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Zwischen der Kirche St. Martin und dem DHL-Paketzentrum soll das neue Briefzentrum errichtet werden.

Germering

Briefzentrum entsteht auf einer archäologisch spannenden Fläche

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Der Bau des Briefzentrums im Germeringer Norden rückt näher. Der Stadtrat hat den Vorentwurf für das Projekt befürwortet und den Flächennutzungsplan geändert. Weil im Boden aber viele archäologische Funde vermutet werden, könnte sich das Projekt verzögern.

Germering – Die Post hat noch einmal nachgebessert. Nach der jüngsten Sitzung des Umwelt-, Planungs- und Bauausschusses waren einige Fragen offen – etwa zur Versickerung des Regenwassers und zum Thema Photovoltaik auf dem Dach. Architektin Andrea Gebhard erklärte den Mitgliedern des Stadtrates, dass sämtliches anfallendes Regenwasser auf dem Areal versickern könnte – auch bei extremen Ereignissen, wie sie in Zukunft aufgrund des Klimawandels erwartet werden. Das begrünte Dach könne sehr viel Wasser aufnehmen und dann verzögert ableiten.

Auch beim Thema Photovoltaik auf dem Dach gibt es Neuerungen. Es habe sich herausgestellt, dass eine intensive Begrünung mit Solarmodulen kombinierbar sei. Dazu müssten die Sonnenkollektoren aber auf Stelzen gestellt werden.

Briefzentrum Germering: Es werden viele Funde erwartet

Spannend wird das Projekt der Post auch für die Archäologen. Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl rechnet mit überdurchschnittlich vielen Funden. Schon beim Bau des benachbarten Paket-Zentrums und dem Gebäude einer Busfirma habe man viele Artefakte aus dem Boden geholt. „In Richtung des geplanten Briefzentrums wurden es sogar immer mehr Funde“, sagt Guckenbiehl.

Der Geschichts-Experte rechnet mit Überbleibseln aus der Bronzezeit, der Zeit der Römer sowie aus dem frühen Mittelalter. „Eine sehr spannende Fläche“, so Guckenbiehl.

In der Debatte der Stadträte spielte die Vergangenheit allerdings eine untergeordnete Rolle – ihnen ging es um die Zukunft. Angelika Kropp-Dürr (Grüne) brachte noch einmal die aus ihrer Sicht zu starke Zunahme des Verkehrs zur Sprache. Pro Tag rechnet die Post mit 965 Touren zum oder vom Briefzentrum weg. Den Löwenanteil machen Transporter oder Lkw bis 7,5 Tonnen aus. „Das ist ein Wahnsinn für mich“, sagte Kropp-Dürr. Post-Projektleiter Thomas Schlickenrieder bezeichnete die Steigerung allerdings als „unwesentlich“. Die Straßen könnten den zusätzlichen Verkehr durch die Post aufnehmen.

Helmut Ankenbrand (SPD) zeigte sich besorgt wegen der zunehmenden Digitalisierung. Er befürchtete, dass durch steigende Automation viele der angekündigten 1300 Arbeitsplätze wegfallen. Auch diese Befürchtung versuchte Thomas Schlickenrieder zu zerstreuen. Der Automatisierungsgrad in den Briefzentren läge bereits bei 80 Prozent. Das Ende der Fahnenstange sei erreicht. Jobs würden daher durch die Digitalisierung nicht wegfallen.

Eine Garantie der Arbeitsplätze über einen längeren Zeitraum wollte die Post nicht abgeben. Allerdings investiere man einen dreistelligen Millionenbetrag. Der Standort werde Germering also lange erhalten bleiben.

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