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Rettende Spürnase mit Promi-Frauchen: Auf der Suche nach Vermissten

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Von: Tobias Gehre

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Boxer-Rüde Hermes (vorne) hat vergangene Woche einen Vermissten mit seiner Nase aufgestöbert. Seine prominente Besitzerin Christine Theiss ist stolz auf ihren Vierbeiner. Auch Markus Vilhar (mit Hund Buddy) und Thomas Rapp von den Maltesern freuen sich über den Such-Erfolg.
Boxer-Rüde Hermes (vorne) hat vergangene Woche einen Vermissten mit seiner Nase aufgestöbert. Seine prominente Besitzerin Christine Theiss ist stolz auf ihren Vierbeiner. Auch Markus Vilhar (mit Hund Buddy) und Thomas Rapp von den Maltesern freuen sich über den Such-Erfolg. © Gehre

Suchhunde und ihre Besitzer rücken immer dann an, wenn ein Mensch vermisst wird. Vergangene Woche stellten sie in Germering ihr Können unter Beweis und spürten einen alten Mann auf, der seit Stunden umhergeirrt war. Für die vierbeinigen Retter ist die Suche Schwerstarbeit.

Germering – Die Suchmannschaften sind schon seit Stunden im Einsatz. Boxer Hermes gibt alles, um dem Geruch, den er sich zuvor eingeprägt hat, zu folgen. „Das ist wie Hochleistungssport“, erklärt Frauchen Christine Theiss. Damit kennt sie sich aus. Sie war selbst lange Zeit Profisportlerin. Theiss gewann 23 Weltmeister-Titel im Kickboxen. Auch als Moderatorin und Ringreporterin machte sich die 42-Jährige einen Namen. Bei der Suche nach Vermissten gibt es allerdings keinen Promi-Vorteil. Hier zählt nur, die Person schnell aufzuspüren.

An diesem Mittwochmorgen dirigiert Hermes sein Frauchen zielstrebig an die Adalbert-Stifter Straße. Es ist 6 Uhr, die Stadt erwacht gerade, als die Retter der Hundestaffel den 92-Jährigen endlich finden. Seit über zwölf Stunden ist der Senior zu dieser Zeit auf den Beinen. „Der Mann war sehr erstaunt, dass wir ihn gesucht haben“, erinnert sich Christine Theiss, die für den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) im Einsatz ist. Der Gesuchte ist äußerlich unverletzt. Trotzdem kommt er zur Sicherheit in eine Klinik.

Für die Retter ist der Einsatz vorbei. Für Hermes geht die Gaudi jetzt aber erst los. Er hat seine Aufgabe mit Bravour gemeistert – und bekommt als Belohnung sein Lieblingsspielzeug. Der vierjährige Rüde wurde zum so genannten Mantrailer-Hund ausgebildet. Das bedeutet, er kann sich einen Geruch einprägen und dieser Spur über weite Strecken folgen.

Die Suche nach dem 92-Jährigen in Germering führte Thomas Rapp vom Malteser Hilfsdienst in Gröbenzell als Einsatzleiter an. Zunächst fuhren die Helfer zur Wohnung des Mannes. Dort besorgten sie sich Geruchsproben in Form einer Haarbürste und einem Taschentuch. Direkt daran schnüffeln durften die Suchhunde aber nicht. Der Geruch wird zuerst auf mehrere Kompressen übertragen, sozusagen kopiert, erklärt Rapp. Würde man alle Hunde am selben Spurenträger schnuppern lassen, könnten sie sich womöglich die Gerüche der anderen Suchhunde einprägen und dann diesen folgen.

Vermissten-Suche ist Teamarbeit. Deshalb waren in dieser Nacht sieben Hundestaffeln mit 18 Vierbeinern im Einsatz – von der DLRG, den Johannitern, des BRK, des ASB, der Freiwilligen Feuerwehren Garching und Aschheim sowie die Malteser. Neben den Mantrailern machten sich Flächenspürhunde auf die Suche. Sie nehmen keine Witterung auf, sondern suchen auf größeren Flächen – etwa im Wald – nach menschlichem Geruch.

Sowohl zwei- als auch vierbeinige Retter machen ihren Job ehrenamtlich. Regelmäßig sind sie auf der Suche nach Vermissten – oft in den Nachtstunden. Boxer Hermes zumindest hat damit kein Problem. „Sobald ich die Jacke anziehe, weiß er Bescheid und ist bereit“, sagt Christine Theiss.

Seinen großen Erfolg in Germering hat der Rüde übrigens sichtlich ausgekostet. Mit stolzgeschwellter Brust und erhobenem Haupt sei er nach dem Einsatz herumgelaufen, sagt sein Frauchen. Ein echter Retter hat eben seinen Stolz.

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