Bürgermeister als Stadtführer

Das bedeutet ihnen der neue Wohnort

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Rund 3000 Menschen ziehen jedes Jahr nach Germering. Fast genau so viele verlassen die Stadt aber auch Jahr für Jahr. In der Stadt bleiben etwa 400 Personen. Sie wurden auch heuer wieder von der Stadt eingeladen, ihren neuen Wohnort näher kennenzulernen.

Germering– OB Andreas Haas begrüßte am Mittwochabend rund 70 neue Germeringer im Foyer der Stadthalle mit einigen Fakten zur neuen Heimat. „Sie sind quasi der Saldo,“ sagte er angesichts der An- und Abmeldungen, die das Einwohnermeldeamt jedes Jahr registriert. „Man will ja wissen, wo man lebt,“ erklärte Haas die Idee der Neubürger-Touren durch die Stadt, die er nach seinem Amtsantritt vor zehn Jahren eingeführt hatte.

In zwei Bussen fuhren die neuen Germeringer das Mehrgenerationenhaus Zenja, das Freibad, und den Germeringer See an. Kompetente Stadtführer in den Bussen waren OB Haas und Dritter Bürgermeister Helmut Ankenbrand. Vor Ort erfuhren sie von den Vertretern der einzelnen Einrichtungen alles Wissenswerte. Am Ende der Tour wurden sie dann im Orlandosaal der Stadthalle von über 60 Vereinen, Institutionen und Parteien empfangen, die an Ständen für sich warben.

Zwei Brucker neuin Germering

Die rund 400 neuen Bürger, um die die Stadt jährlich wächst, sind nicht alle freiwillig nach Germering gekommen. Das wurde in Gesprächen bei der Tour immer wieder deutlich. Ein gutes Beispiel ist das pensionierte Lehrer-Ehepaar Evelyn und Otto Meißner. Sie mussten nach über 50 Jahren Fürstenfeldbruck verlassen, weil ihnen die Wohnung gekündigt worden war. Otto Meißner war in der Amperstadt als früherer Hauptschullehrer und dann jahrelanger Vorsitzender des Historischen Vereins stadtbekannt. Seit Beginn des Jahres lebt er mit seiner Frau in Germering. Nach und nach lernen sie ihre neue Heimat kennen und schätzen. Erstes Fazit: „Die Menschen sind hier herzlicher als in Bruck, “ so Meißner. Sogar die Autofahrer nähmen mehr Rücksicht. Die Neubürger-Rundfahrt sei eine großartige Idee, erklärte Meißner weiter. Er erzählte aber auch, mit seiner Frau selbst schon Erkundungstouren durch die Stadt gestartet zu haben. Dieser Tage habe man die über das Stadtgebiet verteilten Museumseinheiten besucht. Besonders angetan hat es dem passionierten Historiker der römische Brennofen auf dem Weg zum See: „Das ist großartig.“

Die älteste Teilnehmerin der Rundfahrt, die 92-jährige Elfriede Becker, lebt seit März im Curanum. Ihre Tochter, die vor 26 Jahren von Kassel nach Seefeld gezogen ist, hat die Seniorenresidenz ausgesucht, um die Mutter im Alter in der Nähe zu wissen.

Älteste Neubürgerin kommt aus Kassel

Das neue Zuhause gefällt der geistig und körperlich noch sehr rüstigen alten Dame ausnehmend gut. Allerdings erinnert sie sich im Gespräch auch wehmütig an die Vergangenheit im Kassel der 1950/60er-Jahre: „Ich war Sekretärin von OB Lauritz Lauritzen. Das war eine sehr schöne Zeit.“ Bürgermeister Ankenbrand nahm’s staunend zur Kenntnis und war ganz schnell mit Elfriede Becker in ein Gespräch vertieft – auch weil deren Enkelin das Max-Born-Gymnasium (MBG) besucht, an dem Ankenbrand bis zu seiner Pensionierung als Lehrer tätig war. Der MBG-Bezug spielte in weiteren Kennenlern-Gesprächen auch noch eine Rolle – im Bus befanden sich zwei junge Lehrerinnen, die zu Beginn des Schuljahres ans MBG versetzt worden sind.

Nach der Heirat aus München verzogen

Freiwillig-unfreiwillig ist auch der Münchner Peter Krause in Germering gelandet. Der 58-Jährige hat im vergangen Jahr noch einmal geheiratet und mit seiner Frau eine neue Bleibe gesucht. Dass sie in München nicht fündig wurden und jetzt in Neugermering leben, empfindet er mittlerweile als sehr gute Fügung. Nicht nur wegen der Neubürgertour – „Das ist genial“ – fühlt er sich mit seiner Frau in Germering bestens aufgenommen. Der Hundebesitzer hat es sich zur Aufgabe gemacht, bei seinen Gassi-Gängen meist in der Moosschwaige herumliegenden Müll aufzusammeln. Das betreffe zwar meist Münchner Flur, erzählte er. Dennoch sei er mittlerweile schon mit Thomas Wieser in Kontakt getreten und habe ihm ein selbst entwickeltes System für Hundekot-Entsorgung erklärt. Einziger Wermutstropfen für Krause in der neuen Heimat: Am Germeringer See herrscht Hundeverbot. Das hat Thomas Wieser ihm und allen Neubürgern bei der dritten Tour-Station am See deutlich gemacht.

Tiroler Student mit Freundin vereint

Freiwillig kam der aus Tirol stammende Markus Thaler nach Germering. Er ist schon vor fünf Jahren hergezogen, weil er in München ein Studium begann. Jetzt ist ihm seine Freundin Mirjam Rahn gefolgt. Während sich Markus Tahler schon bestens eingelebt hat, auch weil er als Hobby-Musiker bei der Stadtkapelle Freunde gefunden hat, fühlt sich seine Lebensgefährtin noch ein wenig fremd. Aber auch sie hat am neuen Wohnort Ähnliches erfahren, wie die Ex-Fürstenfeldbrucker Otto und Evelyn Meißner: „Die Menschen sind so herzlich hier.“ Außerdem sei ihr die München-Nähe wichtig.

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