Türkisch-islamischer Kulturverein

Beim Fastenbrechen Freunde gewinnen

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Die 30 Tage dauernde Fastenzeit Ramadan ist für Muslime so heilig wie für Christen Weihnachten oder Ostern. Sie ist eine der fünf Säulen des Islam. Zum Fastenbrechen nach Sonnenuntergang hat der Türkisch-Islamische Kulturverein jetzt traditionell auch Nicht-Moslems in die Moschee eingeladen.

GermeringDie Szenerie war etwas ungewohnt, aber nach einigen Minuten hatte auch der letzte nicht-muslimische Besucher im Gebetsraum der Moschee an der Münchner Straße die passende Haltung gefunden. Gürkan Erkilic, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, hatte darum gebeten, sich auf den Teppich zu setzen, um einem Gebet mit Imam Hikmet Kalyoncu beizuwohnen. OB Andreas Haas und Ehefrau Petra machten es sich ebenso bequem wie mehrere CSU-Stadträte und Bewohner der benachbarten Wohnblöcke. Nach dem Vorsingen, so muss man es wohl nennen, dreier Verse einer Koran-Sure über das Fasten erklärte Erkilic den Besuchern, worum es beim Ramadan geht.

Das 30-tägige Fasten sei keine Qual, sondern ein Gottesdienst aus freien Stücken. Es sei wichtig, weil zum Glauben unbedingt die Tat gehöre: „Wir fasten nicht für Allah, sondern für uns.“ Der Ramadan habe dabei auch einen starken sozialen Aspekt: „Man kann sich besser vorstellen, wie es denen geht, die hungern oder leiden.“ Auch deswegen werden zum täglichen Fastenbrechen nach Sonnenuntergang auch Nicht-Mitglieder der Gemeinde zum gemeinsamen Essen und Trinken eingeladen. Für die zumeist muslimischen Bewohner der Flüchtlingsunterkunft an der Industriestraße wird ein eigener Abend organisiert. Möglicherweise werden künftig auch Kunden der Germeringer Tafel eingeladen, kündigte Erkilic nach dem Gebet im Gespräch mit OB Andreas Haas an.

Der Rathauschef stufte das Fasten ebenfalls als gute Gelegenheit ein, sich Dinge bewusst zu machen, die einem selbstverständlich scheinen. Das gemeinsame Essen beim Fastenbrechen sei wichtig für die Gemeinschaft. Das zeige, was einem Familien und Freunde wert sind. Es sei daher sehr schön, dass der Kulturverein auch Nicht-Muslime einlade, denn: „Wir leben alle zusammen in einer Gemeinde.“

Mit der Einladung und dem gemeinsamen Essen wollen Erkilic und der Verein aber auch einer Entwicklung entgegentreten, die mit der Verschlechterung des deutsch-türkischen Verhältnisses in den vergangenen drei Jahren auch in Germering spürbar geworden sei. „Das Verhältnis hat gelitten“, erzählte der in Deutschland geborene Erkilic. Die Türkei werde nur noch als Diktatur wahrgenommen, das tue weh. Er habe deswegen den Besuch von Kanzlerin Angela Merkel bei den Gedenkfeiern zum 25. Jahrestag des Brandanschlags auf türkische Mitbewohner in Solingen als sehr wichtig empfunden: „Das war eine sehr schöne Geste.“ Es sei aber schade, wenn es dazu solch trauriger Anlässe bedürfe.

Zum Fastenbrechen gekommen waren auch der Integrationsbeauftragte Manuel Leupold und Pfarrer Michael Lorenz von der evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Kirche. Dass kein Vertreter der katholischen Stadtkirche da war, lag möglicherweise daran, dass am nächsten Vormittag Fronleichnam gefeiert wurde. Gürkan Erkilic freute sich jedenfalls über eine spontane Gegeneinladung von CSU-Stadtrat Christian Ganslmeier: „Am nächsten Wochenende wird erstmals die Lange Nacht der Kirchen gefeiert. Kommen Sie doch einfach vorbei.“

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