Foto einer Wildkamera

Noch ist die Stadt machtlos

Am Waldfriedhof in Germering: Dieser freche Dachs lebt zwischen Gräbern

Ein Dachs treibt auf dem Waldfriedhof sein Unwesen. Schon dutzende Male hat das umtriebige Tier Löcher an Gräbern gegraben. Die Stadt ist momentan noch machtlos. Laut Jagdgesetz darf der Erdmarder erst ab August gefangen werden. Ob er in die Falle geht, ist allerdings fraglich.

Germering – Der Friedhofs-Dachs weiß genau, was er will. Seine Löcher gräbt er nur an jenen Ruhestätten, die von einer Grabplatte bedeckt sind. Dort finden sich häufig Hohlräume, die das Tier offenbar als Wohnraum nutzen möchte. Grabbesitzer und Friedhofsverwaltung sind von der Wohnungssuche des Dachses alles andere als begeistert.

Der Dachs untergräbt nur Gräber mit Deckplatten.

Die Eigentümer fordern von der Stadt, etwas gegen den Störenfried zu unternehmen. Doch Thomas Wieser, der bei der Stadt für Umweltangelegenheiten zuständig ist, sind die Hände gebunden. Momentan hat der Dachs bis Anfang August Schonzeit. Schließlich ist jetzt die Zeit, in der die Tiere ihren Nachwuchs aufziehen. Würde man ein Muttertier fangen, würden die Dachs-Babys verhungern.

Den Waldfriedhof hat sich das Tier offenbar schon im vergangenen Jahr als Revier auserkoren. Im Frühling waren die ersten Löcher da. Über den Verursacher herrschte längere Zeit Unklarheit. Um Licht ins Dunkel zu bringen, besorgte sich Wieser eine Wildkamera und befestigte sie an einem Baum. Das Gerät löst aus, sobald sich etwas vor der Linse regt. Lange musste Wieser nicht warten. Schon bald ging der Dachs in die Fotofalle. Zu wissen, wer am Friedhof sein Unwesen treibt, war äußerst wichtig. Denn für den Dachs braucht es eine spezielle Falle.

Dass es sich tatsächlich um das Raubtier mit dem charakteristischen schwarz-weiß gestreiften Kopf handelt, war eine echte Überraschung – auch für Hans Betz, Jagdrecht-Sachbearbeiter im Landratsamt. „Das gab es im Landkreis noch nie“, sagt Betz. Denn normalerweise meiden die äußerst scheuen und nachtaktiven Tiere menschliche Siedlungen. Doch der Friedhof scheint dem Dachs zu gefallen. „Vielleicht gibt es hier genug zu fressen“, mutmaßt Thomas Wieser. Möglicherweise will er im Germeringer Süden auch einen neuen Bau anlegen.

Doch heimisch werden lassen will ihn die Stadt nicht. Das Tier soll zum Ende der Schonzeit eingefangen und anschließend umgesiedelt werden. Diese Aufgabe muss ein Jäger erledigen – nur er hat die gesetzliche Erlaubnis dafür. Wieser verspricht aber, dass das Tier wieder in der Wildnis und nicht im Kochtopf landet.

Wieser will bei der Jagdbehörde bereits für Mitte Juli eine vorzeitige Genehmigung zum Einfangen beantragen. Dass der Dachs dann auch wirklich in die Falle geht, ist aber alles andere als gesichert. Eine andere Möglichkeit gibt es allerdings nicht. Und bis das Tier hinter Schloss und Riegel sitzt, bleibt den Mitarbeitern am Friedhof nichts anderes übrig, als die Löcher immer wieder zuzuschütten. (Tobias Gehre)

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