S-Bahn-Schütze von Unterföhring: Das Urteil ist gefallen

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Michael Well

Stadthalle

Biermösl-Oldie packt das Alphorn aus und steppt

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 Eigentlich ist Michael Well für seine Zusammenarbeit mit seinen Geschwistern bekannt. Dass er auch außerfamiliären Bühnenkontakt pflegen kann, beweist er mit seiner neuen Formation „Die drei Haxn“. 

Germering –Das Trio sorgte abseits jeglicher Perfektion für jede Menge Gaudi im gut besuchten Amadeussaal der Stadthalle.

Die Biermösl Blosn ist seit 2012 Geschichte, mit den Nachfolgeprojekten „Geschwister Well“ und den „Wellbrüdern aus’m Biermoos“ scheint Michael Well nicht ausgelastet zu sein. Darum pflegt er seit neuestem Kontakt zu zwei jungen Damen: Anni Preuß und Claudia Pichler. Auch wenn die drei nach eigenem Bekunden intensiv nach einem „vierten Haxn“ gesucht haben, blieb es beim Trio.

Und das gibt sich bewusst dilettantisch. Obwohl alle drei Musiker gleich mehrere Instrumente beherrschen, reißen sie sich musikalisch in der Tat keinen Haxn aus. Schon im Ankündigungstext wird darauf hingewiesen, dass Anni singen kann, Claudia es hingegen muss. Überhaupt sind für die aus Aubing stammende Pichler die drei Haxn die erste Berührung mit der Musik.

Trotzdem wagt sie sich gleich an „Heavy Metal“, wie Michael Well launig erklärt. Er meint damit nicht den Musikstil, sondern echtes Schwermetall: die 14 Kilo schwere Tuba, mit der Pichler oftmals den Rhythmus für die drei Haxn vorgibt. Preuß hat es da leichter – und das nicht nur beim Gewicht des Instruments. Hauptsächlich zupft sie die Gitarrensaiten und singt. Letzteres mit Bravour.

Man hört der gebürtigen Passauerin, die ihre Brötchen als Lehrerin für Geschichte und Englisch an einem Münchner Gymnasium verdient, ihre Gesangsausbildung bei jedem Ton an. Außerdem versucht sie sich auch an Akkordeon und Saxophon.

Bei seinen eher seltenen Treffen übt das Trio auch manchmal. „Aber meistens machen wir Brotzeit“, erklärt Claudia Pichler dem lachenden Publikum (mithin auch der Programmtitel „Mehr Fleisch“). Und so wertet die überhaupt mit staubtrockenem Humor ausgestattete Haupt-Wortführerin der drei Haxn es schon als Erfolg, dass die drei Musiker beim Auftaktstück gleichzeitig fertig wurden. „Besser wird’s heute nimmer“, kündigt sie an.

Das ist freilich auch ein wenig Koketterie, denn in der Tat muss das Publikum sein Kommen trotz der einen oder anderen musikalischen Unzulänglichkeit nicht bereuen. Ganz im Gegenteil. Die Hauptattraktion bei den drei Haxn ist schlichtweg das Gesamtpaket. Und das bietet neben Musik, Gesang, Gedichten und Tanz vor allem eines: Jede Menge Gaudi.

Und so singen die drei Haxn das tragische Liebeslied von Anton Prummer, der Fleischfliege im Vollsortimenter. Sie erzählen in einem Gedicht von den Leiden einer Platzanweiserin im Theater – einer nervenzehrenden Tätigkeit, bei der sich Pichler und Preuß kennengelernt haben.

Und nicht zuletzt wagen sie beim Gstanzl-Singen auch den einen oder anderen politischen Ausflug – all dies mit Herzblut und einer Spiellust, die sich auch aufs Publikum überträgt. Sogar Routinier Michael Well weiß mit seinen inzwischen 59 Jahren noch zu überraschen. Nicht nur, dass er im nicht unbedingt dafür ausgelegten Amadeussaal sogar ein Alphorn auspackt, das er zum Spielen auf der Schulter eines Zuschauers ablegen muss. Der Vollblutmusiker legt sogar eine heiße Steppsohle aufs Parkett. Das zwar auch nicht perfekt. Aber der Dilettantismus ist bei den drei Haxn ja eh gewolltes Programm. 

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