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Archäologisch war 2021 ein Erfolgsjahr

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Von: Klaus Greif

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Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl berichtet im stadtarchäologischen Jahreskalender über die Grabungen des vergangenen Jahres. Das Foto zeigt ihn mit Funden auf der Fläche des künftigen Briefzentrums. 	archivfoto: Kürzl
Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl berichtet im stadtarchäologischen Jahreskalender über die Grabungen des vergangenen Jahres. Das Foto zeigt ihn mit Funden auf der Fläche des künftigen Briefzentrums. © Hans Kürzl

Der Förderverein Stadtmuseum hat gemeinsam mit dem Stadtarchiv wieder einen Kalender aufgelegt.

Germering – Unter dem Titel „Stadtarchäologie in Germering 2022“ zeigen zwölf Monatsblätter archäologische Funde aus aktuellen Grabungen im Stadtgebiet, von der Steinzeit bis in die Neuzeit. Gestaltet wurde er von Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl, der auch eine Erläuterung zu den einzelnen Kalenderbildern verfasste.

Stadtarchivar Guckenbiehl erklärt in den Erläuterungen, dass die Stadtarchäologie im vergangenen Jahr 2021 insgesamt 15 archäologische Maßnahmen durchgeführt beziehungsweise begleitet hat. Hierzu zählten neben den Arbeiten auf dem Gelände des neuen Briefverteilzentrums zahlreiche kleinere Bauvorhaben sowie Baubegleitungen von Ver- und Entsorgungsleitungen. Auch eine geophysikalische Prospektion mittels Magnetometer wurde vom Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt.

Der älteste Befund des Jahres konnte auf einer Baustelle an der Brückenstraße gemacht werden. Dort fand sich ein Grab der Jungsteinzeit. Es stammt aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. und gehört zur „schnurkeramischen Kultur“. In einer West-Ost-orientierten Grabgrube wurde damals ein jugendliches, männliches Individuum bestattet.

Am neuen Post-Gelände

Die mit Abstand umfangreichste Grabung begann im Februar auf dem Baugelände des neuen Briefzentrums der Post. Die archäologischen Arbeiten dort dauern noch an, aber der Bereich für die dort geplante Tiefgarage ist bereits soweit abgeschlossen, dass pünktlich im November der Spatenstich erfolgen und die Bauarbeiten beginnen konnten. Insgesamt werden auf der gesamten Fläche laut Guckenbiehl etwa 13 000 bis 15 000 archäologische Befunde zu bearbeiten sein. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Siedlungsbefunde.

Der Großteil gehört zu einer frühmittelalterlichen Siedlung. Diese dehnte sich im 7. Jahrhundert n. Chr. von der bestehenden DHL-Zustellbasis im Gewerbegebiet „Germeringer Norden“ in Richtung Westen über die Dorfstraße entlang bis zur Abzweigung der Hoflacher Straße aus. Von dieser frühmittelalterlichen Siedlung konnten, über die noch belegbaren Gruben der ehemaligen Hauspfosten, Wohn- und Wirtschaftsgebäude nachgewiesen werden.

Auch kleine Arbeitshütten, so genannte Grubenhäuser, waren darunter. Das Kalenderbild im April zeigt die Reste solcher Grubenhäuser von oben. Die zur Wasserversorgung notwendigen Brunnen dieser Siedlungsphase, in denen sich immer wieder interessantes Fundmaterial fand, konnten ebenfalls zahlreich nachgewiesen werden.

Eine weitere, sehr stark vertretene Siedlungsphase auf dem Briefverteilzentrumsareal konnte der mittleren Bronzezeit, um die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. zugewiesen werden. Zahlreiche Gebäudegrundrisse, Siedlungsgruben und Brunnen wurden dokumentiert. Das Fundmaterial reicht hier von Keramikscherben, Tierknochen und Bronzenadeln bis hin zu einer kleinen Bernstein-Perle. Auch Fundmaterial aus römischer Zeit findet sich hier.

Auch vor der Erweiterung des Feuerwehrhauses an der Augsburger Straße war eine bauvorgreifende archäologische Untersuchung notwendig. Hier setzten sich die in den vergangenen Jahren nördlich und östlich aufgefundenen Siedlungsstrukturen fort. Aus einer Grube der der Latènezeit (450 bis 15 v. Chr.) stammt das Gefäßunterteil des Märzblattes. Weitere Grabungen fanden unter anderem in der Hirtenstraße und der Oberen Bahnhofstraße statt.

Bezugsquelle

Der Jahreskalender zur Stadtarchäologie kostet zehn Euro. Bei Interesse soll man sich per Mail an vonmeyer@museumsverein-germering.de wenden.

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