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Festnahme in Bruck

Asylbewerber in Abschiebehaft

Immer wieder wird beklagt, dass Abschiebungen wegen laxer Regeln nicht vollzogen werden. Jetzt wurde ein abgewiesener Flüchtling in Bruck ganz im Gegenteil zur sonstigen Praxis sogar in Abschiebe-Haft genommen – was wiederum Asylhelfer kritisieren. 

Fürstenfeldbruck – Erst unlängst hatten Polizisten berichtet, dass selbst Abschiebungen in andere europäische Länder in vielen Fällen ergebnislos abgebrochen werden müssen. In der Regel nämlich werden Abzuschiebende nicht in Haft genommen, sondern nur zur Ausreise aufgefordert und zum Flughafen gebracht, wo die Ausreisebemühungen oftmals wegen gesundheitlicher Probleme des Betroffenen enden.

Diesmal aber hatte die hier zuständige Regierung von Oberbayern einen Haftantrag gegen einen 26-jährigen Afghanen gestellt, um ihn zunächst in die Abschiebe-Anstalt in Eichstätt und von dort zurück nach Afghanistan zu bringen. Der Asylantrag des Mannes, der zuletzt in der Unterkunft am Starnberger Weg in Germering gelebt hatte, sei bestandskräftig abgelehnt worden, erklärte ein Sprecher des Brucker Landratsamts, das in diesem Fall zwar nicht zuständig war, aber Amtshilfe leistete und auch entsprechend Auskunft gab.

 Der Flüchtling wurde bei einem Termin in der Kreisbehörde von der Polizei festgenommen. Er war wegen einer behördlichen Angelegenheit ins Sozialamt gebeten worden. Es habe der begründete Verdacht bestanden, dass der Mann untertauchen könnte, begründete der Sprecher des Landratsamts die Maßnahme. Schon einmal habe der Mann abgeschoben werden sollen, was dann aber am Flughafen gescheitert sei. Der Afghane sei auch über seine Ausreisepflicht rechtzeitig informiert worden, so der Sprecher. 

Dass der 26-Jährige Deutschland irgendwann verlassen werden müsse, war Beatrix von Bothmer von der Germeringer Asyl-Sozialberatung der Caritas klar. Dass es auf diese Weise passiert, damit hätte sie allerdings nicht gerechnet. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt von Bothmer. Der Flüchtling habe nicht einmal die Möglichkeit gehabt, seine Sachen zu packen. „Er sitzt jetzt in Sommerkleidung in Haft.“ Die Helferin macht sich große Sorgen um den 26-Jährigen. „Was soll ich in Afghanistan“, habe er immer wieder gesagt. Seine Familie habe das Land bereits verlassen, nachdem er sich durch seine Flucht dem Militärdienst entzogen habe. Sie hätten Repressalien befürchtet. 

Von Bothmer beschreibt den Betroffenen als netten, aufgeschlossenen Mann, der nach neun Jahren in der Unterkunft am Starnberger Weg bereits gut deutsch gesprochen habe. „Er war bei allen beliebt.“ Das bestätigt auch Agathe Wittmann vom Germeringer Arbeitskreis Asyl. Sie kritisiert ebenfalls die Umstände, unter denen er verhaftet worden ist. „Es hätte bestimmt einen anderen Weg gegeben.“ Wittmann befürchtet, dass die Zahl der Abschiebungen zunimmt, je näher es auf die Landtagswahl zugeht. 

Der Sprecher des Landratsamts indes verteidigt das Vorgehen. Es gelte schließlich, das Asylrecht auch zu vollziehen. Der Flüchtling wurde übrigens nicht direkt aus dem Landratsamt nach Eichstätt gebracht, sondern erst ins Brucker Amtsgericht zur Überprüfung und Bestätigung der Rechtmäßigkeit des Haftantrags der Regierung. Hier wurde auch ein Dolmetscher hinzugezogen. Das Procedere, so hieß es, habe Stunden in Anspruch genommen. (tog/st)

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