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Bund Naturschutz ist gegen Briefzentrum

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Von: Klaus Greif

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Beispielfoto © picture alliance / dpa / dpa Picture-Alliance / Malte Christians

Der Bund Naturschutz (BN) lehnt die geplante Ansiedlung des Briefverteilzentrums der Deutschen Post im Germeringer Norden ab. Das haben die Mitglieder bei der Jahresversammlung einstimmig beschlossen.

Germering – Die Deutsche Post hat bekanntlich Mitte des Jahres ihre Briefverteilzentren an der Münchner Arnulfstraße und in Schorn bei Starnberg verkauft. Ersetzt werden sollen beide durch ein großes Logistikzentrum im Gewerbegebiet Germeringer Norden. Vor einem Monat hat die Post ihre Pläne in der Stadthalle öffentlich vorgestellt.

Die BN-Mitglieder, anwesend waren laut Vorsitzendem Jürgen Knöckelmann rund 15, haben die Post-Pläne einstimmig abgelehnt. Bei den Gründen habe man sich laut Knöckelmann auf Themen des Umwelt- und Naturschutzes beschränkt. Aspekte wie die der möglichen neuen Arbeitsplätze habe man nicht diskutiert. Die im Umweltbeirat sitzenden BN-Mitglieder werden die Ablehnung auch bei der Beiratssitzung am Mittwoch vertreten. Das Gremium will dann nach einer nochmaligen Information durch Postvertreter eine eigene Stellungnahme abgeben.

Aus Sicht der Naturschützer würde die Realisierung eines Großprojektes wie das der Post der im Leitbild der Stadt festgelegten nachhaltigen Stadtentwicklung entgegen stehen. Der BN befürchtet, dass die Negativauswirkungen auf die Stadtökologie ebenso wie auf die Lebensqualität Germerings dauerhaft erheblich wären.

Wenn das Briefverteilzentrum gebaut wird, würde dies aus Sicht des BN einen gigantischen Flächenverbrauch bedeuten. Der von der Landesregierung vorgegebene Tageshöchstwert für Versiegelungen von fünf Hektar für ganz Bayern würde hier fast erreicht.

Der Bund Naturschutz kritisiert zudem den Eingriff in den Naturhaushalt und in die Landschaft. Der Flächennutzungsplan weist das Areal am Rande als landwirtschaftliche Flächen aus. Sie erbringen damit dem BN zufolge eine ganze Reihe von unverzichtbaren Ökosystemleistungen: „Indem sie Sauerstoff produzieren, CO2 binden, Niederschlag aufnehmen und Wasser verdunsten sowie den Luftaustausch befördern, wird damit ein positiver Beitrag zum Wasserkreislauf, zum Lokalklima und zur Luftqualität geleistet.“ Außerdem seien auch konservativ bewirtschaftete Äcker Lebensraum für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten.

Als mindestens so schwerwiegend wie den Flächenverbrauch stuft der BN die zu erwartende, erhebliche zusätzliche Verkehrsbelastung mit der Folge einer Verschlechterung des Stadtklimas ein. Der von der Post versprochene Zuwachs von eingesetzten „sauberen Lösungen“ wie E-Fahrzeugen auf insgesamt rund 70 Prozent wird aus Sicht des BN nicht funktionieren, denn: „Ein erheblicher Umfang dieser Fahrten ist aus betriebswirtschaftlichen Gründen an Subunternehmen vergeben. Sie sind und werden wohl auch künftig nicht mit sauberen Lösungen unterwegs sein.“

Die Naturschützer gehen außerdem davon aus, dass die angestellten Postfahrer und Auftragsfahrer bei Staus und stockendem Verkehr nach Ausweichrouten suchen, weil sie an Zeitpläne und Schichtbeginn gebunden sind.

Gegen den Standort Germering spricht dem BN zufolge auch der zusätzliche motorisierte Verkehr durch Ein- und Auspendler, weil die Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr unzureichend ist. Vor der Einleitung weiterer planungsrechtlicher Schritte müsse die Stadt deswegen ein Verkehrs- und ein Lärmgutachten erstellen lassen – und zwar unabhängig vom Investor und seinen Planungsbüros, fordert der Bund Naturschutz.

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