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Justiz

Angeklagter zum 43. Mal vor Gericht

Da war selbst der erfahrene Strafrichter Johann Steigmayer erstaunt. Vor ihm auf der Anklagebank saß ein Mann, dessen Vorstrafenregister 42 Eintragungen enthielt. Dieses Mal wurde er der Bedrohung bezichtigt.

Germering – „Das habe ich noch nie gehabt“, lautete der Kommentar des Richters angesichts der langen Latte an Vorstrafen des 50-jährigen Hausmeisters aus Ismaning. Auf der Anklagebank des Brucker Amtsgerichts saß er jetzt, weil er einen 38-jährigen Germeringer in der S-Bahn beleidigt und bedroht hatte.

Die beiden Männer waren am frühen Abend des 21. September vergangenen Jahres in der S 8 Richtung Germering unterwegs. Der Germeringer genoss gerade mit Kopfhörern im Ohr ein Video auf seinem Handy, als der nahe ihm sitzende Angeklagte einen Anruf erhielt. Da war es aus mit dem Genuss des Videos. Der 50-Jährige telefonierte nämlich so laut, „als wäre er der einzige Fahrgast in der Bahn“, erinnerte sich der Germeringer am Amtsgericht.

Auf seine Bitte hin, etwas leiser zu telefonieren, sei der Ismaninger vollkommen ausgerastet, so der 38-Jährige. Der Angeklagte reagierte zunächst mit einem „Leck mich am ....“ und setzte noch einen drauf: Der Germeringer solle die S-Bahn verlassen, „damit ich dir den Bauch aufschlitzen kann“.

Diese Drohung erschreckte den 38-Jährigen so sehr, dass er zur Vorwärtsverteidigung überging. Er versetzte dem Ismaninger mit dem Handrücken einen Schlag ins Gesicht. Das hatte ihm selbst einen Strafbefehl wegen Körperverletzung eingebracht. Heute bereut der Germeringer den Schlag zutiefst. In der Verhandlung entschuldigte er sich deswegen beim Angeklagten.

Doch der 50-Jährige war nicht bereit, die Entschuldigung anzunehmen. Noch immer sichtlich erzürnt über den Germeringer, saß er mit hochrotem Kopf auf der Anklagebank. Der 50-Jährige war sich keiner Schuld bewusst. Dass er dem 38-Jährigen gedroht hatte, wollte er zwar nicht ausschließen. Allerdings sei dies nicht vor, sondern nach dessen Schlag geschehen. Der Angriff des Germeringers sei aus heiterem Himmel erfolgt.

Daran hatte der Richter allerdings erhebliche Zweifel. Er empfand die Schilderung des Germeringers glaubhafter. Auch der Verlauf der Verhandlung hatte allen Anwesenden vor Augen geführt, wie impulsiv der Angeklagte sich verhalten kann. Immer wieder fiel er Richter, Staatsanwalt und seiner Rechtsanwältin ins Wort. Das ging so weit, dass selbst seine Verteidigerin die Geduld verlor und ihren Mandanten mahnte: „Jetzt seien Sie einfach mal still.“

Verurteilt wurde der Ismaninger für die Bedrohung aber nicht. Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt – allerdings nur wegen einer dreimonatigen Gefängnisstrafe, zu der der Serien-Straftäter wegen mehrmaligem Schwarzfahrens verurteilt worden war. Dagegen hat der 50-Jährige Berufung eingelegt. Sollte er dann freigesprochen werden, würde er das Verfahren wegen Bedrohung wieder aufnehmen, machte der Richter dem Mann klar.  sus

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