Bundestagswahl 2017

Darum hat es diesmal mit dem Auszählen so lange gedauert

Bis die Stimmzettel nach der Bundestagswahl ausgezählt waren, dauerte es heuer in einigen Kommunen länger. In der Region Fürstenfeldbruck war Olching Spitzenreiter.

Landkreis –  Spitzenreiter war Olching. Erst gegen 23.30 Uhr veröffentlichte die Amperstadt ihr Ergebnis. „Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“, sagt Jürgen Koller, geschäftsleitender Beamter im Olchinger Rathaus. In diesem Fall war es ein Briefwahlvorstand, der offenbar gewaltig ins Schleudern gekommen war. Was genau dazu geführt hat, dass es fast bis Mitternacht dauerte, bis auch dort die Stimmen ausgezählt waren, kann Koller nicht sagen. Stolpersteine gebe es aber mehrere. „Es ist laut, hektisch, spät und stressig: Da passieren eben Fehler. Das ist nur menschlich“, sagt Koller.

Hinzu kommt, dass diesmal so viele Stimmberechtigte wie noch nie bei einer Bundestagswahl das Angebot der Briefwahl wahrgenommen haben. Auch wenn die Bürger ihre Unterlagen lange vor dem Urnengang abgeschickt haben, dürfen ihre Stimmen erst am Wahlabend ab 18 Uhr ausgezählt werden. Dabei müssen die Helfer nicht nur Stimmen zählen sondern auch jede Menge Umschläge öffnen und Unterschriften kontrollieren.

Aber auch das System, mit dem der Wählerwille ausgewertet wird, hält einige Herausforderungen bereit. So müssen die Wahlhelfer nicht nur die Stimmen auszählen, sondern auch so genannte Zwischensummen bilden. Diese dienen aber rein statistischen Zwecken – und sind nicht ganz einfach zu ermitteln. „Eigentlich ist das Bilden der Zwischensummen überflüssig“, sagt Jochen Franz, stellvertretender Leiter des Verwaltungs- und Rechtsamtes im Germeringer Rathaus. Seiner Meinung nach könnten diese Werte auch mit Stichproben oder Befragungen ermittelt werden.

Für die Landtagswahl im nächsten Jahr zieht Koller Konsequenzen

Kritik am System kommt auch von den Wahlhelfern selbst. So habe sich etwa das Protokoll, in dem die einzelnen Wahlbezirke ihre Ergebnisse ans Rathaus übermitteln, geändert, sagt Günther Pfeiffer. Der 52-jährige Germeringer hilft seit 1983 beim Wählen, hat also schon zahllose Abstimmungen mitgemacht. Die Kombination aus geänderten Protokollen, höherer Wahlbeteiligung und dem Ärger mit den Zwischensummen habe aber auch ihn und sein Team vor große Herausforderungen gestellt.

Die hatten auch die Wahlhelfer in Gröbenzell zu bewältigen. Dort war ebenfalls in einem Wahllokal „der Wurm drin“, wie Bürgermeister Martin Schäfer sagt. Problem: wieder die Zwischensummen. Trete dabei ein Fehler auf, müsse man eben wieder von vorne anfangen. „Manchmal ist es wie verhext“, sagt Schäfer.

Ihre Wahlhelfer aber nehmen der Gröbenzeller Rathaus-Chef wie auch Jochen Franz und Jürgen Koller in Schutz. „Wir sind über jeden Helfer froh“, sagt Koller. Er räumt aber auch ein, dass es das komplizierte Auszählungsverfahren nicht einfacher mache, Freiwillige zu gewinnen. Für die Landtagswahl im nächsten Jahr zieht Koller Konsequenzen. „Wir überlegen, wie wir uns professionalisieren können.“ So sollen etwa Schlüsselpositionen mit städtischem Personal besetzt werden. Allerdings nur punktuell – denn auf seine Ehrenamtlichen hält er nach wie vor große Stücke.

Die Allerletzten waren die Olchinger übrigens nicht. Von den 46 Wahlkreisen im Freistaat, seien zehn noch nicht fertig gewesen, als Kreiswahlleiter Drexl sein Ergebnis an die Landeswahlleitung übermittelte. In den Großstädten München und Nürnberg habe man noch länger gezählt.

von Tobias Gehre

Rubriklistenbild: © MM-Archiv

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