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Vier Kleinkunst-Titanen unter sich: (v.l.) Stofferl Well, Gerhard Polt sowie Michael und Karli Well standen in Germering zusammen auf der Bühne.

Auftritt in der Stadthalle

Polt poltert in Germering

Germering – Zusammen mit den Well-Brüdern mischte der Kabarettist die Stadthalle auf.

Kennen Sie die Firma „Rupp-Rohre Rohrbach“? Nein? Jenes bayerische Unternehmen, das die Weihwasser-Pipeline von Andechs über Altötting nach Tuntenhausen gebaut hat? Und das Blasröhrchen hergestellt hat, das einst Todesfahrer Otto Wiesheu der Volltrunkenheit überführte und bald im Haus der Bayerischen Geschichte zu bewundern sein wird? Nein, nicht im Ernst. Aber im aktuellen Programm von Gerhard Polt und den Well-Brüdern aus’m Biermoos.

„Gehobene Unterhaltung mit humanitärem Beigeschmack“ versprachen die vier Kleinkunst-Titanen dem Publikum in der Stadthalle in Germering – da war logischerweise jeder Stuhl besetzt und schon lange vorher keine Karte mehr zu haben. Es wurde ein virtuoser Abend – stimmlich, sprachlich und musikalisch.

Das gut zweistündige Programm begann recht zahm mit Seitenhieben auf hochgerüstete Feuerwehren, den fehlenden Aufzug am Germeringer S-Bahnhof und den Brucker Landkreis, „so schwarz, dass’ bei Tag mit Licht ‘rumfahrn“. Nach dieser humoristischen Hommage an die Region fing dann aber Gerhard Polt an, seine diversen Charaktere auszupacken: den Nazi-Opa, der sein Welt- und Menschenbild an den Enkel weitergibt, oder den passionierten Autofahrer, dessen grünes Gewissen vor Elfenbein-Armaturen dann doch zurückschreckt.

Dass er seine Texte mitten aus dem Leben greift, ist typisch für Polt. Er muss seine Figuren gar nicht überspitzen, sie demontieren sich ohne fremde Hilfe. Jedem von uns hat so einer schon mal das Ohr abgekaut, jetzt dürfen wir endlich darüber lachen. Polt poltert als missverstandener Landrat (was ist schon dabei, wenn einem die Sparkasse für 120 000 Euro einen Imbiss spendiert?) und brilliert als eifernder indischer Missionar, der zur Re-Christianisierung nach Bayern gekommen ist.

Einer der vielen Höhepunkte des Abends ist das Radio-Interview mit einem „Alkohol-Sportler“, in dem der 73-Jährige beide Parts übernimmt – den des nassforschen Säufers und den der sensationsheischenden Moderatorin.

Dazwischen spielen die Well-Brüder in gewohnt-genialer Manier auf einer enormen Menge an Instrumenten gegen die Obrigkeit auf. Tanzeinlagen sind inklusive – Stofferl plattelt, Michael praktiziert schottischen Highland- Dance und Karli lässt den Bauch auf und nieder hüpfen. Und damit nicht genug: Stofferl Well unternimmt als rappender Milchbauer „Little Milli“ gar einen Ausflug in die Hip-Hop-Welt und fordert „Forty Cent“ für den Liter. Z

wischendurch erfährt der Zuschauer Erstaunliches. Etwa, dass sämtliche Musikstücke der Geschichte zunächst für das Alphorn komponiert wurden. Nein, nicht im Ernst. Aber dass selbst Beethoven und die Beatles auf dem ellenlangen Rohr gut klingen, das beweisen die Wells eindrucksvoll.

von ULRIKE OSMAN

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