Der persönliche Kontakt von Asylhelfer Peter Busch (rechts) zu den Flüchtlingen ist in Corona-Zeiten schwierig geworden. Gerade wenn es um Behördenbriefe geht, wäre der aber wichtig.
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Der persönliche Kontakt von Asylhelfer Peter Busch (rechts) zu den Flüchtlingen ist in Corona-Zeiten schwierig geworden. Gerade wenn es um Behördenbriefe geht, wäre der aber wichtig.

Germering

Corona erschwert die Arbeit der Asylhelfer

Unter Corona leidet auch die Arbeit der Asylhelferkreise. Die Ehrenamtlichen dürfen seit über einem Jahr beispielsweise die Gemeinschaftsunterkunft an der Germeringer Industriestraße nicht mehr betreten.

Germering – Obwohl sie Wege gefunden haben, die Bewohner weiterhin zu unterstützen, ist die Situation für alle eine große Belastung.

Peter Busch gehört zu dem halben Dutzend Aktiver, die sich intensiv für die Flüchtlinge einsetzen. Seit Beginn der Pandemie musste das meist auf digitalem Weg geschehen. Der 67-Jährige und seine Kollegen erhalten per Whatsapp Fotos von Behördenbriefen, die die Empfänger nicht verstehen, oder von Formularen, die sie nicht ohne Hilfe ausfüllen können. „Dann nehmen wir uns der Sache an“, sagt Busch.

Hinter der Plexiglasscheibe

Inzwischen gibt es auf dem Gelände der Unterkunft eine Hütte, in der die Helfer hinter einer Plexiglasscheibe mit Bewohnern sprechen können – immerhin. Aber die Hausaufgabenbetreuung, die früher angeboten wurde, liegt gezwungenermaßen brach. Dabei wäre gerade bei Distanzunterricht und Homeschooling Unterstützung wichtig. Busch beobachtet mit Sorge, wie die Kinder der Flüchtlinge zunehmend abgehängt werden – trotz Leih-Tablets von der Caritas und großer Bemühungen der jeweiligen Schulen.

Die Zeit der Quarantäne

Besonders schwierig war es für die 170 Bewohner kürzlich, als die gesamte Unterkunft aufgrund eines Corona-Ausbruchs unter Quarantäne gestellt wurde. Wochenlang durfte niemand das Gebäude verlassen oder betreten, auch wenn er negativ getestet worden war. Die Objektbetreuer und ehrenamtliche Helfer brachten Lebensmittel an den Zaun.

Schlimm war die Situation besonders für diejenigen Bewohner, die bereits einen Job haben. „Sie durften nicht zur Arbeit“, erzählt Busch, der sich unter anderem darum kümmerte, Arbeitgebern die Situation zu erklären und die entsprechenden Bescheinigungen weiterzuleiten. „Als die Leute zum ersten Mal wieder raus durften, habe ich seit langem mal wieder strahlende Gesichter gesehen.“

Riesen-Engagement

In der Zeit vor Corona gehörten zur Tätigkeit der Asylhelfer auch Dinge wie gemeinsames Kochen, Unternehmungen, Ausflüge, Spielplatzbesuche mit den Kindern. All das ist weggefallen. „Es geht an die Substanz – an die eigene und an die der Familie“, sagt Peter Busch.

Der Ingenieur im Ruhestand hat mal als Hausaufgabenbetreuer angefangen. Inzwischen ist er sieben Tage die Woche viele Stunden in Sachen Asylhilfe im Einsatz. „Man kann sich aufarbeiten, wenn man sich nicht schützt“, sagt der 67-Jährige. „Das betrifft alle Helfer, die ihre Arbeit ernst nehmen.“ Doch das Engagement herunterzufahren, ist schwierig – zu sehr fühlt er mit den Geflüchteten mit, zu sehr freut er sich, wenn er etwas Positives bewirken konnte. „Erfolgserlebnisse helfen beim Weitermachen.“

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