Vor der Dorfkirche St. Jakob

Beim Singen rieselt der Schnee

Germering – Zum zweiten Mal fand unter dem Christbaum an der Dorfkirche St. Jakob ein offenes Weihnachtsliedersingen statt. Über 100 Kinder und Erwachsene nahmen teil.

Zu richtig weißen Weihnachten fehlte es noch ein Stück. Doch die in den Abend hineintanzenden Schneeflocken passten zu der fröhlich-besinnlichen Stimmung, die sich unter dem Christbaum nahe der Dorfkirche von St. Jakob verbreitete. „Beim zweiten Mal kann man mit Sicherheit noch nicht von einer Tradition sprechen“, so Bezirks- und Stadträtin Gabriele Off-Nesselhauf (CSU), Mitinitiatorin des für Jung und Alt offenen Weihnachtsliedersingens.

Doch gefühlt ist für Dorothea Liebscher, die mit ihrem zehnjährigen Sohn Simon gekommen ist, dieses Singen bereits Tradition. „Die Kerzen, die fröhlichen Klänge, da vergisst man die Zeit“, findet die 41-Jährige. Als Neubürgerin habe sie im Vorjahr die Veranstaltung entdeckt. „Heuer bin ich gerne wieder gekommen“, erzählt sie. So könne auch der zehnjährige Sohn einmal Weihnachtslieder hören, die nicht schon seit Wochen durch die Kaufhäuser dudeln.

Sogar ein zuagroastes Lied, wie es Ernst Schusser launig nennt, klingt in die Germeringer Nacht hinaus. „Zu Bethlehem geboren“, sei in Oberbayern sehr beliebt, erklärt der aus Bruckmühl stammende Leiter des Volksmusikarchivs des Bezirks Oberbayern. Doch der Text sei 1638 erstmals in Köln in einem Gesangbuch zusammen mit der Melodie abgedruckt worden. Liebscher, selber Zuagroaste aus den östlichen Bundesländern, schmunzelt. Es scheint, als stärke das nur ihre Begeisterung, mit der sie mitsingt.

Von Schusser und seinen mit viel Humor vorgetragenen Geschichten zu den einzelnen Liedern braucht sie sich nicht groß zum Mitmachen animieren zu lassen. Liebscher und ihr Sohn lassen sich sehr gerne von der Stimmung anstecken. „Es ist so fröhlich hier und doch viel mehr staade Zeit als anderswo.“ So stelle sie sich Advent und Weihnachten vor. Sie werde nächstes Jahr auf jeden Fall wiederkommen. „Ich auch“, sagt der Sohnemann spontan.

Damit ist ein Ziel erreicht worden, das sich Off-Nesselhauf vor einem Jahr gesetzt hatte. „Die Freude am Singen und am Miteinander von Jung und Alt wieder aufleben lassen.“ Perfektion brauche es dazu nicht, nur Begeisterung. So macht auch Schusser immer wieder Mut. „Wer das Lied kennt, singt laut mit. Wer es nicht kennt, auch.“ Nur so bekomme man die Texte in den Kopf und Weihnachten in die Herzen.

Dazu beigetragen hat auch die Entscheidung der Veranstalter, trotz der Temperaturen um den Gefrierpunkt das Singen draußen abzuhalten. „Nur wenn es zu arg mit Regen oder Schnee gewesen wäre, wären wir in der Kirche geblieben“, erklärt Gabriele Off-Nesselhauf. Im Freien empfinde man die Feierlichkeit und Fröhlichkeit des nahenden Heiligen Abends viel besser und intensiver. So werde es mit Sicherheit auch in der Adventszeit 2017 eine Neuauflage des gemeinsamen offenen Singens geben, versprach Off-Nesselhauf den Besuchern. (hk)

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