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Nichts geht vorwärts bei den Kirchentüren von St. Martin – einschließlich Produktplatzierung dargestellt in einem Theaterstück.

Germering

Diese Josefifeier öffnet die Türen der Kirche

  • VonHans Kürzl
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Die Josefifeier in St. Martin ist ein bisschen wie ein Starkbierfest. Sie bietet reichlich Stoff, hintersinnig hinter die Kulissen der Pfarrei und der Stadtkirche zu blicken.

Germering„Es ist schon anders als predigen,“ gestand Diakon Benno Saruba nach seinem ersten Auftritt auf der Josefi-Bühne. Nervös sei er aber nicht gewesen, höchstens ein wenig angespannt. Auf der Bühne sei der Blickkontakt zu den rund 120 Zuhörern unmittelbarer als in der Kirche.

Als Partner hatte Saruba den neuen Pfarrvikar Bartholomew Aondo zur Seite. Dieser nahm im Sketch „Die Taxifahrt“ Bürokratie und Datenschutz aufs Korn. „Wenn ich hier Urlaub machen will, muss ich erst Internet haben, Antrag suchen, ausfüllen, ausdrucken, wieder online stellen.“ Und auch ein simpler Ministrantenausflug wird auf der Bühne zum bürokratischen Kraftakt. „Ich brauche eine Genehmigung für Facebook, WhatsApp, Instagram – und auch noch eine für Twitter“.

Ansonsten aber hielt sich das Seelsorgeteam diesmal im Hintergrund. Die Bühne wurde weitgehend dem Pfarrgemeinderat überlassen. Der nutzte die Gelegenheit, humorvoll auf die Hürden aufmerksam zu machen, die sich Gottesdienstbesuchern stellt. „Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Besucher durch die Kirchentür von St. Martin“, hieß es in einem Stück. Der Hinweis auf das schwer zu öffnende Portal wurde gleich noch garniert mit einem wohl gemeinten Ratschlag. „Warum verlegt man den Gottesdienst nicht einfach in den Pfarrsaal? Mehr Licht, bessere Türen und es zieht nicht.“

Diese Baustelle blieb ein Thema und sie taugte zu einem kleinen Seitenhieb auf die Personalpolitik der katholischen Kirche. „Sie wissen aber schon, dass das hier eine katholische Baustelle ist“, hieß es, als in einer Szene eine Arbeitskontrolle dargestellt wurde. Doch weil alles eine Frage der Örtlichkeit ist, folgte gleich die Auflösung: „Ach ja, auf dem Kirchvorplatz ist das etwas anderes. Da darf man auch evangelisch sein oder aus Don Bosco.“ Eine versteckte Spitze darauf, dass die örtlichen Pfarreien auch als gemeinsame Stadtkirche bisweilen immer noch recht eifrig ihre Eigenständigkeiten pflegen.

Mit einem Augenzwinkern als Produktplatzierung angekündigt, wurde gewissermaßen auch erstmals das Germeringer Brauhaus in Szene gesetzt – sowohl auf der Bühne als auch im Publikum, das den heimischen Gerstensaft mit zwei Sorten eingeschenkt bekam. So erfüllten die rund zweieinhalb Stunden all das, was der stellvertretende Pfarrgemeinderatzsvorsitzende von St. Martin, Armin Krebs, zu Beginn der Josefifeier angekündigt hatte: „Es wird bunt, abwechslungsreich, unterhaltsam und mit allen Zutaten.“ Zu denen gehört bei der Josefifeier gewissermaßen auch die Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr Unterpfaffenhofen. Zweimal ließ sie die Besucher sogar bei Gesangseinlagen aufhorchen.

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