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Statt Jazz gab's in Germering Funk, Blues und Weihnachtslieder auf die Ohren.

Statt Jazz gibt’s Funk und Weihnachtslieder

Germering – Die Jazz-it-Reihe der Stadthalle ist überwiegend dafür bekannt, dass sie zu musikalischen Entdeckungen einlädt und einen guten Einblick in aktuelle Entwicklungen des europäischen Jazz gibt. Da wurden immer wieder mal eher konservative Freunde des Swing mit allzu modernem Sound verschreckt.

Beim jüngsten Konzert schlug das Pendel allerdings in die andere Richtung aus: Die Sängerin Titilaya Adedokun präsentierte den Besuchern im noch besser als bisher gefüllten Amadeussaal eine Show, die viel mehr mit einer Gala als mit einem Jazzkonzert gemein hatte – wenn man denn überhaupt von Jazz sprechen kann.

Blues und etwas Funk, oft selbst komponiert von der stimmgewaltigen Sängerin, dominierten. Immer wieder eingestreute (amerikanische) Weihnachtslieder gehörten ebenfalls zum Repertoire an diesem Abend. Aber das hat die in den USA aufgewachsene Tochter nigerianischer Eltern, die seit Jahren in München lebt, schon zu Beginn des Konzerts versprochen: Man soll sich bitte kein Jazzkonzert erwarten.

Nun ist das ja nichts Schlimmes. Und das Publikum war überwiegend begeistert von Titilaya Adedokun und ihrer Band um Carsten Goedicke (Piano), Vlado Grizelj (Gitarre), Benny Schäfer (Bass) und Werner Schmitt (Schlagzeug). Aber allem Nicht-Jazz zum Trotz muss man schon auch sagen: Das Ganze erinnerte zu sehr an weichgespülte Kaufhausmusik.

Musikalisch gab es wenig bis nichts zu entdecken. Gitarrist Grizelje lieferte routiniert gespielte Soli ab, die man so schon tausendmal gehört hat. Pianist Goedicke ist ein guter Begleiter, mehr nicht – zumindest zeigt er es nicht. Und bei Benny Schäfer hat man den Eindruck, dass er sich am Kontrabass gar nicht so richtig wohl fühlt und sich deswegen lieber zum E-Bass flüchtet. Aber auch den spielt er eher durchschnittlich denn auffällig.

Drummer Schmitt weiß da schon mehr zu überzeugen. Und Bandleaderin Adedokun selbst hat natürlich eine fantastische Stimme und setzt sie auch gekonnt ein. Leider auch immer sehr ausdauernd zwischen den Stücken: Die Erzählungen und Erläuterung vor jeder Nummer sind schon fast genauso lange wie die Stücke selbst. Das mag zum Konzept der Show, zum Entertainment gehören. Wer damit nichts anfangen kann, dem ergeht’s wie dem ebenfalls besungenen „Frosty the Snowman“: Er schmilzt dahin. Nicht vor Wärme, sondern vor Langeweile. (Klaus Greif)

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