Vor dem geschlossenen Laden von Kosmetikerin Myriam Schott (r.) weisen Oberbürgermeister Andreas Haas und Gewerbereferentin Katrin Schmidt auf die verzweifelte Lage vieler Unternehmer hin.
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Vor dem geschlossenen Laden von Kosmetikerin Myriam Schott (r.) weisen Oberbürgermeister Andreas Haas und Gewerbereferentin Katrin Schmidt auf die verzweifelte Lage vieler Unternehmer hin.

Pandemie

Corona-Hilfen fließen nur schleppend: Brandbrief aus Germering an Markus Söder

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Immer mehr Unternehmer stehen in der Pandemie vor dem finanziellen Aus – auch weil die staatlichen Überbrückungshilfen schleppend bis gar nicht fließen.

Germering – Germerings OB Andreas Haas und Gewerbereferentin Katrin Schmidt haben deshalb einen Brandbrief an Ministerpräsident Markus Söder geschrieben. Ob das Schreiben von Haas und Schmidt der Grund für die am Dienstag beschlossenen Lockerungen für Kosmetikbetriebe ab 1. März ist, ist nicht bekannt.

Fakt ist aber, dass der Hilferuf der Kosmetikerin Myriam Schott Auslöser für den Brief war. Er greift aber nicht nur die Probleme in Schotts Branche auf. Germerings Stadtpolitiker befürchten vielmehr ein Sterben der Innenstadt. „Ich kenne viele Germeringer Unternehmer, die vor dem Aus stehen“, sagt Schott.

Sie selbst hatte im Lockdown alle Reserven aufgebraucht. Die Überbrückungshilfen flossen für November nur schleppend, dann sogar gar nicht mehr. Auch wenn es nun Lockerungen für Kosmetiker gibt: Auswirkungen der aufgezehrten Rücklagen bleiben für Schott: „Meine Tochter kann nicht studieren, weil ich es nicht finanzieren kann.“

Der Stadt sind in finanzieller Hinsicht die Hände gebunden

Haas sind die Hände gebunden: „Als Stadt dürfen wir keine Darlehen oder Bürgschaften geben oder direkte Wirtschaftshilfen zahlen.“ Was in der für Kommunen angespannten finanziellen Lage ohnehin schwer wäre. „Auch wir als Stadt müssen über eine Erhöhung der Einnahmen nachdenken“, sagt der OB mit Blick auf den städtischen Haushalt. Seine Forderung an den Staat bringt er mit Blick auf die Hilfszahlungen auf den Punkt: „Wir brauchen jetzt Geld.“

In ihrem Brief an Söder bezeichnen der OB und Schmidt die langfristigen Folgen, die mit dem momentanen Prozedere rund um die staatliche Unterstützung entstehen, nicht als Einzel-, sondern als Stadtschicksal. Und das sieht nach Ansicht der Stadtpolitiker düster aus: „Zunehmend verödete Innenstädte, der damit verbundene Kaufkraftverlust, die Leerstand-Situation, eine mangelnde Aufenthaltsqualität und nicht zuletzt fehlende Steuereinnahmen.“

Das größte Problem für Unternehmer ist die fehlende Perspektive

Für Schmidt, selbst Inhaberin einer Buchhandlung, ist eines der größten Probleme die fehlende Perspektive für die Unternehmer, die die Existenzängste weiter verstärkt. Bei Beantragung der Hilfen müsse angegeben werden, für wie lange man das Geld benötige, obwohl viele das Ende des Lockdowns nicht absehen können. „Die Unternehmer sind der strategische Spielball in der Pandemie, und das kann nicht sein“, so Schmidt. Als Beispiel nennt sie Läden, die Mitte eines Monats zum Schließen gezwungen wurden und so aus der staatlichen Hilfe für diesen Monat herausfallen. „Da müsste zumindest anteilig bezahlt werden.“

Dazu kommt laut Schott, dass die Probleme nicht bei den Unternehmern alleine hängen bleiben. Als Beispiel nennt sie Ladenmieten: „Meine Vermieter sind Rentner und leben von der Miete.“ Der Appell der Regierung an die Vermieter, sich in solchen Fällen großzügig zu zeigen, schießt in solchen Fällen auch für Schmidt ins Leere, da auch dort Existenzen gefährdet werden. „Es droht eine Kettenreaktion.“

In ihrem Schreiben appellieren Haas und Schmidt deshalb an Söder, seinen politischen Einfluss in Berlin geltend zu machen, damit die Unterstützungszahlungen vom Bund endlich fließen. Schmidt: „Die Ungewissheit für die Unternehmer ist nicht tragbar – weder menschlich noch wirtschaftlich.“

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