Opfer häuslicher Gewalt finden im Frauenhaus Schutz.

Unter Bahnhofstraße Germering

Adresse des Frauenhauses darf jeder wissen

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Das Frauenhaus, das mit einem Hospiz an der Unteren Bahnhofstraße gebaut werden soll, ist ganz bewusst als nicht-anonyme Schutzeinrichtung geplant. Sprich: Es wird offen gesagt, wo es sich befindet. Das Konzept wurde jetzt im Sozialausschuss vorgestellt und diskutiert.

Germering – Das neue Frauenhaus des Landkreises soll mit einem stationären Hospiz in der Unteren Bahnhofstraße 22 gebaut werden. Dass diese Adresse schon seit Monaten bekannt ist und auch im Münchner Merkur veröffentlicht wurde, stand im Mittelpunkt einer intensiven Diskussion im Sozialausschuss. Dort stellten Vertreter des Hospizvereins und des Frauenhauses Fürstenfeldbruck, das künftig neu und größer in Germering steht, ihre Einrichtungen vor. Miriam Ludwig und Ulrike Jurschitzka vom Verein „Frauen helfen Frauen“, erklärten den Stadträten, dass das neue Haus ganz bewusst in die Öffentlichkeit geführt werden soll. Dies sei möglich, weil das neue Haus mit modernen Sicherungssystemen ausgestattet werden kann. Man habe dafür auch schon Gespräche mit der Polizei geführt, die bei der Erstellung eines entsprechenden Konzeptes mithilft.

„Die Zukunft geht in diese Richtung“, antwortete Ulrike Jurschitzka auf eine Frage von Herbert Sedlmeier. Er hatte sein Unverständnis über die Bekanntgabe der Adresse geäußert: „Ein alkoholisierter Mann wird sich nicht von Sicherheitssystemen abschrecken lassen. Was, wenn er an der nächsten Straßenecke auf die Frau wartet?“

Jurschitzka erklärte zusätzlich, dass auch der Standort des bestehenden Frauenhaus trotz der Geheimhaltung der Adresse relativ einfach ermittelt werden kann. „Jeder Taxifahrer wird Sie hinfahren. Auch an Tankstellen werden Sie die Adresse erfahren.“

Die Offenlegung der Adresse soll einhergehen mit einer Einbindung der künftigen Nachbarn: „Wir werden im Vorfeld schon das Gespräch mit ihnen suchen und das Konzept erklären,“ sagte Jurschitzka weiter. Hier habe man aus den Erfahrungen des jetzigen Hauses gelernt. Es handelt sich um ein ganz normales Einfamilienhaus in einer kleinen Wohnsiedlung. Hier hätten mehrere Nachbarn lange Zeit geglaubt, dass es sich um ein Gefängnis handel, erzählte Ulrike Jurschitzka weiter. Die Folge sei gewesen: „Immer, wenn irgend etwas in der Gegend geschehen ist, wurde es mit uns in Verbindung gebracht.“

Im jetzigen Frauenhaus gibt es sechs Zimmer, in denen Frauen Schutz finden, wenn sie Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind. Weil sie dabei oft auch ihre Kinder vor den Vätern in Sicherheit bringen wollen, ist die Raumsituation sehr beengt. „Wir sind voll ausgelastet und haben einen hohen Bedarf an mehr Platz,“ berichtete Jurschitzka. Im geplanten Neubau könnte die Zahl der Zimmer auf zehn erhöht werden. In Aussicht steht zudem, das eins der Zimmer für Mütter mit mehreren Kindern geplant werde. Ein barrierefreier Zugang soll hier ebenfalls hilfreich sein.

Ein Frauenhaus ist laut Miriam Ludwig vorrangig eine Einrichtung, bei der der Schutzgedanke im Vordergrund steht. Die Zielgruppe seien Frauen, die von Gewalt betroffen sind und zwar nicht nur von körperlicher, wie Ludwig erklärte, sondern ebenso von „ökonomischer, psychischer oder sexueller Gewalt“.

Es gibt allerdings auch Ausschlusskriterien für die Aufnahme. Das Frauenhaus soll beispielsweise kein Zufluchtsort für Frauen sein, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Auch drogen- oder alkoholsüchtige Frauen werden nicht aufgenommen. Mütter mit Söhnen, die älter als zwölf sind, haben auch keine Chance auf Aufnahme – unter anderem, weil das Frauenhaus nur über über Gemeinschaftsbäder verfüge. Außerdem sei das Jugendlichen ab einem bestimmten Alter nicht mehr zuzumuten.

Stationäres Hospiz mit zehn Plätzen

Der Bau eines stationären Hospizes und Frauenhauses ist möglich geworden, weil das Grundstück von der Max- und Gabriele Strobl-Stiftung der Germeringer Sozialstiftung zweckbestimmt dafür überlassen wurde. Der Stadtrat hat kürzlich den Bebaungsplan für das Areal so geändert, dass vierstöckiges Gebäude errichtet werden können. 

Das stationäre Hospiz verfügt dann über zehn Plätze, die von den Pflege- und Krankenkassen anerkannt worden sind. Joachim Ladwig, Zweiter Vorsitzender des Hospizvereins, stellte im Sozialausschuss die aktuelle Arbeit der Einrichtung vor. Der 250 Mitglieder starke Verein verfüge derzeit über 17 ehrenamtliche Hospizhelfer, die sich um todkranke Patienten kümmern. Beratung und Unterstützung gehörten ebenso zu den Aufgaben wie Hilfe im Alltag. Die Arbeit endet nicht mit dem Tod des betreuten Menschen: Trauerbegleitung für Angehörige wird auch geleistet.

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