„Im Nachhineinbetrachtet ging das aber schief, weil eszu radikal war.“Thomas Brüch Letzte Aktion vor den Weihnachtsferien: Thomas Brüch hilft den Schülern im Tagesheim von St. Ottilien beim Backen. mjk „Der Glaube betrifft den ganzen Menschen,den ganzen Tag über.“Thomas Brüch

Porträt

Vom evangelischen Pfarrer zum Mönch

In wenigen Monaten vom ordinierten Pfarrer der evangelischen Kirche zum Klosterbruder: Diese Wandlung hat Thomas Brüch vollzogen. Jetzt lebt der 40-Jährige als Mönch in St. Ottilien und hat dort nach einer bewegten Zeit seine Lebensaufgabe gefunden.

St. Ottilien „In der Schule habe ich das Fach Religion abgewählt, weil mich philosophische Fragen im Ethik-Unterricht mehr interessiert haben“, gesteht der heutige Benediktinermönch Thomas Brüch freimütig. Während der gebürtige Kaiserslauterner nach der Schule evangelische Theologie studiert und sich mit dem Thema Religion durchaus anfreunden kann, bleibt die Skepsis gegenüber der katholischen Kirche: „Eigentlich war ich ein Katholikenfresser“ sagt er, der heute im Kloster St. Ottilien lebt.

Wendungen gab es also so einige im Leben des 40-Jährigen. Die radikalste war wohl die vom evangelischen Pfarrer zum Klosterbruder – und das innerhalb von wenigen Monaten. „Im Nachhinein betrachtet ging das aber schief, weil es zu radikal war“, bekennt Bruder Thomas heute. Aus dem ersten Benediktinerkloster im Rheinland ist er nach knapp einem Jahr wieder ausgetreten – und hat dann in München in einer Agentur gearbeitet, die Langzeitarbeitslose wieder ins Berufsleben bringen soll.

Weil ihm das mönchische Leben prinzipiell zusagt, unternimmt er Jahre später einen zweiten Anlauf ins Kloster. Diesmal in St. Ottilien, das er vom Vorbeifahren mit dem Zug kennt. „Zu Fuß von Geltendorf kommend war ich sofort von dem Ort ergriffen“ berichtet der Benediktiner. Bewegt von der Atmosphäre sitzt er in der Mittagshore, dem täglichen Stundengebet, das die rund 80 Mönche des Konvents jeden Tag Schlag 12 Uhr singend in der Klosterkirche beten. Eine Woche „Kloster auf Zeit“ mit Pater Ludger Schäffer mündet schließlich in den Eintritt ins Kloster vor gut vier Jahren.

Über ein konkretes „Erleuchtungserlebnis“ für den Entschluss, ein religiöses Leben zu führen, kann Bruder Thomas nicht berichten. In einem gemischt-konfessionellen Elternhaus aufgewachsen, orientiert er sich an der evangelischen Seite der Mutter.

Das Vorbild eines evangelischen Pfarrers und fehlende andere Berufsinteressen führen den jungen Mann nach der Schule zu Praktika in verschiedene Kirchengemeinden seiner Heimat. Das Studium der evangelischen Theologie in Heidelberg folgt – noch ohne später Pfarrer werden zu wollen.

Erste Berührungspunkte mit dem Katholizismus ergeben sich auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, also dem urkatholischen Thema Pilgern und Unterwegssein. „Auf dem Weg konnte ich mich intensiv mit meinen religiösen Entwicklungsmöglichkeiten beschäftigen“, erzählt Brüch. Was führte zur Hinwendung zur katholischen Kirche? „Ich spüre dort eine tiefere spirituelle Heimat. Als großer Freund der Liturgie merke ich, dass zum Beispiel durch Weihrauch, Körperhaltungen und Farben der Messgewänder alle Sinne des Menschen angesprochen werden.“ Der Glaube betreffe nunmal den ganzen Menschen, den ganzen Tag. Und das nicht nur in der Zeit von 8 bis 17 Uhr, wie er es bei seiner ersten Pfarrerstelle als Assistent des Leiters des diakonischen Werkes erfahren hatte.

Das Leben im Kloster erfährt er nicht als Einschränkung – auch wenn 14 Tage Urlaub im Jahr nicht gerade üppig sind. Genau wie die Lage des Klosters in der weiten Landschaft des Lechrains empfindet Brüch auch das von den Regeln des heiligen Benedikt geprägte Leben als offen. Das hat auch damit zu tun, dass der Einsatz eines Geistlichen in St. Ottilien, einem der größten Konvente in Deutschland, von persönlichen Begabungen bestimmt ist. Die Mithilfe als Erzieher im Tagesheim des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums wird ihm angeboten – was er gerne übernimmt, weil es nicht nur Hausaufgaben-Begleitung bedeutet, sondern auch Fußballspielen, Kegeln und viele andere (sportliche) Aktivitäten mit sich bringt. „Hätte nicht gedacht, dass mir die Arbeit mit den Kindern so viel Spaß macht“, erzählt Bruder Thomas.

Um das Mitspielen im Schülerblasorchester mit dem Baritonhorn hat er sich dagegen beworben. Und um die Mitarbeit im Klosterladen, wozu er dann spätestens den schwarzen Habit trägt, musste man ihn nicht lange bitten.

Steht irgendwann die Priesterweihe an? Das sei kein Thema, weil er nicht auch noch katholische Theologie studieren wolle. „Ich sehe es als meine Lebensaufgabe, Mönch zu sein.“ Drei Jahre nach der zeitlichen Profess steht heuer die ewige an, also die Antwort auf die Frage des Erzabts, ob er sich ewig an den Orden binden will. Freilich müsse auch die Klostergemeinschaft gefragt werden, ob sie Bruder Thomas weiter als Mitbruder haben will.

Wenn man die Kinder des Tagesheims fragen würde, wäre die Antwort unzweifelhaft: „Logo, Bruder Thomas ist ziemlich cool.“ Nur eines haben sie noch nicht geschafft: den Mönch zu „weihern“. Das bedeutet, jemanden mitsamt Klamotten in den schuleigenen Weiher zu werfen. Weniger sein Habit als sein Handy haben ihn bisher davor bewahrt – aber der nächste Sommer kommt bestimmt und dann hat er vielleicht gerade kein Handy in der Tasche. (mjk)

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