Katrin Schmidt (l.) und Helen Hoff betreiben die Buchhandlung Lesezeichen.
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Katrin Schmidt (l.) und Helen Hoff betreiben die Buchhandlung Lesezeichen. Bei ihnen kann man auch im Lockdown noch Bücher ordern. Das Lesezeichen-Team stellt sie dann selbst zu.

Wegen Regeln im harten Lockdown

Buchhandlung darf keinen Abholservice einrichten - Imbiss nebenan bietet Essen „to go“ an

  • Lisa Fischer
    vonLisa Fischer
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Der Einzelhandel ist wegen des Lockdowns weitgehend geschlossen. Doch welche Händler dürfen Lieferdienste und Abholservices anbieten? Viele Unternehmen sind ratlos.

Germering – Seit Mittwoch gilt der angekündigte harte Lockdown für den Einzelhandel. Die Geschäfte müssen zum größten Teil geschlossen bleiben. Mit kreativen Abhol- und Lieferservices versuchen sich die Händler zu helfen – doch längst ist nicht in jeder Branche klar, was ist möglich und welche Verbote gibt es?

Große Fragezeichen in den Gesichtern der Mitarbeiter von der Buchhandlung „Lesezeichen“ – und auch bei den Kunden. Im Tagesgeschäft am Dienstag bestellten noch zahlreiche Menschen Bücher, die rechtzeitig zum Fest unter dem Baum liegen sollen. Nun hat die Buchhandlung wegen des Lockdowns ebenfalls schließen müssen. Ein möglicher Abhol- und Lieferservice stand zur Diskussion, doch: „Bis spät in die Nacht auf Mittwoch wusste niemand von uns, ob das überhaupt geht“, sagt Katrin Schmidt, Inhaberin der Buchhandlung Lesezeichen.

Germering: Buchhandlung liefert jetzt selbst aus

Am Mittwoch schlendern einige Kunden bei ihrem Einkauf an der Buchhandlung vorbei und siehe da – die markante, gelbe Tür ist geöffnet. Doch Helen Hoff, ebenfalls Inhaberin der Buchhandlung, muss die Menschen enttäuschen: „Wir haben nur wegen des Hermes-Shops geöffnet. Ich darf Ihnen kein Buch auf die Hand mitgeben“, bedauert die Chefin gegenüber eines Kunden. Was sie dem älteren Herrn jedoch anbieten könne ist, die bestellte Ware nach Hause zu liefern. Verständnisvoll geht der Mann weiter.

Im Frühjahr, während des ersten Lockdowns, durfte die Buchhandlung Lesezeichen noch einen Abholservice anbieten. Die Entscheidung, dass die Lesezeichen-Mitarbeiter Ware diesmal nicht ausgeben sondern nur liefern dürfen, erhielt Inhaberin und CSU-Stadträtin Katrin Schmidt erst am Mittwochmorgen – also am ersten Tag des Lockdowns. Die Ansage kam per E-Mail vom Landesverband des Buchhandels und nicht von der Regierung. „Die Politik hat über Monate keine Lösung gefunden“, meint Schmidt, „die Regeln sind sehr breit gefasst, jedoch ist in der Praxis nicht alles schwarz-weiß.“ Sie vermisse „Proaktivität in der Politik.“

Für den zweiten Lockdown mussten die beiden Inhaberinnen Hoff und Schmidt kreativ werden. Ein Spuckschutz und eine „Paketschleuse“ – in Form einer Wanne auf Rollen – wurde für den Hermes-Shop installiert. Bücher-Bestellungen werden telefonisch oder im Onlineshop durchgeführt.

Ausliefern müssen Katrin Schmidt, Helen Hoff und die restlichen acht Mitarbeiter dann selbst. „Wir haben allein in 24 Stunden 300 Bestellungen erhalten. In einer Stunde schafft man vielleicht zehn davon auszuliefern“, so Schmidt. Was das bedeutet, könne man sich ja ausrechnen.

Sitzt vor seinem Imbiss am Therese-Giehse-Platz und wartet auf Kunden: Hamed Yuonssi.

Germering: Imbiss-Betreiber wartet auf Kunden

Keine zehn Meter neben der Buchhandlung darf abgeholt werden. Dort sitzt Hamed Yuonssi (40) vor der Imbissbude „Two men’s open cuisine“. Er hat geöffnet, Kunden dürfen hier Pasta und Burger to go holen. Doch die Kundschaft bleibt fast aus. „Viele Mitarbeiter aus den umliegenden Bürogebäuden sind im Homeoffice“, deshalb bleibt der Andrang zur Mittagszeit aus.

Germering: Fanshop hofft auf Bestellungen

In der Otto-Wagner-Straße dekoriert Klaus Traimer das Schaufenster in seinem Fanshop. Sorgfältig legt er Masken in jeglicher Farbe in die Auslage. Auch der 75-Jährige muss seinen Laden im Lockdown schließen. „Ich hatte erst die ganzen Waren eingekauft, um alles für das Weihnachtsgeschäft auf Lager zu haben“, erzählt Traimer. Jetzt sind die Sachen da, doch „die Einnahmen fehlen.“

Klaus Traimer hat erst vor kurzem Waren für das Weihnachtsgeschäft im Fanshop geordert.

Im Frühjahr, im ersten Lockdown, durfte Traimer noch einen Abholservice anbieten. Also erkundigte er sich am Mittwochmorgen beim Landratsamt, wie es denn jetzt aussieht. „Dort haben sie mir gesagt, dass ich jedoch nur einen Lieferservice anbieten darf“, sagt der Germeringer.

Kunden können sich beispielsweise im Schaufenster die Ware anschauen und diese dann telefonisch bestellen. Der 75-Jährige fährt die Bestellung dann aus oder verschickt sie per Post. „Das schlimmste ist, dass kein Handball und Fußball stattfindet“, bedauert Traimer. In den Hallen habe er mit seinem Verkaufsstand immer zahlreiche Sportfreunde erreicht.

Die Stadtbibliothek, hier Mitarbeiterin Anna Laube, bietet einen Abholservice an.

Germering: Abhol-Service der Bibliothek

Bücher durch die Scheibe gibt es bei der Stadtbibliothek. Die „kontaktlose Medienausgabe“ funktioniert über die Drehtür, zeigt Mitarbeiterin Anna Laube. Die stellvertretende Leiterin Katja Beese erklärt: „Telefonisch können unsere Kunden Medien bestellen.“ Dann würde ein Abholtermin vereinbart werden, um eine Menschenansammlung vor dem Bibliotheksgebäude zu vermeiden. Die kreative Lösung kommt bei den Leute gut an: „Sie sind uns sehr dankbar.“

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