Wahlkampf-Endspurt im Brauhaus (v.l.). Ortschef Oliver Simon begrüßt Manfred Weber und Michael Kießling.
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Wahlkampf-Endspurt im Brauhaus (v.l.): Ortschef Oliver Simon begrüßt Manfred Weber und Michael Kießling.

Kurz vor der Bundestagswahl

CSU-Vize glaubt an guten Kanzler Laschet - „Ich will keine Sozialisten“

  • Klaus Greif
    VonKlaus Greif
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Eine gute Woche vor der Bundestagswahl geht die CSU noch einmal in die Offensive. Manfred Weber, Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europaparlament, warb am Freitag in Germering für den Direktkandidaten Michael Kießling und die CSU. Beide warnten vor einem Linksrutsch Deutschlands.

Germering – Rund 50 angemeldete Besucher im voll besetzten Brauhaus an der Dorfstraße – sie mussten alle am Eingang einen Impf- oder Testnachweis vorlegen und bis zum Platz eine Maske tragen –, die an Biertischen bei Weißwurst mit Brezn und Bier zusammen saßen und einem prominenten Politiker zuhörten: Es war ein politischer Frühschoppen im Wahlkampf, wie man ihn lange nicht mehr erlebt hat. CSU-Ortschef Oliver Simon erklärte bei der Begrüßung dann auch, dass er sich wahnsinnig freue, dass so etwas wieder möglich ist. Er gab dann aber gleich vor, was man in den nächsten eineinhalb Stunden noch öfter hören sollte: „Wir müssen Rot-Rot-Grün verhindern. Ich will keine Sozialisten in der Verantwortung für Deutschland.“

Diesen Ball nahm Ehrengast Manfred Weber ebenso auf wie Michael Kießling. Kießling vertritt den Wahlkreis Starnberg-Landsberg und damit auch Germering seit vier Jahren im Bundestag und möchte das Direktmandat ein weiteres Mal erringen. Die Gefahr einer linken Regierung sei groß, erklärte Kießling. Um dies zu verhindern, müsse man beide Stimmen der CSU geben. Wer die Freien Wähler ankreuze, verschenke seine Stimme, weil diese die Fünf-Prozent-Hürde nicht schaffen würden. Und auch die FDP zu wählen sei falsch. Denn die Freidemokraten werden auf jeden Fall regieren müssen.

Kießling gab sich dabei durchaus optimistisch: „Die Stimmung ändert sich zu unseren Gunsten.“ CDU/CSU hätten ein Wahlprogramm, das breit aufgestellt sei. Das gehe vom Sozialen über die Wirtschaft bis hin zur Umwelt- und Klimapolitik: „Wir sind keine Klientelpartei.“

Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Manfred Weber, dem Ambitionen auf den Parteivorsitz der EVP nachgesagt werden, sah Deutschland vor einer historischen Wahl. Er werde derzeit von den EU-Politikern immer wieder sorgenvoll gefragt, ob Deutschland nach links kippe. Wenn es tatsächlich so käme, so Weber, dann gehe es auch um die Richtung des gesamten Kontinents.

Weber wollte die Wahlentscheidung aber nicht auf diese Frage reduziert wissen. Wichtig sei auch herauszustellen, dass es Deutschland nach 16 Jahren CDU/CSU und Angela Merkel gut gehe: „Wir sollten mehr mit geschwollener Brust rausgehen und stolz sein auf das, was wir erreicht haben.“

Wichtig sind aus Sicht von Weber aber auch die Kandidaten. Bei Armin Laschet war er sich sicher, dass er ein guter Kanzler werden wird. Laschet habe als Ministerpräsident von NRW bewiesen, dass er ein Land auf Vordermann bringen kann: „Der braucht keine Nachhilfe.“ Und Michael Kießling sei ein Abgeordneter, der über die Argumente komme und immer sachlich bleibe.

Zur Corona-Krise hatte Manfred Weber eine klare persönliche Einschätzung, die mit reichlich Beifall honoriert wurde: „Wer geimpft ist, muss seine vollen Freiheitsrechte zurückbekommen.“ Im Gegenzug sei klar, dass Nichtgeimpfte ihre Tests künftig selber bezahlen müssen. Er sei allerdings klar gegen eine Impflicht. Einen Seitenhieb auf FW-Chef Hubert Aiwanger wollte er sich an dieser Stelle nicht ersparen. Es sei natürlich dessen privates Recht, sich nicht impfen zu lassen. Wenn er dazu aber dann 200 Interviews gebe, sei es nicht mehr privat. Der Verdacht liege nahe, dass er dies doch aus politischen Gründen mache.

Auf SPD und Grüne gemünzt war die Aussage des Europapolitikers, dass die Linken nicht mit Geld umgehen können. Schulden zu machen sei Kern linker Politik. Im Falle von Rot-Rot-Grün befürchtete er zudem, dass die mühsam erreichten Handelsabkommen der EU wieder rückgängig gemacht werden sollen. Deutschland sei aber auf solche Abkommen wie beispielsweise das zwischen der EU und Kanada (CETA) angewiesen, denn: „In den kommenden zehn, 20 Jahren wird Wachstum außerhalb von Europa stattfinden.“ CETA helfe mit, dass dabei auch deutsche Unternehmen eine Rolle spielen könnten.

Mehr als deutliche Worte fand Manfred Weber für die AfD. Er sei frustriert und enttäuscht darüber, dass die Rechtspartei stabil auf ihren Umfragewerten bleibe. Im Europaparlament nehme er die AfD-Abgeordneten als Menschen war, die jede Kinderstube vermissen ließen. Ein menschlicher Umgang sei ihnen fremd, man blicke meist in hasserfüllte Gesichter. Vor allem angesichts der aktuellen Anschlagspläne auf eine Synagoge in Hagen sei für ihn klar: „Ich werde alles dafür tun, dass die AfD in keinem deutschen Parlament mehr sitzt.“

Das sind die Kandidaten aus dem Wahlkreis Germering-Starnberg-Landsberg am Lech und dem Wahlkreis Fürstenfeldbruck-Dachau.

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