Leute ganz erstaunt, wie gut ihre Texte ankommen.“ Aber das Vorlesen in der Gruppe, fügt die Dozentin hinzu, sei natürlich freiwillig.

Raab gibt auch Anregungen, wie man belastende Gefühle und Situationen durchs Schreiben verarbeiten und loslassen kann. Dabei helfe schon allein das Suchen nach Formulierungen und das Ringen um passende Worte. „Danach fühlen wir uns entspannter und gehen gestärkt wieder in unseren Alltag.“ Das weiß die Hobby-Fotografin auch aus eigener Erfahrung. Privat schreibt sie Gedichte, Tierfabeln und Kurzgeschichten, aber vor allem Tagebuch. „Ich habe festgestellt, dass es mir hilft, Gedanken loszulassen und Abstand zu gewinnen.“

Workshops

Die nächsten Schreibworkshops finden statt am 19./20. Juni, 24./25. Juli und 18./19. September. Weitere Informationen unter www.entspannung-kommunikation.de.

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