Zugunglück im Hauptbahnhof von Salzburg - viele Verletzte

Zugunglück im Hauptbahnhof von Salzburg - viele Verletzte
Die Stadt will den alten Kiosk abreißen und dafür eine WC-Anlage hinstellen. Die Pläne müssen aber erst noch zum Eisenbahnbundesamt.

Pendler müssen weiter warten

Bürokratie verzögert Bau eines WC am Bahnhof

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Das Geld für den Bau einer Toiletten-Anlage am Bahnhof im Zentrum ist im Haushalt eingeplant. Auch der Standort steht schon fest. Allerdings muss die Stadt jetzt auf eine Entscheidung der Bahn warten, ob der leer stehende alte Holz-Kiosk neben dem Bahnhofsgebäude abgerissen werden darf.

Germering Am Bahnhof Germering-Unterpfaffenhofen, so die offizielle Bezeichnung, gibt es seit zwölf Jahren keine Klos mehr. Sie waren im Zuge des Umbaus des Bahnhofsgebäudes in einen so genannten Service Store mit Bistro abgebaut und nicht ersetzt worden. Im Jahr 2006 löste dies eine anhaltende Debatte in Form von Anträgen, Leserbriefen und Unterschriftenaktionen aus, die aber zu keinem Ergebnis führten. Bis heute müssen Bahnkunden und andere Besucher des Stadtzentrums sich eine der umliegenden Gaststätten aussuchen, wenn sie ihre Notdurft erledigen müssen. In Folge dieser Diskussion war damals auch das Konzept der „Netten Toilette“ eingeführt worden: Mehrere Gaststätten machten mit Aufklebern darauf aufmerksam, dass man bei ihnen aufs Klo gehen konnte.

220 000 Euro stehen zur Verfügung

Die Idee, am Bahnhof wieder eine WC-Anlage zu bauen, wurde seitens der Stadt aber nie aufgegeben. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf. Insgesamt 220 000 Euro hat die Stadt im Etat des laufenden Jahres eingestellt, um eine mobile Anlage aufzustellen, die man notfalls später auch wieder versetzen kann. Im Vorfeld waren Gespräche mit der Bahn geführt und ein Ortstermin vereinbart worden. Beides habe mittlerweile stattgefunden, erklärt OB Andreas Haas auf Nachfrage des Merkur. Das Ergebnis ist allerdings einigermaßen ernüchternd. Die Gespräche vor Ort seien zwar sehr konstruktiv gewesen, erklärt Haas. Allerdings habe die Bahn-Vertreterin auf ein großes Hindernis hingewiesen: Um den seit Jahren leer stehenden alten Holz-Kiosk abreißen zu dürfen und dort die neue Anlage aufzustellen, benötige man eine Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamtes. Die Stadt muss jetzt also erst die Pläne fertigstellen und sie an die Bahn weitergeben. Und die müsse sie dann beim Bundesamt einreichen und auf eine Genehmigung hoffen.

Auch Verbesserungen in Harthaus in der Warteschleife

Der bürokratische Umweg über das Eisenbahnbundesamt ist auch bei weiteren Wünschen der Stadt notwendig, die sich auf Einrichtungen auf Bahn-Grund beziehen. OB Andreas Haas erwähnt hier vor allem die Verbesserung des barrierefreien Ausbaus am S-Bahnhof Harthaus. 

Der Schleichweg zum Bahnsteig wird wohl noch länger benutzt werden.

Das Problem: Wer am Busbahnhof an der Nordseite des Bahnhofs ankommt und Richtung München in die S-Bahn einsteigen möchte, kann nicht einfach geradeaus durch die Unterführung zum Bahnsteig gehen. Tatsächlich muss man entweder 20 Meter links, oder 15 Meter weit rechts an einem Metallzaun vorbei, um dann den gleichen Weg noch einmal bis zur Unterführung zu überbrücken. 

Viele Bahnkunden weichen deswegen auf einen Schleichweg direkt durch die Grünanlagen aus, wenn sie es eilig haben. Die Stadt würde deswegen auf eigene Kosten eine Treppe bauen, um das Problem zu entschärfen, Auch dies habe man mit der Vertreterin der Deutschen Bahn vor Ort erläutert, so Haas. 

Aber auch bei diesem Problem muss erst das Eisenbundesamt eingeschaltet werden und einer Änderung zustimmen. Eine von der Stadt gewünschte Verbesserung für Fahrradfahrer scheitert vorerst ebenfalls an der Hürde des Eisenbundesamtes. Obwohl die Stadt sämtliche Kosten übernehmen würde, dürfen keine zusätzlichen Abstellplätze geschaffen werden, weil sie sich auf Bahngrund befinden. Auch hier muss das übergeordnete Amt die Pläne erst bewilligen, ehe die Stadt tätig werden kann.

Kommentar: Verspätung gehört zum Geschäft

Wer mit der Deutschen Bahn zu tun hat, der muss seine innere Uhr umstellen. Vorhaben, die eigentlich in wenigen Monaten umgesetzt werden können, ziehen sich dann in der Regel über mehrere Jahre hin. Die Stadt kann ein Lied davon singen. Man muss nur an die unendliche Geschichte des Aufzug-baus in der Bahnunterführung denken, die die Geduld der Germeringer aber auch der eigenen Verwaltung über die Gebühr strapaziert haben. 

Die Forderung vieler Germeringer, am Bahnhof wieder Toiletten zur Verfügung zu stellen, ist genauso alt. Vor zwölf Jahren hat die Bahn die alten Klos entfernt. Ersatz wurde nie geschaffen. Auch die Tatsache, dass die Stadt sämtliche Kosten dafür selbst übernimmt, hilft nicht weiter.

 Denn die Bahn ist auch über 20 Jahre nach ihrer Umwandlung in eine Aktiengesellschaft noch ein Bürokratiemonster, das seinesgleichen sucht. Jede noch so kleine Änderung von Anlagen der Bahn muss vom Eisenbahnbundesamt genehmigt werden – und wenn’s nur um die Aufstellung eines Fahrradständers geht. Der Zug in die Moderne ist bei der Bahn jedenfalls noch nicht abgefahren. Aber das passt auch ganz gut zu ihrem Geschäftsfeld: Mit Verspätungen kennt sie sich aus. (Klaus Greif)

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