Allerheiligen

Wenn Urnen zum Problem werden

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Wenn an Allerheiligen Hinterbliebene den Verstorbenen ihre Ehre erweisen, werden sich viele auch wieder vor Urnenwänden versammeln. Doch was passiert mit den Urnen, wenn die Ruhezeit abgelaufen ist?

Landkreis – Die Nachfrage nach Nischenplätzen ist groß. Das weiß auch Jesenwangs Bürgermeister Erwin Fraunhofer. Im Gemeinderat wurde deshalb der Bau einer neuen Urnenwand diskutiert. Doch diese Form der Bestattung könnte die Kommunen langfristig vor Probleme stellen. „Wenn die Ruhezeit abgelaufen ist, dann muss die Gemeinde dafür Sorge tragen, dass die Urne bestattet wird“, sagt Fraunhofer. Das Behältnis samt Inhalt wird dann in einem anonymen Sammelgrab beigesetzt.

Anders als bei Särgen müssen die Aschebehälter in den Wänden jedoch aus einem Material sein, das nicht verrottet – meist Stahl, Kupfer oder auch Marmor. „Ansonsten würde sich die Urne ja in der Nische zersetzen“, sagt Fraunhofer. Das bedeute aber, dass die Behälter im Sammelgrab nicht verrotten. „Im Laufe der Jahre werden sich da eine ganze Menge Urnen ansammeln“, erklärt der Jesenwanger Rathauschef.

Fraunhofer hält eine hohe Anzahl von Nischenplätzen daher langfristig für problematisch. In der Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf, der Jesenwang angehört, haben auch noch Mammendorf selbst und Mittelstetten Urnenwände. „Die Ruhefrist beträgt in der Regel 15 Jahre“, sagt Roswitha Leitmeier von der Friedhofsverwaltung. In den meisten Gemeinden stehen die Urnenwände noch nicht solange. „Die Ruhefrist ist noch nicht abgelaufen.“

Auch in Olching denkt man über die Zukunft der Urnen nach. Derzeit ist noch Platz in den Sammelgräbern. Rathaussprecherin Julia Henderichs hält es aber für möglich, dass in einigen Jahren in die Friedhofssatzung ein Passus aufgenommen wird, der vorschreibt, die Asche vor der Beisetzung in eine verrottbare Urne umzufüllen. „Noch ist das aber Zukunftsmusik“, sagt Henderichs – auch weil nicht jede Urne in der Obhut der Stadt verbleibt. „Einige kommen auch auf andere Friedhöfe, weil die Verwandten umziehen und sie umsetzen lassen, andere werden in bestehende Grabstätten der Angehörigen beigesetzt.“

In Germering entscheiden sich ebenfalls viele Angehörige für die Einäscherung ihrer Verstorbenen. 2015 handelte es sich laut Roswitha Stoll von der Friedhofsverwaltung bei 68 Prozent der Bestattungen auf dem Friedhof St. Martin um Feuerbestattungen. Auf dem Waldfriedhof waren es 52 Prozent. „Und 2016 dürfte die Verteilung ähnlich gewesen sein“, sagt Stoll.

1192 Nischenplätze für Urnen gibt es in Germering. Auf beiden Friedhöfen existieren anonyme Grabstätten für die Beisetzung nach der Ruhezeit, die in Germering für Erwachsene zehn und für Kinder sieben Jahre beträgt. Weitere Urnenwände sollen 2018 errichtet werden. Einen Plan, für den Fall, dass sich einmal zu viele Urnen ansammeln, hat der Stadtrat laut Friedhofsreferent Franz Senninger noch nicht.

In Fürstenfeldbruck hat Detlev Kollmannsberger, Leiter der Friedhofsverwaltung, derartige Befürchtungen ohnehin nicht. Zwar sind auch dort Einäscherungen sehr gefragt. „Die Art der Bestattung wandelt sich aber“, sagt er. Zwischen 400 und 450 Nischenplätze gebe es in Bruck – was momentan ausreiche. Denn statt Urnenwänden würden immer öfter Wald- oder Baumbestattungen vorgenommen. Die Aschebehälter werden dann in einem Urnengrab beigesetzt. Und für diese Fälle gibt es bereits Behälter aus verrottbarem Material. Außerdem erklärt Kollmannsberger, dass die Metall-urnen aus den Nischen unter der Erde nicht ewig halten – wenn auch die Zersetzung ungleich länger dauere.

Rubriklistenbild: © dpa

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