MVV Neue MVV-Bus Linie 34/269 München-Gräfelfing, Foto: MVV, Dix
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Uneinigkeit mit Landsberg

Wie oft darf die neue Bus-Linie in Geltendorf halten?

Gute Nachrichten für alle Geltendorfer: Der MVV schafft eine neue Buslinie, um die S-Bahn-Endstationen Mammendorf und Geltendorf zu verbinden. Der Haken an der ganzen Geschichte: Die Haltestellen innerhalb Geltendorfs soll diese nicht anfahren.

Geltendorf/Mammendorf– Im Dezember erweitert der MVV sein Bus-Angebot in der Region. Neu eingeführt wird die Linie 821 als Querverbindung zwischen den S-Bahn-Endhaltestellen Mammendorf und Geltendorf. Geplant ist zunächst ein zweijähriger Probebetrieb. So weit, so gut – doch Robert Sedlmayr (ÖDP), Vize-Bürgermeister in Geltendorf und Nahverkehrs-Referent im Landsberger Kreistag – hat eine entscheidende Schwachstelle ausgemacht. Der neue Bus droht an den innerörtlichen Haltestellen in Geltendorf vorbeizufahren. Nicht nur in Sedlmayrs Augen wäre das „ein Schildbürgerstreich ersten Grades“.

Vier Haltepunkte

In Geltendorf wird die Buslinie 821 von der Moorenweiser Straße her kommend über die Bahnhofstraße zum Bahnhof fahren. Entlang dieser Strecke liegen vier innerörtliche Haltestellen, die von den Buslinien 60 und 61 der Landsberger Verkehrsgemeinschaft (LVG) bedient werden, abgestimmt auf die Abfahrtszeiten der Regionalzüge nach München. Die neue MVV-Linie wird vorwiegend auf die Abfahrtszeiten der S-Bahn abgestimmt sein und – im Gegensatz zur LVG – auch am Samstag fahren. Ein weiterer Vorteil des MVV-Busses wäre, dass Verbundfahrkarten gelten würden. Man könnte somit vom Geltendorfer Altort bis in die Münchner Innenstadt fahren, ohne ein zusätzliches Ticket zu lösen, während eine LVG-Busfahrt zum Bahnhof 1,80 Euro kostet und die Weiterfahrt nach München extra bezahlt werden muss. „Es ist meine vollste Überzeugung, dass das neue Busangebot von den Geltendorfern gerne angenommen werden wird“, sagte Sedlmayr bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. Nach derzeitigem Stand werden sie das aber nicht können. Denn, so der stellvertretende Rathauschef, nach Abstimmungsgesprächen zwischen den Nahverkehrsexperten der Landkreise Bruck und Landsberg soll die MVV-Linie 821 an den vier Geltendorfer Haltestellen nicht stoppen.

Sorge um Landsbergs Busse

Der Grund liege offensichtlich in der Befürchtung, dass die Geltendorfer aufgrund der Attraktivität des neuen Angebots die LVG-Linien meiden und den MVV-Bus bevorzugen könnten. In der Folge würden die Einnahmen der LVG sinken und das Defizit der Linien höher ausfallen.

Von Dietmar Winkler, dem Nahverkehrsexperten des Landkreises Landsberg, hat Sedlmayr sich Zahlen über die Fahrkartenverkäufe in Geltendorf besorgt. Demnach betragen die Einnahmen aus Einzelfahrscheinen und Zeitkarten im Jahr rund 12 000 Euro. Es könne nicht angehen, wegen einer befürchteten Defizit-Erhöhung dieser Größenordnung den Geltendorfer Fahrgästen das attraktive neue Angebot vorzuenthalten, so Sedlmayr in einem Schreiben an den Landkreis Landsberg. „Ziel aller Maßnahmen soll sein, dass es ein verbessertes Angebot an Alternativen zum Kfz-Verkehr gibt.“

Andere Netze blockiert

So sieht es auch der Gemeinderat. Für Michael Veneris (Bürgerforum) ist das Landsberger Vorgehen ein Armutszeugnis. „Statt das eigene Netz auszubauen, blockieren sie jetzt auch noch andere.“ Wolfgang Albertshofer (SPD) nannte es „einen Wahnsinn“, wenn Geltendorfer den neuen Bus nicht nutzen dürften. Auch Thomas Stoklossa (Unabhängige Bürger) hält es für „nicht vermittelbar“, wenn alle 40 Minuten ein Bus durch den Ort fährt, ohne zu halten.

Entsprechend einstimmig fiel der Beschluss aus. Die Gemeinde beantragt beim Landkreis Landsberg, dass die innerörtlichen Haltestellen von der neuen Buslinie angefahren werden dürfen. Und sie wäre bereit, sich an den befürchteten Einnahmeausfällen der LVG-Linien zu beteiligen.

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