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Später Ehrgeiz nach wechselhaftem Schicksal: Markus Zuefle machte mit 34 Jahren das Abitur.
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Später Ehrgeiz nach wechselhaftem Schicksal: Markus Zuefle machte mit 34 Jahren das Abitur.

„Da muss man sich schon die Augen reiben“

Nach langem Kampf mit schwerer Krankheit: 1,0-Abitur mit 34 - Die unglaubliche Geschichte von Markus Zuefle

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Markus Zuefle hat sein Abitur bestanden. Notendurchschnitt: 1,0. Mit 34 Jahren bekämpfte er erfolgreich Prüfungs- und Versagensängste - und zeigt nun anderen, wie das geht.

  • Markus Zuefle hat das Abitur bestanden - mit 34 Jahren.
  • Der ehemals schlechte Schüler und Schmerzpatient schaffte einen 1,0-Durchschnitt.
  • Nun will er andere motivieren, es ihm gleich zu tun - und ihre Ängste zu besiegen.

Germering – Mit Ach und Krach schaffte Markus Zuefle seinen Realschulabschluss, mit Mühe und Not fand er eine Lehrstelle. Nach Jahren im Berufsleben und großen gesundheitlichen Problemen packte ihn dann aber der Ehrgeiz. Jetzt hat er mit 34 sein Abi gemacht – mit der Traumnote 1,0.

„Ich war ein fauler Schüler“, sagt Markus Zuefle über sein jugendliches Ich. Die Verantwortung für seine miesen Noten in der Realschule will er nicht auf andere abschieben. „Das lag definitiv an mir selber.“ Heilfroh war er, als Pauken und Proben hinter ihm lagen. Er machte eine Ausbildung zum Bürokaufmann und arbeitete eine Zeitlang als Sachbearbeiter bei BMW.

Chronische Schmerzen und Ängste: Markus Zuefle erlebte schweren Tiefschlag

Vor zehn Jahren dann der Tiefschlag: Zuefle bekam eine chronische Schmerzerkrankung, gepaart mit ständiger Erschöpfung und einer Angststörung. Er musste sich nach geringsten Anstrengungen hinlegen, konnte kaum fünf Minuten am Computer arbeiten. In der schlimmsten Zeit kam er vor Schmerzen und Müdigkeit fast nicht aus dem Bett. „Irgendwann habe ich gesagt: Diesen Zustand akzeptiere ich nicht mehr“, erzählt der Germeringer.

Abitur mit 34 Jahren: Markus Zuefle entwickelte großen Ehrgeiz

Er begann sein Leben umzukrempeln und schaffte es, mit Hilfe eines guten Therapeuten, mit Mentalismus, Ayurveda und gesunder Ernährung die Probleme in den Griff zu bekommen. „2018 war ich soweit, dass ich mir ein normaleres Leben wieder zugetraut habe“, erinnert sich der Songtexter und Hörbuchsprecher. Er wollte raus aus der krankheitsbedingten Isolation, wollte wieder eine Tagesstruktur – und er wollte das Abitur machen. Sein Weg führte ihn an die Berufsoberschule (BOS) in München-Sendling, nach einem Jahr zum Fachabitur und einem weiteren zur Allgemeinen Hochschulreife.

Auf beiden Zeugnissen prangte die Note 1,0. „Da muss man sich schon die Augen reiben“, sagt Markus Zuefle. Darüber, wie er das geschafft hat, hat er ein Buch geschrieben: „Nie zu spät fürs 1er Abi – Wie auch Du das Abitur noch rockst“.

Markus Zuefle gibt Tipps zu erfolgreichem Abitur: „Destruktive Muster muss man aufspüren“

Der Untertitel verrät bereits den locker-witzigen Schreibstil, in dem der Autor seine Geschichte erzählt und verrät, wie er vom faulen Chaoten zum Spitzenschüler wurde. „Das Wichtigste ist, mit sich selber zu arbeiten und unbewusste Programme zu löschen.“ Er selbst hatte zum Beispiel einen Glaubenssatz seines Vaters verinnerlicht: Wer gut in Sprachen ist, kann nicht gut in Naturwissenschaften sein. Seine schlechten Noten in Mathe erklärten sich also durch bessere Leistungen in Englisch. Aber stimmte das überhaupt? Natürlich nicht. „Solche destruktiven Muster muss man aufspüren“, sagt er.

Ein Kapitel in seinem Buch beschäftigt sich mit der Frage, „wie man die Prüfungsflattermaus dressiert“. Die schlimmste Form der Prüfungsangst kennt Zuefle aus Erfahrung. Bei seinem Realschulabschluss in Rechnungswesen befiel ihn – trotz Vorbereitung – ein kompletter Blackout. „Das passiert bei zu viel Stress“, weiß Markus Zuefle heute. Wichtig sei es, mit einer gewissen Lockerheit in Prüfungen zu gehen.

Prüfungsangst und Extremsituationen: Markus Zuefle lehrt damit umzugehen

Das ist ihm sogar in Extremsituationen gelungen. Als er – schon in seiner BOS-Zeit – während einer Deutsch-Klausur auf der Schultoilette festsaß, tauchte erst nach längerem jemand auf, der ihm eine Münze lieh, mit der er das defekte Schloss öffnen konnte. Zum Schreiben des Aufsatzes blieb de facto nur eine halbe Stunde.

„Mein Lehrer hat sich beim Korrigieren über die Kürze des Textes gewundert“, sagt Zuefle und lacht. Für eine Eins minus hat es trotzdem gereicht. Wie man es schaffen kann, nicht nur das Abitur, sondern jede Herausforderung zu meistern – das möchte der 34-Jährige nun an andere weitergeben. Am liebsten würde er als Coach arbeiten und nebenbei Psychologie studieren. Das Buch kann man im Internet als Taschen- oder E-Book bestellen.

Das Gefühl von Lampenfieber vor der Prüfung kennt wohl jeder Student. Aber nur bei einigen führt die Prüfungsangst zur Totalblockade. Doch gegen Nervosität gibt es Hilfsmittel.

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