Klappe, die Zweite

Germering bohrt in Sachen Geothermie nach

Germering - Germering forciert sein lange brachgelegenes Vorhaben, Geothermie im Stadtgebiet zu erschließen. Die Besichtigung einer Bohrung der Stadtwerke München (SWM) in Freiham gehört ebenso dazu wie eine Zusammenarbeit mit der TU, die bestehende Daten neu auswerten soll.

Die Landeshauptstadt München bohrt in unmittelbarer Nachbarschaft von Germering seit einigen Wochen in die Tiefe, um Geothermie für die künftige Trabantenstadt und darüber hinaus nutzbar zu machen. Bei einem Besuch des riesigen Bohrfelds mit seinem 50 Meter hohen Hightech-Turm erinnerte SWM-Geschäftsführer Stephan Schwarz die Vertreter des Werkausschusses Germering und Oberbürgermeister Andreas Haas daran, dass es vor Jahren fast zu einer Zusammenarbeit in Sachen Geothermie gekommen wäre.

Germering hatte nämlich 2008 schon notwendige seismische Untersuchungen über die Beschaffenheit des Untergrunds durchgeführt, und die Wohnbebauung in Freiham sei noch in weiter Ferne gestanden. Das habe sich dann aber doch recht schnell geänderter. Die SWM haben sich dann entschieden, eine eigene Erschließung durchzuführen. Mit der schon ab nächstem Jahr gewonnenen Erdwärme will man sogar noch die Münchner Innenstadt versorgen, erklärte Projektleiter Christian Pletl.

Er führte die Stadträte über das rund ein Hektar große Areal und erzählte, dass man mittlerweile schon bei einer Tiefe von 1700 Meter angelangt sei. Noch im Dezember soll die 2300 Meter tief liegende Schicht mit dem erwarteten 85 Grad warmen Wasser erreicht sein – das Bohrziel liegt nördlich der Bodenseestraße. Die Bohrung geht also vom Bohrturm südlich der Straße quer durchs Gelände: „Wir bohren ums Eck“, erklärte Pletl. Das habe vor allem Sicherheitsgründe: Auf der anderen Seite der Bodenseestraße wäre man mit dem Bohrturm zu nahe an Leitungen der Bahn gewesen.

Wenn das Ziel erreicht ist, wird der Bohrturm abgebaut und dann südlich des künftigen Freihamer Wohngebiets wieder errichtet. Ein zweites Bohrloch ist notwendig, weil dass später genutzte Erdwasser nach Gebrauch wieder in die Tiefe zurückgepresst werden muss. OB Andreas Haas und die Stadträte waren beeindruckt von der Hightech-Anlage, die erstaunlich leise und scheinbar alleine vor sich hin arbeitet – tagsüber sind dort maximal sieben, nachts drei Arbeiter im Einsatz.

Fragen wurden vor allem laut, wo denn ein derart großes Bohrfeld in der Stadt Germering Platz finden könnte. Angesprochen auf die Beinahe-Zusammenarbeit mit den SWM, meinte Germerings Stadtwerkechef Roland Schmid, dass man weiter in engem Kontakt mit den Kollegen aus der Landeshauptstadt sei. Eine künftige Kooperation sei jedenfalls nicht auszuschließen. OB Haas erinnerte daran, dass die Stadt ihre Bemühungen zur Erschließung geothermischer Wärme mit der Wirtschaftskrise eingestellt habe: Damals habe man keinen Investor mehr gefunden. Und ohne Geldgeber könne die Stadt ein derartiges Projekt nicht stemmen.

Da haben es die Münchner einfacher. „Wir finanzieren das völlig eigenständig“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Schwarz. Immerhin handelt es sich dabei um eine Investition, die an die zehn Millionen Euro heranreicht.

So sieht die Kooperation mit der TU München aus:

Um die Nutzung von Geothermie wieder zu forcieren, geht die Stadt eine Kooperation mit der TU München ein. Professorin Inga Moeck vom Lehrstuhl für Geothermie erklärte den Stadträten im Werkausschuss, dass es dabei vor allem um eine Neuauswertung bestehender Daten geht. Die Stadt hat bekanntlich 2008 eine seismologische Untersuchung durchgeführt, bei der Spezialfahrzeuge mit Rüttelplatten die Straßen entlang fuhren, um die Beschaffenheit des Untergrunds zu erkunden. Die dabei gewonnenen Daten sind zwar schon einmal ausgewertet worden.

Allerdings sei die Wissenschaft laut Moeck in der Zwischenzeit so weit fortgeschritten, dass eine Neuauswertung wertvolle Erkenntnisse gewinnen kann. Zwei ihrer Studenten haben schon mit der Arbeit begonnen. Am Ende der Auswertung wird ein dreidimensionaler Ausdruck der Tiefenschichten zur Verfügung stehen. Das Risiko einer teuren Bohrung, die zu keinem Ergebnis führt, kann so weitgehend ausgeschlossen werden.

Die Stadt kostet die Neuauswertung rund 50 000 Euro. Aus Sicht von OB Haas bietet das Projekt die Chance, dass es in Sachen Geothermie jetzt doch wieder vorwärtsgehe. Immerhin hätten sich auch wieder Investoren gemeldet.

Von Klaus Greif

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